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Morning Briefing Dax-Konzerne im Gewinnrausch

14.05.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

an den Börsen grassieren weiter die Stimmungskrankheiten namens „Inflationsangst“ und „Zinsangst“ mit kursdämpfender Nebenwirkung. Die deutschen Börsenkonzerne selbst aber präsentieren sich, ungeachtet solcher Kalamitäten, als ökonomische Kraftprotze. Immerhin haben gleich acht der 30 Dax-Konzerne im ersten Quartal ihre Gewinne im Vorjahresvergleich mehr als verdreifacht, zum Beispiel Volkswagen, Daimler und Covestro.

Die Deutsche Post profitiert von der Paketflut, Infineon vom globalen Halbleiter-Mangel. Schließlich fördern auch die in vielen Ländern angestoßenen Konjunkturprogramme das Geschäft. Insgesamt haben die Dax-Unternehmen nach Berechnungen des Prüf- und Beratungskonzerns EY in den ersten drei Monaten knapp 42 Milliarden Euro vor Zinsen und Steuern verdient – das ist doppelt so viel wie 2020.

Quelle: Davide Bonazzi
Ein sparsamer Lebensstil und renditestarke Investitionen können finanzielle Freiheit ermöglichen.
(Foto: Davide Bonazzi)

In unserem großen Wochenend-Report befassen wir uns mit einer Community namens „Fire“: Die vier Buchstaben stehen für „Financial Independence, Retire Early“ und damit für Menschen, die mit 40, 50 oder 60 der Angestellten-Kultur entsagen und privatisieren. Man spart viel, konsumiert wenig und investiert renditestark, dieses Rezept scheint immer zu funktionieren.

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    Konkret bedeutet dies, auf ETFs zu setzen, also börsengehandelte Indexfonds, die in bestimmte Aktienmärkte investieren. Oder man kauft, so wie der studierte Historiker Eggert Schröder, in vier Ländern 15 Häuser und Wohnungen, renoviert sie und verkauft am Ende mit Mehrwert. Der dritte Weg in die finanzielle Freiheit läuft über Unternehmertum, doch die meisten Entrepreneure träumen nun mal nicht vom frühen Ruhestand, sondern vom späten Unruhestand. Und schließlich setzen ganz Wagemutige auf Kryptowährungen – hier allerdings kann das Glück von sehr kurzer Dauer sein.

    Was ist Glück überhaupt? „Happiness Is A Warm Gun“, sangen die Beatles. Geld aber mache nur glücklich, wenn man am Existenzminimum lebe und dann ein paar Euros hinzugewinne, findet Michaela Brohm-Badry, Glücksforscherin an der Universität Trier. Im Einzelnen sagt sie im Handelsblatt-Interview über

    • Geld, das unglücklich macht: „Rein materieller Wohlstand macht auf Dauer überhaupt nicht glücklich. Gleiches gilt für Ruhm und Attraktivität. Reich, berühmt und sexy zu sein, macht nur kurzfristig glücklich, so wie Schokolade.“
    • den Ausstieg aus dem Job: „Arbeit kann auch intrinsisch motiviert sein, gibt uns Anerkennung, Sinn und Wirksamkeit. Wenn die Arbeit plötzlich wegfällt, muss man dafür sorgen, dass man diese Stimuli woanders herbekommt.“
    • die Superreichen: „Sie gründen Stiftungen, investieren in soziale Projekte. Von wahrer Sinnleere sind circa 20 Prozent der Menschen betroffen, quer durch alle Schichten.“

    Das Wahnsinnstempo aus der Zeit vor der Pandemie ist für manche inzwischen einer neuen Philosophie gewichen: „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“, so wie im „Dschungelbuch“. Oder wie bei Ramon Llull aus Mallorca (1232 – 1316), einem der größten Denker Europas, der christliche, islamische und jüdische Kultur durchdrang: „Geduld bringt Frieden. Wer Geduld hat, besitzt sich selbst. Wer sich selbst nicht besitzt, ist arm.“

    Quelle: Nils Bröer für Handelsblatt
    Bundesjustizministerin Christine Lambrecht: „Wir wollen alle möglichst schnell zurück zur Normalität, in der Unternehmen wieder auf eigenen Beinen stehen können.“
    (Foto: Nils Bröer für Handelsblatt)

    Wer am gestrigen Vatertag unterwegs war, konnte an manchen Stellen wieder Außengastronomie genießen. So werde es in verschärftem Tempo weitergehen, bereits in wenigen Wochen könnten wesentliche Freiheitsbeschränkungen wieder aufgehoben werden, sagt Bundesjustizministerin Christine Lambrecht meinen Kollegen.

