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Morning Briefing Das Last-Minute-Comeback des Joe Biden

05.11.2020 - 06:25 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

24 Stunden nach Schließen der Wahllokale in den USA hätte ich Ihnen gerne einen der beiden folgenden Sätze präsentiert. Entweder: „Donald Trump ist der neue alte Präsident.“ Oder: „Joe Biden ist der alte neue Präsident.“ Aber so einfach ist es nicht. Es wird noch gezählt. Und wer erinnert sich nicht an Trumps Vaudeville-Auftritt gestern Nacht auf der Bühne „Weißes Haus“, als er Staat für Staat seinen Vorsprung aufzählte – und klar, der sei nie mehr aufzuholen.

Nun aber hat Gegenspieler Biden tatsächlich Staat für Staat erobert, vor ein paar Stunden auch Wisconsin und Michigan. Ihm fehlen noch 17 Wahlleute zum Sieg mit insgesamt 270 „Electors“, was mit Arizona (elf Stimmen) und Nevada (sechs Stimmen) exakt gelingen könnte. Auch Pennsylvania (20 Stimmen) und Georgia (16 Stimmen) sind für ihn in der „Zitterpartie“ möglich.

Aber auch Trump könnte noch gewinnen – entweder durch echte Wahlmänner in den verbleibenden US-Bundesstaaten oder durch erfolgreiche Klagen in Michigan, Pennsylvania und Wisconsin gegen die Auszählungen von Briefwahlstimmen. Was schert es ihn, dass OSZE-Wahlbeobachter die Betrugsvorwürfe für kalten Kaffee halten? Trump ruft: „Betrug!“ und „Haltet den Dieb!“ – und versucht gerade, seine Beute durch den Hinterausgang ins Versteck zu bringen.

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    Quelle: AP
    „Wir machten Wahlkampf als Demokraten, aber ich werde als amerikanischer Präsident regieren“, verspricht Joe Biden in einer Rede am Mittwoch.
    (Foto: AP)

    Demokratie lebt vom Streit der Argumente (wenn es welche sind), aber auch davon, dass alle bei Bedarf zwei Gänge zurückschalten können. Der einstige Vizepräsident Biden hat das jetzt versucht: „Ich bin als demokratischer Kandidat angetreten. Ich will das Land aber als Präsident aller Amerikaner führen. Die Präsidentschaft an sich ist keine Partei-Institution, sie ist die Stelle der Nation, die jeden repräsentiert. Wir sind keine Feinde.“

    Es sei an der Zeit, so Biden weiter, „sich zu vereinen, zu heilen, als Nation zusammenzukommen“. Übrigens hat Biden mit insgesamt mehr als 70 Millionen Stimmen ein „Allzeithoch“ aufgestellt: den bisherigen Höchstwert erreichte Barack Obama 2008 mit 69,5 Millionen.

    Die Aktienkurse an der Wall Street stiegen, weil den Börsianern eine Kombination gefällt: aus einem Präsident Biden und einem weiter von den Republikanern regierten Senat, worauf die Wahlergebnisse auch deuten.

    Millionen von US-Amerikaner rätseln, wie es mit ihrem Land weitergeht. Was haben die USA schon hinter sich – und was steht ihnen noch bevor? Das haben wir unsere US-Korrespondentin Annett Meiritz im Podcast „HB Today“ gefragt, das meine Kollegin Mary-Ann Abdelaziz-Ditzow gestaltet. Und unser Börsenexperte Markus Koch hat für uns die Stimmung an der Wall Street bewertet.

    Aufschlussreich ist das Pressecho auf die Wahl: „Ein beträchtlicher Teil Amerikas billigt nicht nur Trumps Regierungsstil, sondern verlangt noch mehr davon – Trump hat demnach den Charaktertest bestanden“, schreibt Nicolas Richter in der „Süddeutschen“. „Die Ideen der Demokraten empfinden Trumps Wähler als beängstigende Attacke auf ihren American Dream von Haus und Pick-Up-Truck“, kommentiert Mathias Müller von Blumencron im „Tagespiegel“.

    Bettina Gaus wiederum meint in der „taz“: „Der Verlauf der US-Präsidentschaftswahlen kann nur Wasser auf die Mühlen von Rechtspopulisten sein – trübe Aussichten.“ Und Jens Münchrath formuliert im Handelsblatt: „Trump ist kein Betriebsunfall der Geschichte, wie seine Gegner behaupten. Er steht für einen robusten Trend.“

    BMW-Chef Oliver Zipse meint es nett mit den USA. Aufgrund der vielen Produktionen seines Hauses spricht er, ungeachtet aller politischen Kapriolen, von der „zweiten Heimat“ des Münchener Autobauers. Klingt wie „We love you“ und ist doch eher mehr eine Floskel. Denn als Absatzmarkt gewinnt längst China mehr und mehr an Bedeutung. Erstmals in der Firmengeschichte verkauft BMW nun in der Volksrepublik fast dreimal so viele Karossen als in den Vereinigten Staaten – das Verhältnis liegt bei 560.000 zu 200.000 Autos.

