Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Der nächste Rauswurf bei Trump

Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Nacht war nachrichtenstark, und das hat natürlich wie immer in solchen Fällen auch mit Donald Trump zu tun. Es dürfen nun Wetten abgeschlossen werden, wie viele Top-Wechsel es in der Amtszeit des „You‘re fired!“-Spezialisten insgesamt geben wird. 40? Oder doch 50? Mittlerweile sind wir bei knapp 30 angelangt. Aktuell betroffen ist Sicherheitsberater John Bolton, ein Hardliner und „Master of War“, der gegen das gecancelte Camp-David-Friedensprojekt mit den Taliban protestiert hatte. Der Mann mit dem Walrossschnauzer verlässt das Weiße Haus im Streit, beide müssen erst noch ihren Frieden miteinander machen.

Von diesem „bad stuff“ lenkt Trump mit der Nachricht ab, er sei zu einem Treffen mit Irans Regierungschef Hassan Ruhani „ohne Vorbedingungen bereit“. Dazu fällt einem Mark Twain ein: „Getöse beweist gar nichts. Eine Henne, die gerade ein Ei gelegt hat, gackert häufig so, als hätte sie einen Asteroiden gelegt.“

Quelle: dpa
Manuela Schwesig zieht sich wegen einer Brustkrebs-Erkrankung aus der SPD-Spitze zurück.

Sie wäre die natürliche Kandidatin als SPD-Chefin gewesen, und wahrscheinlich wäre die Bewerberliste der Partei dann nicht annähernd so groß wie heute. Aber Manuela Schwesig leidet an Brustkrebs, wie sie jetzt in einem Akt trauriger Stärke offenbarte, und tritt deshalb als kommissarische Co-Parteichefin zurück. Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern wird sie bleiben. Die gute Nachricht sei, dass die Krankheit bei ihr heilbar sei, verkündete die Sozialdemokratin: „Ich habe schon einige Kämpfe in meinem Leben geführt und ich werde auch diesen Kampf führen.“ Zuspruch bekommt sie von allen Seiten. Wer ein Vorbild in der Politik sucht, kann es in Schwerin finden.

Natürlich sind die Sympathien vieler bei Joshua Wong, dem Antreiber der Demokratiekämpfer von Hongkong, die für die Volksrepublik China „Separatisten“ sind. Der 22-Jährige ist nach Berlin gereist und erklärt via „Bild“ und ZDF („Heute Journal“), dass man solange weiterkämpfe, bis freie Wahlen erreicht seien. Hongkong befinde sich in einem neuen Kalten Krieg so wie Berlin vor 1989 sei. Der Vergleich ist genauso plump wie die wenig außenministerlichen Fraternisierungsversuche von Heiko Maas vor einer „Bild“-Werbetafel, wogegen das chinesische Außenministerium prompt Beschwerde einlegte. Einen Kalten Krieg kann man auch herbeiparlieren.

Es geschah am helllichten Tag mitten in Berlin, im Park von Moabit, der Mord an einem früheren tschetschenischen Rebellen. Russland stand hinter diesem Mord vom 23. August, erklären jetzt US-Offizielle laut „Wall Street Journal“. Eine Attentatskampagne des Landes gegen seine im Ausland lebenden wahrgenommen Feinde beginne nunmehr, lautet die nächste Botschaft. Die Berliner Polizei hatte gleich nach dem Pistolenmord einen Russen verhaftet, dessen falscher Reisepass angeblich zu einer Einheit im Moskauer Innenministerium führt, was die Regierung von Wladimir Putin bestreitet. Diplomaten sehen im Übrigen Ähnlichkeiten zur Nervengasattacke auf den einstigen russischen Spion Sergej Skripal im englischen Salisbury.

