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Morning Briefing Das Handelsproblem der USA

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

ein Handelsdefizit ist nicht Folge eines politischen Wünsch-Dir-Was-Programms, sondern das ziemlich chaotische Ergebnis von Millionen von Konsumenten-Wünschen. Diese Erfahrung muss Donald Trump machen, für den die Handelsbilanz offenbar so wichtig ist wie für andere der Wetterbericht, weshalb er mit Zöllen und anderen protektionistischen Ideen ein Dauer-Hoch auslösen will. Was dann passiert? 2018 überstiegen in den USA die Importe die Exporte um stattliche 891 Milliarden Dollar – der höchste Wert seit zehn Jahren (ohne Dienstleistungen). Auch im Geschäft mit der EU und China war Trump Defizitkönig. Man darf das alles getrost als Lehrgeld für den US-Präsidenten werten.

Quelle: dpa
Facebook-Chef Mark Zuckerberg will das Online-Netzwerk stärker auf den Schutz der Privatsphäre ausrichten.

Als Mark Zuckerberg vor vielen Jahren in Harvard sein soziales Netzwerk startete, ging es ihm auch darum, über diesen Weg möglichst viele Frauen zu kontaktieren. Alles lief in schönster Offenheit ab. Nun aber vollzieht der Milliardär mit seiner Kreation Facebook (über 2 Milliarden Nutzer) eine Kehrtwende. Nun gilt, dass sich Menschen anlässlich der Integration der Dienste Instagram, Whatsapp und Facebook Messenger direkt und verschlüsselt austauschen sollen. Er glaube, heißt es in seinem Blog, dass eine auf Privatheit beruhende Kommunikation um einiges wichtiger werde als die heutigen offenen Plattformen. Zuckerbergs Vision für Facebook: „das digitale Wohnzimmer“. Wer sich hier einrichtet, muss Kommunarde sein.

Gewaltiges soll der Bundestag nächste Woche beschließen: ein aufgepäppeltes „Terminservice- und Versorgungsgesetz“, das Kassenpatienten schneller zu Arztterminen verhilft. Das Paragraphenwerk mit dem berlinüblichen Monstertitel, das die Orwellianer der SPD wohl „Gute-Praxis-Gesetz“ getauft hätten, soll ein Coup für Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) werden. Doch jährliche Mehrausgaben für Ärzte, die er auf bis zu 600 Millionen taxiert hatte, drohen nach Berechnungen der Krankenkassen aufs Doppelte zu explodieren. AOK-Chef Martin Litsch befürchtet im Handelsblatt-Gespräch, „dass wir viel Geld ausgeben, ohne wirkliche Verbesserungen für die Patienten zu erreichen“.

Seine politischen Tage als Transatlantiker sind gezählt, jetzt kommt die Ära als Missionar der Marktwirtschaft: Friedrich Merz, 63, der sich als Chef der Atlantik-Brücke zurückzieht, soll im Juni zum Vizepräsidenten des Wirtschaftsrats der CDU gewählt werden. Er sei bereit zu kandidieren, kündigt die designierte Präsidentin Astrid Hamker an; der im Mittelstand beliebte Politiker werde auch bei den Landtagswahlkämpfen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen auftreten. Womöglich nähert sich Anwalt Merz, der Aufsichtsratschef von Blackrock Deutschland, doch noch einem Ministeramt an. „Ist der Geist einmal der Dinge Herr, folgen die Worte von selber“, lernen wir beim großen Michel de Montaigne.

Heute kommt es in Washington zu einem besonderen Treffen: Es reden zwei Männer miteinander, die jeweils Unternehmer, Milliardär, Populist und Regierungschef sind. Das macht den Reiz des Gesprächs von US-Präsident Donald Trump mit dem tschechischen Premier Andrej Babiš aus. Der Gast hat rechtzeitig vorher eine Liebeserklärung in Form eines Attests abgegeben: „Wir sind dieselbe Blutgruppe.“ Offiziell feiert man 30 Jahre Prager Revolution und 20 Jahre Nato-Mitgliedschaft Tschechiens. Beim Vier-Augen-Gespräch der regierenden Milliardäre soll es um Cybersicherheit, Handel und Energie gehen, sicherlich aber um die Zukunft Europas.

Den konservativen Medienmogul Rupert Murdoch verbindet mit Trump eine intensive Hassliebe. Einerseits findet der gebürtige Australier, längst amerikanisiert, manches in der Politik des US-Präsidenten irgendwie ridikül, andererseits macht er mit ihm hohe TV-Einschaltquoten. Das Lager der Trumpisten versammelt sich nun mal gerne zum Zwecke der Selbstansprache vor dem Feuer des Murdoch-Kanals Fox News, den die Demokraten deshalb als Propagandamaschine betrachten – weshalb sie erstmals keine TV-Debatte im Vorwahlkampf der Präsidentenwahl von Fox News übertragen lassen. Zwischen Sender und Präsident herrsche ein „unangebrachtes Verhältnis“, so die Begründung. Damit ist etwa gemeint, dass sich Trump sein Personal gerne bei jenem Sender holt, der ihm huldigt wie das Stierkampfpublikum dem Torero.

Das Wort „Rezession„ ist das Nicht-Wort der börsenwirtschaftlichen Gegenwart, alle versuchen, die Vokabel zu vermeiden – als würde sie das Unglück erst bringen, vor dem man Angst hat. Wie geht es weiter an den Aktienmärkten? Droht ein Crash? Oder ist nur jener Kanonendonner zu hören, bei dem sich Gewiefte eindecken? Darüber redet am kommenden Montagabend in Frankfurt unser Finanz-Ressortleiter Daniel Schäfer mit den Betreuern der Handelsblatt-Musterdepots: Alexander Kovalenko (Bayerische Vermögen AG), Sönke Niefünd (Otto M. Schröder Bank) sowie Redakteur Ulf Sommer. Für die ausgebuchte Veranstaltung konnte ich zwei Karten reservieren. Interesse? Dann schreiben Sie mir ([email protected]).

Quelle: dpa
Annegret Kramp-Karrenbauer witzelt, die Deutschen seien "das verkrampfteste Volk, das überhaupt auf der Welt rumläuft".

Und dann ist da noch CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, die sich in der „fünften Jahreszeit“ (die gar nicht mehr enden will) als aufrechte Narrenfreiheitskämpferin erweist. Beim Aschermittwoch-Auftritt im ostdeutschen Demmin witzelte sie, die Deutschen seien „das verkrampfteste Volk, das überhaupt auf der Welt rumläuft.“ Und bezog sich auf den täglichen „Wahnsinn“ des politisch Korrekten, der eine Hamburger Kita dazu bringt, Indianer-Kostüme zu verbieten. Zuvor war ihr eine Rede vor einem „Narrengericht“, in der sie über Emanzen, Machos und Toiletten fürs dritte Geschlecht gefeixt hatte, übel genommen worden, als handele es sich um eine Staatsaffäre. Dabei sage die CDU ihrer Meinung nach ja nur: „Jeder soll nach seiner Façon glücklich werden.“ Wenn erst mal Friedrich der Große (der Zitat-Urheber) ins Spiel kommt, hat sich noch jeder Krampf im Volk schnell wieder gelöst.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie heute auf Ihre ganz eigene Art selig werden und verabschiede mich erst einmal in einen zweiwöchigen Urlaub. Mein Kollege Sven Afhüppe übernimmt. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor


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