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Morning Briefing Der nächste Corona-Gipfel

22.09.2020 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

es sind auch die steigenden Corona-Zahlen, die gestern zum Sturz der Börsen führten und die nun die Politiker in vielen Ländern durchgreifen lassen. Der Sommer der Sorglosigkeit, der Schlauchbootpartys ist dahin. Für kommenden Dienstag hat Kanzlerin Angela Merkel einen Corona-Krisengipfel mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer anberaumt. Das Format kennt man aus dem Frühjahr. Im Vorfeld macht ihr Gesundheitsminister Jens Spahn einerseits Mut: „Wir sind deutlich besser gerüstet.“ Andererseits warnt er vor Urlaubsreisen ins Ausland oder vor Öffnung von Bars und Clubs. Mehrere große Städte haben den Grenzwert – 50 neue Infektionen pro 100.000 Einwohner – überschritten, etwa Hamm mit einem Wert von 70,9 oder München mit 55,6. In der bayerischen Hauptstadt gilt jetzt für wichtige öffentliche Plätze von Donnerstag an Maskenpflicht.

Quelle: dpa
Mit seiner Antwort auf die Frage nach einem möglichen schwulen Bundeskanzler zieht der CDU-Politiker Friedrich Merz Kritik auf sich.

Je näher der 4. Dezember rückt, die große Parteitagskür eines neuen CDU-Chefs, umso nervöser werden die Christdemokraten. Noch-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer kam zur Vermeidung psychischer Übersprungshandlungen auf die Idee, alle drei Bewerber am nächsten Montag ins Konrad-Adenauer-Haus zu laden. Es geht um zwei digitale Townhall-Meetings und um Ideen, damit „aus diesem offenen, demokratischen Wettrennen kein ruinöser Wettbewerb wird“, so AKK. Dass auch ins Unreine verrutschte öffentliche Bemerkungen ruinös sein können, erfährt Kandidat Friedrich Merz. Der 64-jährige Sauerländer hatte auf die hoch investigative „Bild“-Frage, ob er Vorbehalte gegen einen schwulen Kanzler habe, nur mit einem bedingten „Nein“ geantwortet – „solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft“. Mehrere Parteifreunde geben den sachdienlichen Hinweis, bei Homosexualität nicht gleich an Pädophilie zu denken.

Wie eine liberale Erweckungsbewegung war La République en Marche (LREM) vor vier Jahren über die Franzosen gekommen – und hatte Emmanuel Macron ins Präsidentenamt katapultiert. Nun nagen schon die Holzwürmer am Gebälk der jungen Partei. Vorstandsvizechef Pierre Person tritt zurück und fordert recht dreist andere Vorständler auf, ihm zu folgen, um so einen „Elektroschock“ zu provozieren. In der Zeitung „Le Monde“ bügelt der Dissident die Partei ab: Sie sei der Pandemie nicht gewachsen, intern habe sich nichts verändert, es gebe weder Ideen noch Debatten. Alles sei auf Macron zugeschnitten. Sieht ganz so aus, als gäben sich die Macronisten von einst nicht mehr damit zufrieden, nur Präsidentenwahlverein zu sein.

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    Quelle: Massimo Pinca
    Nikola-Chef Trevor Milton steht nach dem Bericht eines Leerverkäufers in der Kritik.
    (Foto: Massimo Pinca)

    Kommt Ihnen das bekannt vor? Ein Aktienspekulant prangert in einem Report eine Firma an, beschuldigt sie des Betrugs, verkauft erfolgreich auf Termin („Leerverkäufe“) – und auf einmal wird es dunkel um den jeweiligen CEO oder Gründer. So war es bei Wirecard, so ist es bei Grenke – und nun auch bei Nikola, dem US-Hersteller von E-Lastkraftwagen, der sich so putzig nach dem Erfinder Nikola Tesla benannt hat. Aufgrund von Vorhaltungen des Leerverkäufers Hindenburg (auch eine gewagte Namenskreation) wirft der Gründer und Chairman Trevor Milton hin. Es sei ihm eine „unglaubliche Ehre“ gewesen, säuselt er zum Abschied, er kann die Vorwürfe von Hindenburg aber nicht wirklich ausräumen. Die größten Zweifel kommen einem jedoch, wenn man sieht, dass dieses Start-up mit seinem Mini-Umsatz und für 2024 irgendwie von Analysten orakelten Gewinnen angeblich mehr als zehn Milliarden Dollar wert sein soll.