    Ihre Idee: „Wir alle müssen Schritt für Schritt die Möglichkeit bekommen, unsere Grundrechte wieder vollständig auszuüben. Ich möchte, dass es nun Veränderungen für uns alle gibt, nicht nur für Geimpfte und Genesene.“ Das sei „eine Frage von wenigen Wochen, teilweise auch nur von Tagen, aber ganz bestimmt nicht von einem halben Jahr,“ so die Sozialdemokratin.

    Allen, die gerade Annalena Baerbock zujubeln, schreibt die Ministerin ins Stammbuch: „Mit einem Hype werden keine Wahlen gewonnen. Man muss verlässlich zeigen, wofür man steht und was man kann.“

    Sogar unter Lynch-Szenen muss Israel derzeit leiden: Mal bedrohen die eigenen Bürger arabische Palästinenser, dann wieder ist es umgekehrt. Und weiterhin fliegen Raketen aus dem Gaza-Streifen nach Tel Aviv, die israelische Luftwaffe wiederum will den Luftangriff auf Gaza bis Samstag fortsetzen und tötet gezielt Führungsfiguren der Hamas und des „Islamischen Dschihad“. Gestern griffen auch Bodentruppen Ziele in Gaza an.

    Ein ganzes Land liegt im Schützengraben. Um eine Lösung in dem eskalierenden Konflikt zu finden, redet eine ägyptische Delegation derzeit in Tel Aviv mit israelischen Regierungsvertretern. Auch Russland und Frankreich treten als Schlichter auf. Eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats wurde jedoch in letzter Minute abgesagt.

    Quelle: dpa
    Daniel Kahneman (Wirtschaftsnobelpreisträger): „Wir beschreiben Dinge, die man nicht erklären kann und die doch zu schlechten Entscheidungen führen.“

    Mit Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman habe ich darüber geredet, wie fehlerhaft Entscheidungen sind. Er nennt es „Bias“, wenn aufgrund von Vorurteilen systematische Verzerrungen entstehen. Dagegen sei „Noise“ eine Bedrohung für die Urteilskraft durch zufällige Störfaktoren wie das Wetter oder das aktuelle Ergebnis der Lieblingssportmannschaft.

    Die Unternehmen würden Milliarden Dollar verlieren, weil sie das Problem verkennen oder nicht richtig angehen, sagte mir Kahneman im Gespräch. Zusammen mit Olivier Sibony und Cass R. Sunstein legt der 87-Jährige ein Buch über „Noise“ vor, das selbstverständlich die Irrtümer der Entscheider reduzieren soll.

    Mein Kulturtipp zum Wochenende: „Die Experten“ von Merle Kröger, ein Roman wie eine wuchtige Dokumentation einer vergessenen, brisanten Geschichte. Sie handelt von Hunderten deutscher Wissenschaftler, die ihre im Dritten Reich begonnene Karriere in den 1950er-Jahren bruchlos im Dienst des ägyptischen Führers Gamal Abdel Nasser mit Raketen- und Flugzeugbau fortsetzen – zum Leidwesen des jungen Staats Israel, dessen aktuelle Bedrohung eine lange Geschichte hat. Im Nachlass der Eltern einer Freundin stieß die Autorin auf das Material, das sie – mit Liebes- und Ehedramen angereichert – zum Thriller auswalzt. Wissenschaftler verschwinden, Briefbomben explodieren, der Mossad ist überall und auch Franz Josef Strauß spielt eine Rolle.

    Und dann ist da noch Dietrich Mateschitz, Eigner des Red-Bull-Getränkekonzerns, der im Fußball eine neue Enttäuschung erlebt. Der von seinem Unternehmen ausgehaltene Fußballklub RB Leipzig verlor gestern Abend das Pokal-Endspiel mit 1:4 gegen Borussia Dortmund. Es wurde wieder nichts mit einem Titel für Mateschitz. Auch für Leipzigs Noch-Trainer Julian Nagelsmann war es eine Schmach – und nicht die erhoffte Erhöhung vor dem Wechsel in die Coaching-Zone des Rekordmeisters FC Bayern München, wo er solche Finals wird gewinnen müssen.

    Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff sieht eine bittere Niederlage: „Wir sind das zweite Mal in drei Jahren hier und haben das zweite Mal auf den Sack bekommen.“ Generell gilt ein anderes Wort des Schriftstellers Heinrich Böll: „Wir geben uns zu wenig Rechenschaft darüber, wie viel Enttäuschung wir anderen bereiten.“

    Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende.

    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr
    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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