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Morning Briefing „Delta-Blues“ an den Börsen

20.07.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Börsen leiden unter dem „Delta-Blues“: Die Furcht vor erneut zunehmenden Corona-Infektionen aufgrund der Delta-Variante steigt, die Aktienkurse fallen. An der Wall Street zum Beispiel sackte der US-Index Dow Jones um 725 Punkte oder 2,1 Prozent ab, der stärkste Rückgang in diesem Jahr. In Deutschland meldete der Dax mit gut 2,6 Prozent Schwund ebenfalls Minus-Rekord. Besonders betroffen sind Flugverkehr, Touristik und Stahl.

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Überhaupt, die aktuellen Nachrichten sind alles andere als erbaulich und stimmen auf eine vierte Welle im Frühherbst ein. Andererseits hatte der Dow im Corona-Jahr 2020 sogar sechs Mal ein Minus von jeweils mehr als 1000 Punkten erlebt. Wir helfen uns mit dem Ökonomen John Maynard Keynes weiter, der auch begeisterter Börsianer war: „Drei Dinge treiben den Menschen zum Wahnsinn – die Liebe, die Eifersucht und das Studium der Börsenkurse.“

Der Schlamm verschwindet langsam aus den Straßen der Hochwasserzonen: Zeit für erste Bilanzen und für Katastrophen-Ökonomie. Heute reden die Chefs der 16 Länderstaatskanzleien und des Bundeskanzleramts über den anstehenden Wiederaufbau, der insgesamt mehrere Milliarden Euro kosten wird. Unions-Fraktionsvize Thorsten Frei gibt im Handelsblatt eine erste Maßeinheit an: „Ich gehe davon aus, dass sich die Hilfen sehr stark an den Programmen nach den Flutkatastrophen 2002 und 2013 orientieren werden.“

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    Vor acht Jahren hat das Bundeskabinett, das morgen in dieser Sache zusammentritt, rund 460 Millionen Euro ausgegeben. Auch wenn das Geld schnell fließen sollte – im Ahrtal beispielsweise wird es Monate dauern, bis die Gasversorgung komplett sichergestellt ist.

    Bleibt die Frage, ob vor der Flut richtig gewarnt wurde und warum keine Sirenen zu hören waren. International hat es viel Kritik am Krisenmanagement gegeben. Voller Selbstgewissheit jedoch gibt sich, trotz mehr als 160 Toten, der oberste deutsche Katastrophenschützer Armin Schuster: „Unsere Warnungen, unsere gesamte Warn-Infrastruktur, hat vollständig funktioniert.“

    Der Chef des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) deutet zudem an, dass sich die Betroffenen nach Warnungen nicht adäquat verhalten hätten: „Jetzt kommt es darauf an, wie sensibel reagieren Behörden und Bevölkerung auf diese Warnungen?“ Er habe seinen Mitarbeitern verboten, Manöverkritik zu machen. Hilfe an der Verteidigungsfront erhält er von Bundesinnenminister Horst Seehofer: Kritik am Katastrophenschutz habe für ihn den „Geschmack von Wahlkampf“. Er hätte auch sagen können: Das System hat immer recht.

    Monatelang war der Konzern Uniper ein Störfall der deutschen Energiewirtschaft: Das Management in Düsseldorf stritt mit dem neuen Eigentümer Fortum. Nun haben die Finnen die ganze Macht, es gelten die Gesetze der verordneten Harmonie. CEO ist der bisherige Aufsichtsratschef Klaus-Dieter Maubach. Im Handelsblatt-Gespräch sagt er über:

    • das bis 2038 arbeitende, neue Kohlekraftwerk „Datteln 4“: „Wenn eine deutsche Bundesregierung sagt, dass sie über den Kohleausstieg noch einmal sprechen will, dann sind wir bereit, darüber zu sprechen. Es ist auch eine Frage von Kompensationen, ja.“
    • Energiesicherheit: „In einem Marktumfeld, das von Erneuerbaren Energien dominiert wird, kommt Gaskraftwerken in Zukunft vor allem eine Versicherungsaufgabe zu. Sie werden insgesamt weniger laufen, müssen aber auf Knopfdruck verfügbar sein.“
    • Wasserstoff: „Sich jetzt schon nur auf grünen Wasserstoff zu fokussieren, halte ich für falsch. Überall, wo wir Kohle, Öl und Erdgas durch Wasserstoff ersetzen können, hilft das dem Klima. Ob der Wasserstoff jetzt grün oder blau ist, ist egal.“

    Das politische Spiel, sich die eigenen Klimawüstlinge teuer abkaufen zu lassen, beherrscht der neue Vorstandschef schon recht gut.