    Die Beziehungen zu Peking sind so gut, dass BMW das Joint-Venture mit dem chinesischen Hersteller Brilliance auf 75 Prozent aufstocken kann und mit Great Wall die E-Version des „Mini“ baut. Und schließlich ist es auch China zu verdanken, dass BMW für 2020 erneut Gewinn meldet. „Nicht die Glücklichen sind dankbar“, wissen wir mit dem Philosophen Francis Bacon, „es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“

    Quelle: dpa
    36 der größten deutschen Banken haben mit notleidenden Krediten mehr Problemstoff vorrätig als im Vorjahr.

    Wie stark sind die deutschen Banken noch in der Coronakrise? Diese Frage hat die Beratungsfirma Bearingpoint beschäftigt, die in einer großen Studie die Bilanzen von 86 europäischen Geldinstituten seziert hat. Es zeigt sich, dass 36 der größten Banken Ende des ersten Halbjahres rund 317 Milliarden Euro an notleidenden Krediten in ihren Bilanzen haben. Das ist deutlich mehr als im Vorjahr, andererseits aber deutlich unter den toxischen 444 Milliarden aus der Finanzkrise.

    Nun aber drohen negative Effekte durch Insolvenzen von Firmen und Privathaushalten. Im Schnitt ging die Eigenkapitalrendite der Banken bereits um 4,4 Prozent zurück, der Vorsteuergewinn brach um 68 Prozent ein. Bearingpoint-Partner Frank Hofele: „Die Banken können sich nicht gesundsparen, sie müssen gleichzeitig in effizientere und nachhaltigere Geschäftsmodelle investieren.“

    Sein bisheriges Berufsleben hat Jan Michael Mrosik bei Siemens verbracht. Hier hat sich der 56-Jährige – zuletzt als Chief Operating Officer der Sparte Digital Industries – den Ruf eines durchaus rustikalen Managers ehrlich erarbeitet. In seinem neuen Druck-Job als CEO von Knorr-Bremse braucht er einerseits solche Qualitäten, um es mit Patron, Großaktionär und Aufsichtsrat Heinz Hermann Thiele auszuhalten. Andererseits aber ist zu viel Widerstandskraft vor Herrschers Thron unangebracht und führt zu Abfindungsgaben. Mrosik ist tatsächlich der dritte CEO im Münchener Schwermobilitätskonzern innerhalb von noch nicht einmal 18 Monaten. In solchen Fällen beginnt man den Job nicht ohne Psychologin.

    Der Restaurant-Lockdown bringt auch bisher pfannenpanische Mitmenschen auf die Idee, sich doch einmal in der Küche zu versuchen. Der Lesen-Hören-Sehen-Tipp des Tages für Anfänger am Herd: die „Online-Video-Kochschule“ des Norddeutschen Rundfunks (NDR). Die NDR-Hauskräfte Rainer Sass, Hannes Schröder, Tarik Rose und Theresa Baumgärtner zeigen in kurzen Filmchen, wie Steak brät, Fleisch schmort, die Ente gart, Kartoffelklöße gelingen oder man Mayonnaise mixt. Das Team sagt „Moin“, hält es schön einfach und baut so alle Berührungs- und Rührängste ab.

    Quelle: dpa
    Nach 30 Jahren bei der HSBC Deutschland wechselt Banker Andreas Schmitz nun zur Konkurrenz.

    Und dann ist da noch der Banker Andreas Schmitz, der in mehr als 30 Jahren bei HSBC Deutschland, vormals Trinkaus & Burkhardt, in den Geschäftsräumen an der Düsseldorfer Königsallee seine Liebe zu Asien zelebrierte. Nun ist nach 30 Jahren Schluss damit, der 60-Jährige legt den Aufsichtsratsvorsitz nieder. Der Mann wechselt einfach zur Konkurrenz: Er sitzt künftig im Aufsichtsrat der Commerzbank, die mit der HSBC im Kreditgeschäft um dieselben Firmenkunden buhlt. Vielleicht zitiert sich Schmitz selbst den Dichter Christian Morgenstern: „Wer sich selbst treu bleiben will, kann nicht immer anderen treu bleiben.“

    Die Personalie stärkt den Commerzbank-Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter, der einst die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) lenkte, die wiederum an HSBC Deutschland zeitweise beteiligt war. China habe sich „in Riesenschritten vom Imitator zum Innovator entwickelt“, hinterlässt Schmitz, „wir sollten und brauchen keine Angst vor den Chinesen haben“.

    Ich wünsche Ihnen einen verantwortungsbewussten Tag.

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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