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Morning Briefing Das Jerusalem-Manöver

29.01.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

gegen juristische Kalamitäten im Wahlkampf hilft am besten Chuzpe. Und was ist besser als ein Deal, der Schlagzeilen macht? So hielten es Donald Trump und Benjamin Netanjahu gestern in Washington bei ihren Vorschlägen für eine „realistische Zweistaatenlösung“ in Israel und Palästina. Da war verdrängt, dass der Mann aus Israel just am Dienstag wegen Korruption angeklagt wurde und gegen seinen windigen amerikanischen Partner ein Amtsenthebungsverfahren läuft. Trump brachte bei seiner Initiative auch noch den faulen Trick an, dass Jerusalem einerseits „ungeteilte Hauptstadt“ Israels bleibt, andererseits in Ostjerusalem jedoch auch die palästinensische Hauptstadt siedeln darf. Dort würden die USA dann „stolz“ die zweite Botschaft in der Stadt eröffnen.

Quelle: dpa
Was lenkt besser von schlechter Presse ab als ein Deal, der Schlagzeilen macht? Donald Trump und Benjamin Netanjahu in Washington bei ihren Vorschlägen für eine "realistische Zweistaatenlösung".

Weniger stolz sind die Palästinenser, die in diese Friedensmission nicht eingebunden waren und das Angebot des Duos Trump-Netanjahu prompt ablehnten. Präsident Mahmoud Abbas spricht von „Verschwörung“ und davon, dass Jerusalem nicht zum Verkauf stehe, „unsere Rechte auch nicht“. Grund für die Empörung: Die umstrittenen israelischen Siedlungen im Westjordanland sollen anerkannt werden, das Jordantal bleibt unter israelischer Kontrolle und die Palästinenser sind aufgefordert, alle Waffen abzugeben. Aus dem von Trump versprochenen palästinensischen Staat wird mit diesem Vertrag ebenso wenig etwas werden wie aus einem Friedensnobelpreis für Trump und Netanjahu.

Ganz und gar nicht in die Dauerberieselung mit Erfolgsmeldungen der Trump-Administration passen aktuelle Nachrichten von der US-Schuldenfront. Danach wird das amerikanische Haushaltsdefizit 2020 die magische Grenze von einer Billion Dollar durchbrechen. Im laufenden Fiskaljahr schätzen die Experten des unabhängigen Budget-Offices des US-Kongresses das Minus auf genau 1,015 Billionen Dollar, bei 2,2 Prozent Wachstum. Fast 23 Billionen Dollar Verbindlichkeiten – 108 Prozent der Wirtschaftsleistung – lasten damit auf dem Staat. Uncle Sam lebt auf Pump und von großen Worten.

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    Fortbildung ist eine prima Sache, doch die Schulungsveranstaltung am 21. Januar beim oberbayerischen Autozulieferer Webasto hatte schlimme Folgen. Eine aus China angereiste Mitarbeiterin steckte mindestens vier Kollegen mit dem Coronavirus an. Gestern Abend waren drei weitere Webasto-Fälle der neuen Lungenkrankheit bekannt geworden, die Patienten kamen in die Münchener Klinik Schwabing. Weitere Kontaktpersonen der Chinesin werden getestet. Webasto hat nun beschlossen, den Stammsitz in Gauting vorübergehend zu schließen und ein Reise-Verbot auszusprechen, das für China zwei Wochen lang gilt. Weltweit gibt es fast 6000 Erkrankte, mindestens 132 Personen sind in China gestorben.

    An den Finanzmärkten kursiert das Wort Coronavirus oft in Verbindung mit einer geheimnisvollen Sprachschöpfung: „Black Swan“, „schwarzer Schwan“, benannt nach einem berühmten Buch von Nassim Nicholas Taleb. Er beschreibt darin die verhängnisvolle Wirkung von unplanbaren, unvorhergesehenen Ereignissen, die eine wirtschaftliche Unglücksverkettung zur Folge haben. Da ist Chinas Wirtschaft, die geschwächt wird; da sind Lieferanten aus aller Welt, die leiden; da sind internationale Konzerne, die in der Volksrepublik nicht wie gewohnt produzieren können; da sind Luftfahrt und Tourismus, die Umsatz abmelden. Kurzum, die Angst wächst, dass dieses Virus nach den ersten Rückgängen der völlig hochgejazzten Aktienkurse eine richtige globale Börsenbaisse auslöst. Dass zu roten Zahlen wirklich ein schwarzer Schwan kommt und zur Epidemie eine ansteckende Vertrauenskrise. „Virus schwächt Wirtschaft“, titeln wir in unserer aktuellen Ausgabe.

