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Morning Briefing Das Gift der Nawalny-Affäre

25.08.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

es spricht einiges für eine neue, offene Ostpolitik gegenüber Russland, wie sie der SPD-Politiker Matthias Platzeck einfordert. Auch für Nord Stream 2 als Teil einer breiten Energieversorgung. Aber solche Rationalität wird derzeit doch empfindlich gestört durch Fragen rund um Alexej Nawalny.

Zum Beispiel: Wie kann es sein, dass der russische Oppositionsführer quasi rund um die Uhr von Geheimdienstleuten bewacht wurde – und doch zu Schaden kam? Ärzte der Berliner Charité gehen davon aus, dass er vergiftet wurde, und zwar mit einer Substanz der Cholinesterase-Hemmer, ergaben erste Untersuchungen. Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Heiko Maas fordern gemeinsam die russischen Behörden auf, „diese Tat bis ins Letzte aufzuklären – in voller Transparenz“. In Putin-Land wäre das eigentlich eine schöne Aufgabe für den Staatspräsidenten selbst.

Quelle: dpa
Laut Gesundheitsminister Jens Spahn stoßen die deutschen Labore an Kapazitätsgrenzen.

Zum Trial-and-Error-Verfahren der deutschen Gesundheitspolitik gehört, dass die kostenlosen Massentests für Urlaubsheimkehrer bald wieder passé sein werden. Die deutschen Labore stoßen an Kapazitätsgrenzen, die Ressourcen sollten wieder stärker für Pflege und Krankenhäuser genutzt werden, erklärt Gesundheitsminister Jens Spahn. Zusammen mit den Ministerkollegen aus den Ländern wurde jetzt das Aus für die Touristentests beschlossen. Auch wird die erst kürzlich eingeführte Testpflicht für Rückreisende aus Risikogebieten – wie aktuell Paris und Côte d‘Azur/Provence – wieder abgeschafft. Stattdessen muss man in einer Zwei-Wochen-Quarantäne in Urlaubserinnerungen schwelgen.

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    In der TV-Show „The Apprentice“ hat sich Donald Trump jahrelang als Moderator dem amerikanischen Volk präsentiert. Irgendwie logisch, dass zwei Produzenten der Realityreihe ihn jetzt im US-Wahlkampf als spontanen Live-Entertainer inszenieren, stets eine politische Zote auf den Lippen.

    Zu sehen ist das aktuell schon auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner, der zu einer reinen Familienangelegenheit wird. Siebenmal taucht der Name „Trump“ auf der Rednerliste auf – rhetorische Kostproben geben neben dem Präsidenten, der nun offiziell Kandidat ist, noch seine Frau, seine Söhne, seine Töchter und seine Schwiegertochter. Wie heißt es so schön in einem Hit von Sly & The Family Stone: „Blood, is Thicker than Mud / It‘s a Family Affair“.

    Quelle: AFP
    Trump-Tower im New Yorker Stadtteil Manhattan
    (Foto: AFP)

    Die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James sieht den durch das Immobilienwesen vermögend gewordenen New Yorker Clan ungleich kritischer. Sie untersucht derzeit, wie die Trump Organisation die eigenen Firmenwerte aufgebläht habe, um so besser an das Geld von Investoren zu kommen, heißt es in einer offiziellen Mitteilung. Es geht exemplarisch um einen Golfplatz in Los Angeles, ein Bürogebäude an der Wall Street und einen Landsitz in Westchester County. Ein New Yorker Richter soll den Trump-Verbund zwingen, Informationen zu liefern und den Präsidentensohn Eric für ein Interview zur Verfügung zu stellen. Bei einem früheren Versuch hatte Trump Junior die Befragung abgebrochen.

    Die deutsche Wirtschaft ist zweigeteilt. Der eine Teil kämpft mit einer düsteren Lagebeschreibung, die mit dem Halbsatz „Und dann kam Corona...“ beginnt. Hier drohen Insolvenzen oder „Schutzschirmverfahren“, Hauptsache man entgeht dem Gläubiger. Vor allem Maschinenbauer, Autozulieferer, Gastronomiebetriebe, Hotels und Messefirmen sind betroffen. Das ist die dunkle Seite des Mondes.

    Dem stehen börsennotierte Unternehmen gegenüber, die sich im Licht des Erfolgs brüsten: „Cash is King“. Allein die 30 Dax-Konzerne erhöhten zuletzt ihre Barmittel und kurzfristig abrufbaren Zahlungsmittel auf den Rekordwert von 253 Milliarden Euro, das sind 44 Milliarden mehr als im Vorjahresvergleich. Den Grund für die Aktion „Horten“ erläutert Bilanzexperte Kai Lehmann vom Vermögensverwalter Flossbach von Storch: „Viele Unternehmen haben Angst, dass es zu einer Kreditklemme kommt.“ Vertrauen ist ein Baustein, der offenbar ein paar Risse zeigt.

    Quelle: AFP/Getty Images
    Amina Mohamed gilt als Favoritin für den begehrten Posten an der Spitze der Welthandelsorganisation.
    (Foto: AFP/Getty Images)

    Noch nie stand eine Frau, noch nie stand ein Vertreter des afrikanischen Kontinents an der Spitze der Welthandelsorganisation WTO. Mit Amina Mohamed aus Kenia soll sich das in beiden Punkten ändern. Im Handelsblatt-Gespräch äußert sich die Favoritin für den Posten der Generaldirektorin zur Krise ihrer Organisation, die vom Hauptgeldgeber USA hart kritisiert wird.

    „Viele der Mitglieder streben eine Reform an, und zwar zu Recht. Die Diskussionen finden ja längst statt, etwa bei den so wichtigen Streitschlichtungsverfahren.“

    „Ohne ein System, das die Einhaltung der Handelsregeln garantiert, kann die WTO nicht richtig funktionieren.“

    „Nach der Pandemie ist es wichtig, internationalen Handel zu stärken. Märkte abzuschotten und Handelsbeschränkungen zu erlassen verschärft nur die Krise.“

    Das Beste für Amina Mohamed wäre, wenn Donald Trump im November abgewählt würde. Aber darüber redet sie lieber nicht.

    Und dann ist da noch der beliebte Videokonferenzdienst Zoom, der am gestrigen Montag für Angestellten-Frust sorgte. Es häuften sich weltweit Klagen über Ausfälle, viele Online-Meetings wurden gestrichen. Zoom bestätigte Probleme und entschuldigte sich höflich. Nach Korrekturen im Cloud-Dienst sollen die Angebote angeblich wieder normal laufen. Während der Coronakrise hatte sich das Unternehmen plötzlich in den Vordergrund gespielt, eine Aufsteigergeschichte. Gestern aber, nach dem Blackout-Tag, gab die Aktie an der Wall Street um 2,55 Prozent auf 282 US-Dollar nach.

    Ich wünsche Ihnen einen störungsfreien, kommunikationsstarken Tag.

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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