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Morning Briefing Das Jahr der Frauen

20.12.2019 - 06:15 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

das Grundgesetz ist auch zu Weihnachten – das für manche leider eher „Weinnachten“ ist – eine schöne Lektüre. „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“, steht da in aller Klarheit. Hätten wir diesen Artikel drei GG öfter gelesen, wären viele der sogenannten „gesellschaftlichen Debatten“ erst gar nicht entstanden.

Frauen stellen nur knapp neun Prozent der Vorstände.

Natürlich wäre dann auch die deutsche Wirtschaft in der Frauenfrage um einiges weiter. Zwar finden sich heute in Aufsichtsräten großer börsennotierter Unternehmen aufgrund einer Quotenvorgabe 32 Prozent weibliche Mitglieder – doch stellen Frauen andererseits nur knapp neun Prozent der Vorstände. Da fällt es angenehm auf, wenn sich in einem Jahr wie 2019 plötzlich doch Gewaltiges tut. Jennifer Morgan, erste Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns (SAP). Christine Lagarde, erste Frau ganz oben bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Ursula von der Leyen, erste Frau als CEO der EU-Kommission. Grund genug für uns, in unserem großen 2019-Rückblick das „Jahr der Frauen“ auszurufen.

Die eigenen Netzwerke würden stärker, vor allem junge, bestens ausgebildete Frauen forderten Partizipation aktiv ein, schreibt Chefreporterin Tanja Kewes im Auftaktstück, und fordert: „Es müssen noch viele Frauen aufsteigen, bis eine gleichberechtigte Teilhabe in der deutschen Wirtschaft erreicht ist.“ Nicht ohne Grund hätten die sozialdemokratischen Ministerinnen Franziska Giffey (Familie) und Christine Lambrecht (Justiz) jüngst eine Quote für Vorstände gefordert. Der Prozentsatz von Frauen in den Vorständen von US-Firmen der Fortune-500-Liste – wie Cisco, JP Morgan oder American Express – liegt übrigens bei grundgesetzkompatiblen 40 bis 50 Prozent.

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    Es geht also Nina-Hagen-mäßig „unbeschreiblich weiblich“ zu in diesem Handelsblatt-Wochenendtitel. Der Reiz ist, dass wir durchweg passende prominente Autoren als Laudatoren gefunden haben, etwa Karl-Theodor zu Guttenberg über SAP-Aufsteigerin Morgan und ihren Co-Chef Christian Klein: Die Deutschland AG habe „endlich ihre fleischgewordene Provokation: eine Frau und ein Jüngling!“, urteilt der Mann, der mal kurzzeitig die CSU gerockt hat. Vergleichsweise ruhig lobt Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die neue Euro-Regentin Lagarde: Sie sei „ein Glücksfall für Europa und für die EZB – vielleicht gerade, weil sie keine Zentralbankökonomin ist.“

    Ein ganz besonderer Charme entfaltet sich, wenn ein Aussteiger über die „Aussteigerin des Jahres“ schreibt. Ex-CSU-Größe Peter Gauweiler würdigt Sahra Wagenknecht von der Partei Die Linke mit schönen Sätzen des hierzulande aus Gründen der Ideologie gerne verkannten Literaturnobelpreisträgers Peter Handke: „Bewege dich in deinen Eigenfarben, bis du im Recht bist.“ Oder: „Lass dich ein, verachte den Sieg.“ Das passt zur abgedankten Fraktionschefin, über die Gauweiler selbst formuliert, „dass sie zwar innerhalb der geschlossenen Parteilandschaft stört, nach außen aber wohl die Stimme des linken Lagers in Deutschland war, die am stärksten wahrgenommen wird“. Seine Prognose: „Befreit von den Zwängen der Parteipolitik“ könnten wir Großes von ihr erwarten.

    Quelle: Reuters
    Die Idee von Andreas Scheuer, noch vor der europarechtlichen Genehmigung Verträge mit zwei Firmen für die „Ausländer-Maut“ abzuschließen, hat ungeahnt böse Folgen.