Quelle: AFP
Die Wettbewerbskommissarin übernimmt zusätzlich die Aufsicht für Digitalpolitik.
(Foto: AFP)

Sie wäre die optimale Präsidentin der EU-Kommission geworden, doch einen solchen Aufstieg sah der politische Poker für Margrethe Vestager nicht vor. Nun wird sie immerhin befördert: Die Wettbewerbskommissarin übernimmt zusätzlich die Aufsicht für Digitalpolitik. So wird die Dänin noch wirkmächtiger und steht in Nichts dem Niederländer Frans Timmermans nach, der das Thema Klimaschutz betreut und auch nicht dem Letten Valdis Dombrovskis, der sich um Finanzmarktregulierung kümmert. In unserer Titelstory analysieren wir, dass die drei Vizepräsidenten insgesamt ein „Triumvirat“ hinter der neuen EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen bilden. Ziel von „Team Ursula“: die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu steigern.

In der ARD macht eine kleine Sache großen Ärger. Es geht um einen Programmumbau am frühen Sonntagabend, bei dem der „Weltspiegel“ – das einzige Auslandsmagazin – seinen angestammten Platz vor der „Tagesschau“ an den Sport verlöre und auf 18.30 Uhr vorrücken würde. In der aufgewühlten Debatte um die Legitimation des Öffentlich-Rechtlichen sei das eine „schwere Hypothek und damit eine falsche Entscheidung“, schreiben Galionsfiguren des Systems wie Tina Hassel oder Claus Kleber an die neun ARD-Intendanten. Mehr als 100 Journalisten beschwerten sich zudem bei ARD-Programmdirektor Volker Herres über die Pläne, die Briefe liegen uns vor. Dazu erklärt der amtierende ARD-Chef Ulrich Wilhelm: „Es ist noch keine definitive Entscheidung getroffen worden, die Runde der Intendantinnen und Intendanten wird sich bei ihrer Tagung kommende Woche damit befassen.“

Offiziell gilt das Nicht-Verständigungs-Gebot: Auf keinen Fall will die CDU mit der AfD politisch kooperieren. Die Rechercheure von „Report Mainz“ haben nun jedoch ermittelt, dass es in 18 Kommunen in Thüringen und Sachsen sehr wohl klare Hinweise auf Zusammenarbeit gibt. Und im Gemeinderat von Eilsleben bei Magdeburg bildet die örtliche CDU sogar eine gemeinsame Fraktion mit einem Rechtsextremisten, der als Vertreter der AfD in das Gremium gewählt wurde. Der Partner nahm an Neonazi-Aufmärschen teil und gibt an, Bands wie „Blutzeugen“ oder „Ahnenblut“ zu mögen. Der Rat an die Christdemokraten könnte von Carl von Ossietzky stammen: „Man kann nicht kämpfen, wenn die Hosen voller sind als das Herz.“

China war einmal ein leichterer Handelspartner. Geopolitische Großkonflikte wie der Zollstreit mit den USA aber auch lokale Themen wie die Debatte um Hongkong werfen Schatten. Wie kommt der Mittelstand da zurecht? Wo liegen noch Chancen, was gilt es zu beachten? Darüber möchten wir in vertrauter Kamingespräch-Runde am 19. September in Sindelfingen-Maichingen bei Stuttgart reden. Christian Erles, Vice President des Automatisierungsunternehmens Pilz, teilt seine Erfahrungen. Drei Karten konnte ich für Sie reservieren, schreiben Sie mir: [email protected].

Und dann ist da noch Papst Franziskus, der sich jetzt im Flugzeug auf dem Rückweg vom Afrika-Besuch ungewöhnlich energisch gegen seine konservativen Kritiker aus Amerika gewandt hat. Er sieht darin „Ideologie“ am Werke – und wie immer in solchen Fällen gebe es die Möglichkeit eines „Schismas“, einer Trennung der katholischen US-Kirche von der Weltgemeinde. Er bete, dass es nicht dazu komme, aber: „Ich habe keine Angst.“ Auf den amerikanischen Vorwurf, er sei „zu kommunistisch“, verwies der Pontifex darauf, dass er genau das Gleiche wie einst Johannes Paul II. sage: „Ich habe ihn kopiert.“

Ich wünsche Ihnen einen friedlichen Tag ohne irgendwelche Schismatiker. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

Morning Briefing: Alexa
Startseite

Mehr zu: Morning Briefing - Der nächste Rauswurf bei Trump

0 Kommentare zu "Morning Briefing: Der nächste Rauswurf bei Trump"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.