    Sanieren ohne Insolvenz, Retten ohne Pleitemeldung – dieses ehrgeizige Ziel setzt sich die SPD-Politikerin und Bundesjustizministerin Christine Lambrecht. Ihr 247 Seiten starker Referentenentwurf sieht einen „effektiven Rahmen“ für die Firmenumstrukturierung vor. Schon Anfang des kommenden Jahres soll das Gesetz in Kraft treten. Corona ist offenbar ein Bürokratiebeschleuniger, was auch dringend nötig ist, denn schon 2019 war eine EU-Richtlinie über „präventive Restrukturierungsrahmen“ in Kraft getreten. Wenn ein Unternehmen finanziell S.O.S. funkt, soll künftig eine breite Mehrheit der Gläubiger eine Sanierung durchsetzen können – gegen den Widerstand der Minorität. Lambrecht hofft, dass ein Wiedererstarken in der Wirtschaft leichter fällt, wenn erst mal der Makel eines Insolvenzverfahrens wegfällt: „Betroffene Unternehmen bekommen nun die Möglichkeit an die Hand, belastende Verträge zu beenden.“ Den Pleitegeier hat eben niemand gerne in seinem Garten.

    David Marsh war 17 Jahre Europa-Korrespondent der „Financial Times“, der „Prawda“ des Kapitalismus, ehe er selbst Investmentbanker wurde. Im Handelsblatt-Interview analysiert der Buchautor mit gebotener chirurgischer Präzision die Welt der Zentralbanken. Über die Schulden in Europa sagt Marsh: „Wir sind wahrscheinlich mittelfristig auf dem Weg in eine Transferunion, in der Deutschland für andere hochverschuldete Länder geradestehen muss. Das ist politisch und wirtschaftlich eine Gefahr für den Zusammenhalt des Euro-Gebietes.“ Risiken sieht der Finanzexperte im Verhalten der Notenbanker: „Es besteht die Gefahr, dass die Zentralbanken durch die Krise zu verlängerten Armen der Politiker werden und die Inflation als Mittel gegen Schulden einsetzen.“ Und schließlich spricht Marsh offen aus, was viele Gesellschaftskritiker alarmiert: „Die Notenbanken in der ganzen Welt tragen dazu bei, dass die Schere zwischen Wohlhabenden und Ärmeren größer wird. Ihre Geldpolitik hat die Immobilienpreise und Aktien ansteigen lassen. Das verleiht auch Populisten Auftrieb.“ Erinnert sei an Wolfgang Schäuble, der Mario Draghi – dem vormaligen Chef der Europäischen Zentralbank – mutig attestierte, mit den Auswirkungen seiner Geldpolitik zu 50 Prozent den Aufstieg der AfD bewirkt zu haben.

    Quelle: dpa
    Der Komiker Otto Waalkes ist in einem Gerichtsstreit mit seinem Entdecker, Intimfreund und langjährigem Manager Hans Otto Mertens.

    Und dann ist da noch der anerkannt große Komiker Otto Waalkes, Gott der „Ottifanten“. In dessen Hamburger Heiterkeitsreich taucht plötzlich ein hässlicher, gar nicht lustiger Gerichtsstreit ums Geld auf – ausgerechnet mit seinem Entdecker, Intimfreund und langjährigem Manager Hans Otto Mertens. Der verklagt den 72-Jährigen. Es geht um insgesamt 176.141,92 Euro und um die offenbar nicht einvernehmliche Kürzung der Managerpauschale von 15 auf zehn Prozent. So scheint eine fast 50-jährige Freundschaft vor Richters Robe zu enden. Nur noch Erinnerung ist, dass die beiden 1972 das Musiklabel „Rüssl Räckords“ gegründet hatten. Wenn es so viel auf den Rüssel gibt, hilft nur Humor, weshalb wir gerne mit Otto himself enden: „Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir: ,Lächle und sei froh, es könnte noch schlimmer kommen.‘ Und ich lachte und war froh – denn es kam schlimmer.“

    Ich wünsche Ihnen einen heiteren Tag und vor allem stabile Freundschaften.

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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    1 Kommentar zu "Morning Briefing : Der nächste Corona-Gipfel"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Herr Jakobs,

      Sie nehmen in ihrem Briefing genau die Verkürzung des Merz-Zitates vor, die eben zu der unzulässigen Verbindung von schwul und Pädophilie führt ! Soviel Sorgfalt MUSS auch in einem Briefing sein, sonst kommt es zu schiefen Darstellungen und der Hype wird weiter aufgepumpt. Die Nerven der Gesellschaft liegen doch sowieso schon blank..

      Das hier sollte dazugestellt werden:
      „Über die Frage der sexuellen Orientierung: Das geht die Öffentlichkeit nichts an. Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft..."

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