    Eine Auszeichnung als größte politische Enttäuschung des Jahres, als Pannenmann vom Dienst, hätte sich Andreas Scheuer (CSU) ehrlich verdient. Seine irrwitzige Idee, noch vor der europarechtlichen Genehmigung Verträge mit zwei Firmen für das christsoziale Fetisch-Projekt „Ausländer-Maut“ abzuschließen, hat ungeahnt böse Folgen. Eventim aus Bremen und Kapsch aus Wien fordern insgesamt 560 Millionen Euro für entgangenen Gewinn und „Beendigungskosten“. Solche Beendigungskosten wären in diesem Fall auch für Scheuers Dienstherrin Angela Merkel eine schöne Alternative, zumal ihr stets elegant wandelndes Budgetrisiko jüngst für den Maut-Untersuchungsausschuss eher rustikal Akten als Geheimsache deklarierte und damit unzugänglich machte. So viel Chuzpe wird nur noch übertroffen vom großen Datenlöschen auf dem alten Diensthandy von Ex-Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, was das Aufklären ihrer alten Berateraffäre womöglich wunschgemäß erschwert.

    In Italien würde man solche Auffälligkeiten eher erwarten. Dort ist jetzt immerhin der seit Jahrzehnten größte Schlag gegen die Mafia gelungen. 2500 Polizisten rückten gestern in Kalabrien zur Razzia aus und setzten über 300 Personen fest, darunter Politiker und Offizielle. Sie sollen Mitglieder der 'Ndrangheta sein, der zweitgrößten Mafia-Organisation des Landes, und werden solcher Verbrechen wie Mord oder Geldwäsche beschuldigt. Schon 2016 war die Untersuchung gestartet, die auch in Deutschland, der Schweiz und Bulgarien zu Verhaftungen führte. Unter den Festgenommenen ist der bekannte Anwalt Giancarlo Pittelli, der früher für Silvio Berlusconis Forza Italia aktiv war.

    Wer in den vergangenen Jahren auf Autokongressen weilte, konnte kaum der Steilwand-These entgehen, künftig sei es vorbei mit dem Statussymbol Auto und alle würden sich dann via Carsharing bewegen. Jetzt blasen ausgerechnet die zuletzt auf „Mobilitätsdienste“ versessenen Konzerne Daimler und BMW zum Rückzug. Ihr erst im Februar gestartetes Angebot „Share Now“ – die ultimative Weiterentwicklung von „Car2Go“ und „Drive Now“ – gibt in Nordamerika auf und macht auch in London, Florenz und Brüssel Schluss. Man stellt unter der Ägide neuer CEOs (Ola Källenius und Oliver Zipse) ernüchtert fest, dass sich das Ganze nicht rechnet. Der Anteil der Sharing-Karossen an der deutschen Pkw-Flotte liegt bei nur 0,04 Prozent, wie wir in unserem Report darlegen. Hier endet ein Hype. Aus „Share Now“ wird „Share No“.

    Quelle: Reuters
    Der britische Premierminister Boris Johnson will den derzeitigen Leiter der britischen Finanzmarktaufsicht FCA,Andrew Bailey, der Queen vorschlagen.

    Und dann ist da noch Andrew Bailey, der wohl im Januar als Nachfolger des Kanadiers Mark Carney zum Chef der traditionsreichen Bank of England aufsteigt. Der frisch gewählte Premier Boris Johnson will den derzeitigen Leiter der britischen Finanzmarktaufsicht FCA der Queen vorschlagen. Einige Finanzskandale im Vereinigten Königreich, zum Beispiel der Crash der Woodford-Fonds, haben der Karriere Baileys nicht geschadet – zumal er nicht, wie Rivalen, durch flotte Anti-Brexit-Reden aufgefallen ist. Der promovierte Historiker hat schon viele Jahre in der Notenbank in der Threadneedle Street gearbeitet, wo er es bis zum Vizepräsidenten gebracht hat. In seiner neuen Rolle wird Bailey an Oscar Wilde denken müssen: „Es gibt nur eine Klasse in der Gesellschaft, die mehr an Geld denkt, als die Reichen. Das sind die Armen.“

    Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende und gute Gespräche, zum Beispiel darüber, wer wohl Ihre Personen des Jahres waren.

    Es grüßt Sie wie immer herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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