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Morning Briefing Der neue Burgfrieden bei Lufthansa

25.06.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Liebe Leserinnen und Leser,

der große Showdown fällt bei der Lufthansa genauso aus wie der große Schutzschirm: Kurz vor der heutigen Hauptversammlung signalisiert der rebellische Großaktionär Heinz Hermann Thiele – nach tagelangen Stichen und Sticheleien – plötzlich sein Okay zum Staatseinstieg bei der Airline. „Ich werde für die Beschlussvorlage stimmen“, verkündet er in der „Frankfurter Allgemeinen“.

Seine Zweifel seien zwar nicht weg, aber eine Insolvenz wolle er auch nicht. Es ist wie immer in der Politik: Erst wird eine Drohkulisse, dann ein Deal geschaffen. Unklar ist, inwieweit Thiele künftig seinen Anteil von 15,5 Prozent ausbauen kann – etwa mit dem Anteil des Bundes von zunächst 20 Prozent. Vielleicht betrachtet der Herr über Knorr-Bremse und Vossloh (Bahn-Infrastruktur) die Airline ja als Prunkstück eines Verkehrskonzerns – zur Straße, zur Schiene, zur Luft.

Lachender Dritter ist im Übrigen CEO Carsten Spohr, der keinen Sachwalter oder gar Insolvenzverwalter an die Seite bekommt. Mit der Flugbegleitergewerkschaft Ufo einigte er sich gestern Abend auch noch: Man will bis Ende 2023 mehr als eine halbe Milliarde Euro sparen.

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    Quelle: Tengelmann
    Christian Haub, CEO der Tengelmann-Gruppe, erwartet wegen Coronakrise und drohender Rezession ein schwieriges Jahr für den Handel.
    (Foto: Tengelmann)

    Der Patriarch gestorben, der Nachfolger in den Alpen bei einer Skitour verschollen, dessen Frau im erbitterten Streit mit der Familie: Die Geschichte der Tengelmann-Dynastie Haub böte genug Stoff für einen Familienroman. Christian Haub, der derzeitige Anführer, erklärt die Lage im großen Handelsblatt-Gespräch, nachdem ihm jüngst das Duisburger Landgericht bescheinigt hat, er habe nicht einfach so Franz Markus Haniel in den Unternehmensbeirat berufen können.

    Dagegen hatte seine Schwägerin geklagt. Es seien „Schicksalsschläge in kürzester Zeit über unsere Familie hineingebrochen“, sagt der 55-Jährige. Nun aber rede man ohne Anwälte über gemeinschaftliche Lösungen. Vor allem geht es um 450 Millionen Euro Erbschaftssteuer – sie fallen an, wenn der verunglückte Karl-Erivan („Charlie“) Haub für tot erklärt wird. Das Geld würde für Investitionen der Firmengruppe fehlen, zu der Obi, Tedi, Kik, Immobilien und Internet-Beteiligungen gehören. „Die ungeklärte Situation“, sagt Haub, „belastet das Unternehmen“.

    Paradox ist, dass die USA viel stärker als Europa unter Covid-19 leiden, die größten 500 amerikanischen Konzerne aber viel besser durch die Virenkrise kommen als ihre Pendants vom „alten Kontinent“. Nach unseren Berechnungen sind die Gewinne der Top 500 in Europa im ersten Quartal um 87 Prozent eingebrochen. Analysten rechnen mit mehr als 30 Prozent minus übers ganze Jahr hinweg – in den USA zeichnet sich dagegen nur ein Rückgang von 18,5 Prozent ab. Der einfache Grund: Die Wirtschaft dort wird stark durch die IT-Branche dominiert, die von der Zoom-Teams-Social-Media-Euphorie der Lockdown-Tage profitiert. Europas Top-Branchen Auto, Handel und Energie dagegen sind auf global intakte Lieferketten angewiesen, die es auf einmal nicht mehr gibt.

    Quelle: AP
    Markus Braun hat zwei Drittel seiner Aktien von Wirecard abgestoßen.
    (Foto: AP)

    Im Kriminalfall Wirecard beugen sich Interessierte über vier Pflichtmitteilungen des Konzerns zu Aktienverkäufen, die Markus Braun in seinen letzten Stunden als CEO getätigt hat. Zwei Drittel seiner Aktien stieß der bis dato größte Einzelaktionär salvenartig ab, in insgesamt 15 Tranchen. Zwar war sein Sieben-Prozent-Paket vorher noch mehr als eine Milliarde Euro wert gewesen, aber kurz vor den schlimmsten Nachrichten – auf einmal fehlten 1,9 Milliarden in der Bilanz – erlöste der langjährige Firmenchef im Schlussverkauf noch 155 Millionen.

    Die Veräußerungen erfolgten aufgrund von „Margin Calls“. Braun hat seine Aktien großteils via Bankkredit finanziert und womöglich im Kurssturz verkaufen müssen, da der Gegenwert seiner Sicherheiten stark gesunken war. Der gute alte Johann Wolfgang von Goethe fällt einem ein: „Man wird nie betrogen, man betrügt sich selbst.“

    Cash is King, das sagt auch Ricardo Guadalupe, Chef der Nobeluhrenmarke Hublot aus Nyon bei Genf: Man sollte schon mindestens 18 Monate durchhalten können, wenn es sein muss, erklärt er im Handelsblatt-Interview. Die Pandemie treffe im Luxusmarkt die Uhren- und Schmuckmarken am härtesten, da etwa für Hublot-Exemplare mindestens 6000 Euro zu zahlen sind, führt er im Weiteren aus.

    Parfüms dagegen kosteten nicht so viel Geld, „das gönnt man sich mal zwischendurch, ebenso wie einen guten Champagner oder Whisky“. Auch Lederwaren gebe es schon ab ein paar Hundert Euro, da könne man sich online etwas bestellen. Das Schöne für Guadalupes Arbeitgeber, den französischen LVMH-Konzern, erwähnt er nicht: Man hat alles im Sortiment.

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    Quelle: AP
    Alexandria Ocasio-Cortez hat die Vorwahlen der Demokraten für New Yorks 14. Kongressbezirk mit fast 70 Prozent für sich entschieden.
    (Foto: AP)

    Und dann ist da noch Alexandria Ocasio-Cortez, die 2018 als jüngste amerikanische Kongressabgeordnete aller Zeiten gewählt wurde. Nun gewann sie bei den Vorwahlen der Demokraten in New York erneut mit fast 70 Prozent. Rivalin Michelle Caruso-Cabrera kam im 14. New Yorker Kongressbezirk nur auf knapp 19 Prozent. Das Ganze ist auch ein Votum gegen die Wall Street, die hinter der unterlegenen Ex-Journalistin stand. Hedgefonds-Größen wie John Paulson spendeten für sie, auch Top-Kräfte von Goldman Sachs und von Blackstone.

    Mehr als zwei Millionen Dollar kamen so zusammen – doch Ocasio-Cortez schaffte über Kleinspenden fünfmal mehr. Die 30-jährige Siegerin tritt für Dinge ein, die die Wall Street für Teufelszeug hält: eine Finanztransaktionssteuer etwa und 70 Prozent Steuer für Reiche mit mehr als zehn Millionen Dollar Einkommen. Dabei wusste schon Aristoteles Onassis, dass ein reicher Mann oft nur „ein armer Mann mit sehr viel Geld ist“.

    Ich wünsche Ihnen einen erfolg- und segensreichen Tag. Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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