    Weihnachten war Geschenkzeit für Apple. Der Tech-Konzern aus dem amerikanischen Cupertino steigerte den Umsatz im vierten Quartal 2019 um neun Prozent auf 91,8 Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg von knapp 20 Milliarden auf 22,2 Milliarden Dollar. Auch das iPhone, Top-Seller im Angebot der Firma, schaffte ein Umsatzplus von 7,6 Prozent. Apple Watch, AirPods-Ohrhörer und Abodienste wurden demnach ebenfalls eifrig als Präsent gereicht. In der Apple-Zentrale kommen sie derzeit aus dem „Merry Christmas“-Sagen gar nicht mehr heraus.

    Heute hat es der Kulturausschuss des Bundestags mit einer Anmaßung in Euro und Cent zu tun. Sieben Sachverständige äußern sich zur Frage, ob dem Haus Hohenzollern – wie von ihm gefordert – eine Entschädigung zusteht, da es nach 1945 in Ostdeutschland enteignet worden war. Es geht vor allem um die Frage, ob die Hohenzollern dem NS-Regime „erheblichen Vorschub geleistet hätten“ (dann entfällt eine Entschädigung). Dokumente zeigen zum Beispiel, dass der arisierte Stuttgarter Textilverwertungsbetrieb der jüdischen Familie Wolf an den einstigen Kaiser Wilhelm II. fiel, der Hitler 1940 brav zum „gewaltigen Sieg“ in Frankreich gratuliert hatte. Auch bei der Sapt AG wurden Hohenzollern in der Nazi-Zeit Miteigentümer. Die Monarchie ging, die Gier nicht.

    Dass sich Sigmar Gabriel in keiner einfachen Branche als Aufsichtsrat etabliert hat, dürfte dem einstigen SPD-Chef klar sein. Wie haarig es ist, kann der Neo-Deutschbanker im Handelsblatt-Interview mit Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling nachlesen. „Der Druck wird 2020 noch größer“, warnt der für die Bankenaufsicht zuständige Experte. Den Banken werde es wegen des Abschwungs weniger gut als zuvor gelingen, fallende Erträge durch mehr Kredite und weniger Risikovorsorge auszugleichen. Wuermeling fordert Filialschließungen, Kooperationen, die Zusammenlegung von Aktivitäten und Auslagerungen. Die Fusionsgespräche zwischen Dekabank und Helaba, so der Bundesbanker, seien „ein Zeichen dafür, dass der Sektor die Signale verstanden hat“.

    Quelle: Reuters
    Nach zwei Jahren Bewährung an der Renault-Spitze ist für Luca de Meo vorgesehen, die Gesamtverantwortung für Renaults Entente mit Japans Autokonzernen Nissan und Mitsubishi zu übernehmen

    Und dann ist da noch Luca de Meo, der zum neuen Carlos Ghosn von Renault avanciert. Den Posten des Vorstandschefs des französischen Autokonzerns kann der 52-Jährige aber erst am 1. Juli antreten, so lange muss er offiziell spazieren gehen. Sein bisheriger Arbeitgeber, der Volkswagen-Konzern, fand es wenig erbauend, dass der Manager vom Chefposten bei Seat zur Konkurrenz wechselt. Bei der spanischen VW-Tochter war er am 7. Januar als CEO zurückgetreten. Nach zwei Jahren Bewährung an der Renault-Spitze ist für de Meo vorgesehen, die Gesamtverantwortung für Renaults Entente mit Japans Autokonzernen Nissan und Mitsubishi zu übernehmen – also für das, was Ghosn in besseren Tagen als Sonnenkönig bewirtschaftet hat.

    Ich wünsche Ihnen einen glücklichen, abwechslungsreichen Tag. Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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