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Morning Briefing Das Zukunftsgeschäft von Biontech

11.11.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

was sind schon 210 Millionen Euro Quartalsverlust, wenn es ums Ganze geht, um „Lightspeed“, um die Rettung der Welt vor der Pandemie? Was zählen 228 Millionen Forschungsausgaben in drei Monaten, wenn am heutigen Mittwoch ein Riesen-Vorabvertrag mit der EU-Kommission abgeschlossen wird?

200 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffes BNT162b2 plus Option auf weitere 100 Millionen erhält Brüssel von Biontech aus Mainz, dem noch defizitären Shooting-Star der Virus-Ökonomie. Der Preis pro Dosis dürfte sich an jenen gut 16,50 Euro orientieren, die die Deutschen mit Finanzierungspartner Pfizer für einen „Benchmark“-Deal mit der US-Regierung vereinbart haben. Washington orderte 100 Millionen Dosen, auch Großbritannien, Japan, Hongkong, Macau, Kanada sowie neun weitere Staaten wurden handelseinig mit CEO Ugur Sahin. Der Gründer sprach jetzt vor Analysten von einem „Wendepunkt und Meilenstein“ sowie von einer „guten Nachricht für die Menschheit“.

Die gute Nachricht für Aktionäre besteht aus zwei Zahlen: Die 2021er-Produktion von 1,3 Milliarden Dosen ist fast verkauft, rund 9,4 Milliarden Euro Umsatz dürften sicher sein. Da werden selbst Bayer, Merck & Co. ehrfürchtig. Corona verändert den Pharmamarkt.

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    Quelle: AFP
    President-elect Joe Biden nennt die Weigerung Donald Trumps, die Wahlniederlage anzuerkennen, „peinlich“.
    (Foto: AFP)

    Zum Weltschmerz des abgewählten Präsidenten Donald Trump gehört, dass die Meldungen vom Forschererfolg zu spät für ihn kamen. Er schiebt das auf jene bösen Kräfte, die auch die US-Briefwahlen gefälscht haben sollen. Und so klagt der Meister der Obstruktion in entscheidenden Bundesstaaten gegen die Gültigkeit der Wahlen, verweigert eine Amtsübergabe, plant das 2021er Budget und betreibt vor dem Supreme Court die Demontage der Krankenversicherung Obamacare.

    Die Amtsübergabe werde eine „von Trump auf Trump“, hobelt sein Außenminister. Das Ganze ist so, als ob in der Oper der Vorhang gefallen ist und der Regisseur weiter die Kulissen schiebt. President-elect Joe Biden nennt den Plan, Obamacare zu zerschlagen, „grausam“. Die Weigerung Trumps, die Wahlniederlage anzuerkennen, sei „peinlich“. Doch nur für die eine Hälfte des Landes ist Trump ein moralischer Bankrotteur, für die andere ist er ein Last-Minute-Held.

    Zu den Ritualen unseres Landes gehört die novemberliche Übergabe einer dicken Schwarte an die Bundesregierung. Deren Vertreter lächeln dann artig, finden aber in der Regel keine Zeit zur Lektüre des Jahresgutachtens, das fünf Top-Ökonomen – die „Wirtschaftsweisen“ – da präsentieren.

    Heute hat der 1963 entstandene „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ wieder seinen großen Auftritt, diesmal unter Führung von Professor Lars Feld. Schon jetzt ist klar, dass man die Corona-Politik lobt und optimistisch ist. Die Wirtschaft werde nur um 5,1 Prozent schrumpfen, weissagen die Experten, 2021 gebe es dann wieder ein Plus von 3,7 Prozent. Die Forscher bei Wirtschaftsminister Peter Altmaier wiederum rechnen aktuell mit minus 5,5 Prozent, dafür aber im nächsten Jahr mit formidablen 4,4 Prozent. Wir merken: Das Gute liegt bei den „Weisen“ deutlich näher als bei den Beamten.

    2019 stieg der „Goodwill"-Geschäftswert bei den 30 Dax-Konzernen um fast 30 Milliarden auf 318 Milliarden Euro.

    Krisen bringen es mit sich, dass sich die Hoffnungen ehrgeiziger CEOs verkleinern wie Bohnen in der Kaffeemühle – und sich Zukäufe als sehr teuer bezahlt erweisen. Dann stehen auf einmal die hohen Kaufwerte als „Goodwill“ wie Zahlen gewordene Drohungen in der Bilanz. 2019 stieg dieser Geschäftswert ohne materielle Entsprechung bei den 30 Dax-Konzernen um fast 30 Milliarden auf 318 Milliarden Euro, hat Handelsblatt-Bilanzfuchs Ulf Sommer für die aktuelle Titelstory ausgerechnet.

