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Morning Briefing Das Geheimnis der Innovation

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

das Zaubertuch der Ökonomie liegt über einer Sache, über die man gewöhnlich redet wie über einen heiligen Gral: Innovation. In der Volkswirtschaftslehre wird sie einfach als „autonomer technischer Fortschritt“ behandelt, als etwas, das vom Himmel fällt wie Manna oder wie ein Care-Paket. Tatsächlich sind Innovationen das Ergebnis eines positiven Zusammenspiels vieler Akteure in einem Unternehmen, die ein Kundenbedürfnis erkennen und das passende Produkt dazu schaffen. Die so etwas wie die Nespresso-Kapseln von Nestlé kreieren, wie Holger Ernst schwärmt, Professor für Innovationsmanagement an der Privatuniversität WHU in Vallendar. Er hat mit anderen die Datenbank Patentsight entwickelt, die Güte und Kraft innovativer Unternehmen bewertet.

In unserer großen Wochenendgeschichte schildern wir auf Basis dieser Daten, wer zu den Veränderungshelden der neuen Zeit gehört, wer am besten analog und digital, Moderne und Tradition zusammenbringt. Wer glauben Sie, liegt in der Liste der 100 innovativsten Unternehmen der Welt vorne? Die Google-Holding Alphabet? Nur Rang vier. Apple, die iPhone-Suchtorganisation? Platz vierzehn. Nein, Nummer eins ist demnach Samsung, stark bei Gesundheits- und Mobilitätsthemen, ein koreanisches „Chaebol“ genauso wie der drittplatzierte Elektronik-Konzern LG. Offenbar haben solche Familien-Konglomerate mehr Innovationserfolg als ihnen die selbstgefälligen Börsen mit ihren „Konglomerat-Abschlägen“ zutrauen. Auch der US-Pharmariese Johnson & Johnson (Zweiter) und Volkswagen (Zehnter) schlagen sich in dieser Hitparade gut.

Wer von Ihnen innovativer sein will, sollte sich vom Philosophen Bertrand Russell ermutigt fühlen: „Manche Menschen würden eher sterben als zu denken. Und sie tun es auch.“

Ganz offensichtlich ist es so, dass Erfolg mit Neuem jene haben, die mit Mythen aufräumen, zum Beispiel, dass besonders visionäre Köpfe nötig seien, Daniel Düsentriebs der Boardrooms. Entscheidend sei aber „nicht die Kreativität des Einzelnen, sondern die Organisation des Ganzen“, sagt uns Berater Florian Grassl von Boston Consulting. Es gehe nicht nur darum, aus Fehler rechtzeitig zu lernen. Es brauche auch einen klaren Fokus für die nächsten fünf bis zehn Jahre. Aufschlussreich in dieser Story über die „Blackbox“ Innovation ist noch, dass chinesische Konzerne eher in Start-ups investieren, um zu lernen und sie später zu kaufen, während viele deutsche Firmen ihr Budget lieber in die eigene F & E stecken. Doch der Trend, sagt WHU-Experte Ernst, „geht im Augenblick eindeutig in Richtung Zukauf“.

Donald Trump und Benjamin Netanjahu haben einiges gemeinsam: skrupellose Politik, Misstrauen gegen Medien, Probleme mit der Justiz. Sie sind „Brothers in Arms“. Während Trump in den USA auf ein Impeachment-Verfahren wartet, das eventuell nie kommt, sind beim israelischen Premier bereits Fakten geschaffen worden. Der Generalstaatsanwalt klagt ihn an, wegen Bestechlichkeit, Betrug, Untreue. Ein amtierender Regierungschef vor Gericht, das gab es in dem kleinen Land noch nie. „König Bibi“ selbst redet von einem „versuchten Putsch“ – und muss womöglich in Neuwahlen, die dritten innerhalb von zwölf Monaten. Er macht es seinen Landsleuten schwer, viele denken wie der verstorbene Schriftsteller Amos Oz: „Ich liebe Israel, obwohl es mir nicht gefällt.“

Historisch gesehen hatte die CDU ihre besten Zeiten, als Kanzlerschaft und Parteivorsitz in einer Hand war. Zeugen sind Konrad Adenauer, Helmut Kohl, Angela Merkel. Niemand wird sagen können, dass die Arbeitsteilung zwischen Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer stimmenmehrend funktioniert. Der aktuelle Parteitag in Leipzig sei „eine gute Gelegenheit, die politischen Koordinaten neu zu justieren“, schreibt Chefredakteur Sven Afhüppe im Leitartikel. Die Vorsitzende AKK sollte sich stärker als bisher aus dem langen Schatten ihrer Vorgängerin lösen – und die CDU als moderne, liberale, wirtschaftsfreundliche Partei wieder stärker in der Mitte der Gesellschaft verankern. Sein Fazit: „Merkels Zeit läuft ab, aber die von AKK hat noch nicht richtig begonnen.“

Ursula von der Leyen hat gute Aussichten, am 1. Dezember mit einem Monat Verspätung in Brüssel als EU-Kommissionspräsidentin einzuziehen. Die Majorität für ihr Führungsteam bei der für Mittwoch angesetzten Abstimmung scheint endlich sicher zu sein. Das folgt aus einem Treffen der Fraktionsführungen mit von der Leyens drei Stellvertretern. Künftig aber sind bei EU-Entscheidungen wechselnde Mehrheiten gut möglich. Allerdings wird von der Leyen, die Geschlechterparität in ihrem Sprengel versprochen hatte, mit 15 Männern und 12 Frauen in der Kommission arbeiten. Für die bei den Abgeordneten durchgefallene Französin Sylvie Goulard kam Thierry Breton.

Quelle: Reuters
Mario Centeno: „Der Abschwung hat globale Ursachen, und Deutschland ist nicht das einzige betroffene Land.“

Der deutsche Sparer ist verunsichert wie Heintje nach dem Stimmbruch. Die ersten müssen für Einlagen schon Geld zahlen (Volksbank Fürstenfeldbruck), die Finanztransaktionssteuer soll nach Jahren der Ankündigung doch kommen und auch die EU-Einlagensicherung wird wahrscheinlicher. Die politischen Verhandlungen darüber – also zum „European Deposit Insurance Scheme“ (Edis) – sollen 2020 beginnen, kündigt Euro-Gruppen-Chef Mário Centeno im Handelsblatt an: „Genau das ist unser Ziel.“ Pro Einlagensicherung hat sich jüngst auch der Bundesfinanzminister ausgesprochen, sehr zum Verdruss der CDU-Kollegen. „Wir arbeiten mit Olaf Scholz und nicht mit anderen Mitgliedern der deutschen Regierung“, kommentiert Centeno.

Und dann ist da noch das Tempo-10-Zone-Schild, eine Innovation im deutschen Verkehrsschilderwaldwesen, die es wohl nicht in die Zukunft schaffen wird. Solche Exemplare stehen in Berliner Bezirken. Da aber die Straßenverkehrsordnung und der amtliche Verkehrszeichenkatalog definitiv nur Schilder mit Tempo-30-Zone oder Tempo-20-Zone vorsehen, verkündete das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg jetzt das Ende für die Zehner-Variante. Konkret ging es um ein solches Schild in der Dircksenstraße in Berlin-Mitte, ein Anwohner hatte gegen das Super-Limit geklagt. Der Autor Aldous Huxley („Schöne neue Welt“) darf sich posthum bestätigt fühlen: „Der moderne Mensch hat ein neues Laster erfunden: die Geschwindigkeit.“

Ich wünsche Ihnen ein entschleunigtes, verbotsarmes Wochenende. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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