Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Der Neonazi-Terror von Halle

Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

zum „Kloake-Faktor“ des Global Village gehört, dass Irrsinnstaten Verblendeter genauso Verbreitung finden wie Handlungen von Helden. Man sieht, hört und liest im Netz vom Facebook-Mörder aus Christchurch, von Anders Breivik, dem Hinrichten von Afroamerikanern in Charleston, dem Mord an elf Juden in Pittsburgh und denkt: Das ist bei uns nicht möglich. Und doch sitzt da einer zur gleichen Zeit vor dem Bildschirm und kopiert das alles schon mal in Gedanken. So wie der Neonazi Stephan B., der gestern offenbar Sprengsätze vor der Synagoge in Halle platzierte, am Aufschießen der Tür scheiterte, wahllos eine Passantin erschoss, einen Mann im Dönerladen ermordete und zwei andere schwer verletzte. Alles mit der eigenen Kamera gefilmt und gestreamt. Der politische Psychopath dieser Tage ist digital.

Quelle: dpa
Solidaritätskundgebung an der Neuen Synagoge Berlin

Der Anschlag am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, dem Versöhnungsfest, wird auch in den nächsten Tagen immer wieder zwei Fragen provozieren. Wie stark hat sich, below the line, Antisemitismus ausgebreitet? Und was ist mit dem Schutz durch die Polizei? Die Angst, die jüdische Mitbürger haben müssen, verdient Reaktionen der Solidarität. So wie Angela Merkel gestern Nacht spontan Empathie bewies, als sie eine Gedenkveranstaltung in der Neuen Synagoge in Berlin, Oranienburger Straße, besuchte. So wie Joko und Klaas, die ihre Juxsendung auf Pro Sieben absagten. Und immer gilt eine jiddische Redewendung: „Schweigen ist ein Zeichen von Weisheit, aber Schweigen allein ist noch keine Weisheit.“

Es wirkt wie ein Manöver, ist aber eine beinharte Aktion. Erst flog die Türkei Luftangriffe, dann folgte eine Offensive mit Bodentruppen im Norden von Syrien, hinein in jenes Gebiet, das US-Truppen gerade erst verlassen haben. Die Gewalt zielt auf die Kurden im Lande. Die Antwort einiger US-Senatoren sind Sanktionen. Der Entwurf der Senatoren Lindsey Graham (Republikaner) und Chris Van Hollen (Demokraten) behält sich vor, den Besitz des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, des türkischen Vizepräsidenten und etlicher Minister in den USA einzufrieren. Geplant sind auch konkrete Strafmaßnahmen, etwa ein Verkaufsverbot von US-Rüstungsgütern an türkische Streitkräfte.

Sie haben wie keine anderen über Jahrzehnte die globalen Vorräte an Öl, Gas und Kohle ausgebeutet und damit zur Klimakatastrophe beigetragen: Der „Guardian“ listet die größten Öko-Sünder auf und bedient sich dabei der Künste des „Climate Accountability Institute“. Danach haben 20 Unternehmen bis zu 35 Prozent der weltweiten Emissionen von Kohlendioxid und Methan verursacht. Ganz oben stehen unter den Börsenfirmen zum Beispiel Exxon, BP und Shell. Unter den Staatskonzernen hat sich Saudi Aramco als größter Sünder erwiesen.

Die „Fortune“ nennt ihn „König der Wall Street“. Quelle: Sally Montana/Redux/laif
Die „Fortune“ nennt ihn „König der Wall Street“.

Die „Fortune“ nennt ihn „König der Wall Street“.

(Foto: Sally Montana/Redux/laif)

Die wahre Macht im Kapitalismus gehört Investoren, und so ist es wenig verwunderlich, dass sich Stephen Schwarzman nun als Sonderbeauftragter im USA-China-Handelskonflikt meldet. Der Gründer der Finanzfirma Blackstone, die global die Nummer eins bei Firmenbeteiligungen und Immobilienbesitz ist, zeigt größtes Verständnis für die harte Gangart Donald Trumps. Chinas hohe Importzölle, relativ abgeschottete Märkte, Cyberkriminalität – „das muss sich ändern, ist aber nicht so einfach“, sagt er uns. In Peking würden Reformer und Hardliner streiten, aber nun würden sie bald Konkretes auf den Tisch legen. Der Multimilliardär finanziert in Peking an der Tsinghua-Universität ein Stipendienprogramm mit 575 Millionen Dollar und sagt: „Du bist nur so gut wie dein letzter Deal.“ Als politischer Missionar und Mediator ist er jedoch erkennbar nicht in seiner stärksten Rolle.

Schwarzman nutzt wenigstens die Macht des Worts, sein Heimatland aber versteht sich nur auf die Sprache der ökonomischen Gewalt in Gestalt von Sanktionen. Da die Volksrepublik China die muslimische Minderheit der Uiguren in der Provinz Xinjiang diskriminiere, unter anderem durch Umerziehungslager, spricht die USA Restriktionen gegen Offizielle von Partei und Regierung sowie gegen 28 Firmen aus. Damit will Trumps Administration den Ton für die anberaumten Handelsgespräche setzen – und erntet doch nur Kopfschütteln und Ablehnung. China spricht davon, die USA würden „erfundene Vorwände für ihre Einmischung“ nutzen. Eine gesichtswahrende Lösung sieht anders aus. Zur Lage vor den amerikanisch-chinesischen Handelsgesprächen bieten wir einen Titelkomplex.

Und dann ist da noch der Tabakriese Philip Morris, der seine Ikone der Nikotin-Jahre – den „Marlboro-Mann“ – ausrangiert hat, nun aber um seine Innovation „Iqos“ bangen muss. Das ist ein – im Vergleich zu Zigaretten – angeblich weniger gesundheitsschädlicher Tabakerhitzer, der aber unter möglichen Verboten von Tabakwerbung leiden könnte. Spitzen der Großen Koalition befürworteten jüngst schon mal ein Außenwerbeverbot. So muss der US-Konzern versuchen, mit eigenen Verkaufsstellen für „Iqos“ an die Konsumenten heranzurücken, schreibt mein Kollege Joachim Hofer. Aber auch hier wird vom „Geschmack von Freiheit und Abenteuer“ nicht viel zu spüren sein.

Ich wünsche Ihnen einen rauchfreien Tag. Es grüßt Sie wie immer herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

Morning Briefing: Alexa
Startseite

0 Kommentare zu "Morning Briefing: Der Neonazi-Terror von Halle"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.