    In Zeiten schwindender Gewinne ist eine solche Rekordgröße ein Alarmwert. Die Folge: hohe Abschreibungen, wobei Bayer, BASF und Heidelberg-Cement besonders auffallen. Für einige der deutschen Spitzenkonzerne wird das Jahr mit flackernden Lichtern am Weihnachtsbaum enden, sprich mit weiteren Wertberichtigungen.

    Markus Rieß war als CEO-Kandidat bei Allianz einst nicht zum Zug gekommen. Nun betont er, seinen zweiten, bis 2025 laufenden Vertrag beim Versicherer Ergo voll erfüllen zu wollen. Erstaunlicherweise hatte er dort 2019 mit 4,6 Millionen Euro sogar rund 18 Prozent mehr verdient als Munich-Re-CEO Joachim Wenning. Die Firma sei aufs Engste mit der Mutter-Company Munich Re verzahnt, erklärt Rieß. Offenbar sind Zukäufe in Indien, China und Europa geplant. Im Einzelnen sagt der 54-Jährige über...

    • …den juristischen Streit mit Kunden wegen Betriebsschließungspolicen, die in der Coronakrise nicht zahlten: „Auch wir präzisieren nun bei Vertragserneuerungen die Bedingungen. Wenn die Kunden nicht zustimmen, kann es im Einzelfall zu Kündigungen kommen. Niemand kann erwarten, dass die Privatwirtschaft allein ein Pandemierisiko schultert.“
    • … das Ende der im Publikum beliebten 100-prozentigen Beitragsgarantie in der Lebensversicherung: „Die 100-Prozent-Beitragsgarantien, die wir bei einigen unserer neuen Policen noch anbieten, könnten dauerhaft nicht mehr in die Zeit passen. Es ist also möglich, dass es in die Richtung gehen kann, generell beispielsweise nur noch 80 Prozent der eingezahlten Beiträge bei neuen Lebenspolicen zu garantieren. Die klassische Police hat sich überlebt.“
    • …die eigene Sanierungsarbeit: „Ob wir das Ergebnisziel von 530 Millionen Euro genau treffen werden, kann ich angesichts der Umstände nicht versprechen. Aber wir werden nicht weit davon weg liegen. Das Ergo-Strategieprogramm hat uns wieder in die Erfolgsspur gebracht. Ausruhen dürfen wir uns nicht.“

    Die Versicherten werden Rieß’ Wegbeschreibungen weit weniger gern hören als die Rückversicherer in München.

    Zum Repertoire dieser Tage gehören Katastrophenberichte aus Ländern wie Italien, die einst dem stressgeplagten deutschen Norm-Erfüller die Illusion von „dolce vita“ boten. Nun wird dort eine Urlaubsregion nach der anderen zur „orangen Zone“ erklärt, mit Öffnungsverboten für Restaurants und Bars. Lange schon gelten nächtliche Corona-Ausgangssperren in Städten wie Rom und Neapel. Da bleiben statt den schönen Wochenendreisen von einst nur Kopfreisen im Imperium des Internet, was uns zum Lesen-Hören-Sehen-Tipp des Tages bringt.

    Man könnte also mit www.il-colosseo.it durch das Kolosseum und das Forum Romanum flanieren, liest in den Führern dazu und begibt sich anschließend mit „Rome Reborn 2.1“ in die reanimierte antike Stadt am Tiber. Der Impfstoff stillt unsere Sehnsucht nach Gesundheit, die virtuelle Reise hält die Sehnsucht nach der Schönheit der Welt aufrecht.

    Und dann ist da noch Deutschlands wertvollster Konzern SAP, der heute unrühmliche Szenen vor dem Heidelberger Landgericht erlebt. Die Gründe sind, sagen wir es vorsichtig, Unwuchten oder vielleicht besser „bugs“ auf der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat. Da klagt also tatsächlich der inzwischen ausgeschiedene Thorsten T. gegen den Ex-Kollegen Ralf C. (beide Namen geändert), und zwar um ein „Honorar für Unterstützungsleistungen zur Erlangung eines Aufsichtsratsmandats“. Im Erfolgsfall könnte es Hunderttausende Euro ausmachen. Es sei darum gegangen, „wie kommuniziert man, wie schreibt man E-Mails – Themen, wo ich viel Erfolg hatte“, so der Kläger.

    Bei der Aufsichtsratswahl 2012 will er dem „Newcomer“ ordentlich geholfen haben und zeigt einen Vertrag, den sein Kontrahent für gefälscht hält. Pikant ist, dass Berater T. damals die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat mitwählte und C. noch immer amtiert. Allein zwischen 2012 und 2015 hat der beklagte Aufseher 700.000 Euro erhalten. Im SAP-Streit gilt ein Bonmot des Börsenphilosophen André Kostolany: „Wenn’s um Geld geht, gibt’s nur ein Schlagwort: Mehr!“

    Ich wünsche Ihnen, in aller Bescheidenheit, einen erfolgreichen Tag.

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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