    Quelle: AFP
    Für Hiltrud Dorothea Werner gibt es bei VW keine Vertragsverlängerung.
    (Foto: AFP)

    Von Diversität in Unternehmen wird fast so ausgiebig geredet wie über das Wetter. Komisch nur, wenn einem von Deutschlands führenden Industriekonzernen sieben von acht Vorstandsposten mit Männern besetzt sind – und die einzige Frau in der Runde bald gehen muss. Richtig, Volkswagen, dort ist das möglich. Für Hiltrud Dorothea Werner, zuständig für „Integrität und Recht“, gibt es keine Vertragsverlängerung, Ende Januar 2022 ist Schluss. Die 55-Jährige soll mit CEO Herbert Diess, 62, im Hader sein, dessen Vertrag kürzlich bis 2025 verlängert wurde.

    Offenbar ärgert den VW-Chef, Werners Rat zum Thema „Dieselgate“ akzeptiert zu haben, also der Einstellung von Ermittlungen wegen des Verdachts auf Marktmanipulationen gegen Zahlung von 4,5 Millionen Euro zugestimmt zu haben. Vielleicht stört der Hautgout der Geldüberweisung ja bei der Erzählung von der neuen, schönen, reinen, elektrischen Zeit.

    Über die in Mode gekommenen Börsenmäntel namens „Spac“ ist mal alles möglich, mal wieder nichts. In den USA jedenfalls muss Investor Bill Ackman seinen Plan beerdigen, über seinen Spac namens „Pershing Square Tontine“ das weltgrößte Musiklabel Universal an die Börse zu bringen. Die Aufsicht SEC intervenierte, nun will Ackman über seinen Hedgefonds investieren.

    Keine Probleme sieht dagegen der italienische Modeschneider Ermenegildo Zegna, der mit der Hilfe des Börsenmantels Investindustrial Acquisition Corp (IIAC) im vierten Quartal auf den Catwalk der Wall Street marschieren will. Eine Börsenbewertung von mindestens 3,2 Milliarden Dollar ist fest eingeplant, 62 Prozent der Anteile werden die Zegnas weiter halten. „Nichts wird sich ändern“, beschwört Zegna – zumindest nicht in seiner Position. Der 65-Jährige bleibt CEO.

    Stell Dir vor, es ist Olympia, und keiner schaut hin. Vor der für den Freitag angesetzten Eröffnung der Olympischen Spiele in Tokio gibt es schrille Nachrichten aus der Industrie. Toyota stört die Geschäftsvereinbarung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mit dem größten japanischen Werbekonzern Dentsu – und die Ansage, den Sport-Wettbewerb wegen der zu erwartenden Medienerlöse trotz steigender Pandemiezahlen durchzuziehen.

    Der Autobauer wird seine vorbereiteten Olympia-Spots kurzerhand nicht ausstrahlen, auch wird an der Eröffnungszeremonie kein Toyota-Top-Manager teilnehmen. Als Begründung gelten die vielen Proteste in der Bevölkerung gegen Olympia: Bei diesen Spielen werde vieles auf Unverständnis stoßen, so Toyota. Insgesamt hatten 60 japanische Firmen mehr als drei Milliarden Dollar für Sponsorenrechte gezahlt. Nach dem Toyota-Ausstieg gilt überall: Nichts ist unmöglich.

    Quelle: dpa
    Prinz Harry will seine Memoiren schreiben.

    Und dann ist da noch Prinz Harry, aufgewachsen am englischen Königshof, wohnhaft derzeit im liberalen Kalifornien. Er kündigt im Alter von 36 Jahren tatsächlich seine Memoiren an. Üblicherweise räsonieren Staatsmänner, Diven oder graumelierte Kultur-Stars in solchen Büchern über ihr Leben, getreu dem Motto: „love it or leave it“. Der Duke of Sussex dagegen sieht das Werk, das bei Bertelsmanns Penguin Random House erscheint, offenbar als Dokument einer Transformation: „Ich schreibe das nicht als Prinz, als der ich geboren bin, sondern als Mann, der ich geworden bin.“

    Wenn der zum Mann gereifte Autor und seine Ehefrau Meghan es lyrisch haben wollen, nehmen sie als Titel so etwas wie „Die Erinnerungen sehen mich“ von Tomas Tranströmer. Soll’s mit Blick auf die Bestsellerliste etwas packender sein, empfiehlt sich Carl Zuckmayer: „Als wär’s ein Stück von mir.“

    Ich wünsche Ihnen einen inspirierenden Tag, seien Sie ganz bei sich.

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr
    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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