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Morning Briefing Der Schatten einer Frau liegt über SAP

22.04.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

wenn Deutschland im Gefecht der großen Digitalkonzerne etwas mit Stolz vorzeigen kann, ist es SAP aus Walldorf, die Erfindung von fünf Ex-IBM-Kräften vor 48 Jahren. Da grenzt es schon an Selbstbeschädigung, dass nach nur sechs Monaten Co-CEO Jennifer Morgan bereits wieder ausloggt. Vergessen Sie also all die tollen Porträts über die erste Chefin im Dax, streichen Sie die Lobeshymnen des Aufsichtsratschefs und Mitgründers Hasso Plattner. Die Implosion an der Spitze ist nach unseren Erkenntnissen auch Folge eines internen Machtkampfs. Co-Chef Christian Klein zieht eine starke Vereinheitlichung und Zentralisierung durch, die Amerikanerin wollte den Tochterfirmen mehr Unabhängigkeit lassen. Über den Zwist der Eitelkeiten kann auch die aus Walldorf gereichte PR-Kerze nicht hinwegtäuschen, wonach in der Corona-Zeit Klarheit und Entschlossenheit nötig sei. Aristoteles fand, einen Fehler durch eine Lüge zu verdecken, heiße, einen Flecken durch ein Loch zu ersetzen.

Am Anfang noch riet das Robert Koch-Institut davon ab, Covid-19-Tote zu obduzieren, das sei zu gefährlich. Aus Basel in der Schweiz, wo man weniger Bedenken hatte, kommen nun erste Ergebnisse einer Untersuchung von 20 am Coronavirus Verstorbenen. Sie litten unter Bluthochdruck und Übergewicht, vor allem aber lag eine schwere Störung der Mikrozirkulation der Lunge vor – der Sauerstoffaustausch klappte nicht mehr. Auch der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel ließ nach einem Bericht von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ 100 Virus-Opfer untersuchen. Ähnlich wie in Basel sei auch hier keiner der Toten ohne Vorerkrankungen gewesen.

Quelle: Getty Images
Die New Yorker Zukunftsforscherin Amy Webb spricht diese Woche im Podcast „Handelsblatt Disrupt“.
(Foto: Getty Images)

Als Trendforscherin hat sich Amy Webb weltweit einen Namen gemacht. Diese Woche spricht die New Yorker Professorin für Strategische Zukunftsplanung im Podcast „Handelsblatt Disrupt“ mit meinem Kollegen Sebastian Matthes. Im Interview prognostiziert Webb die Zweiteilung der Welt: in einen Teil mit der Volksrepublik China und ihren Partnern, die eine digitale Überwachungsinfrastruktur nutzten, sowie den großen Rest der anderen Staaten. China nutze die Krise für den Ausbau der Künstlichen Intelligenz, um noch mehr Daten zu sammeln, glaubt Webb. Daten aber seien wie Algorithmen die Waffen der Zukunft. Und so macht sich die Futurologin am Ende Sorgen, „dass die globale Pandemie einen ökonomisch-technologischen Krieg auslöst, wie wir ihn noch nicht gesehen haben“.

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    Die Tage der Ruhe im Dax-Konzern Wirecard sind vorbei: Heute soll der finale Sonderbericht der Wirtschaftsprüfer von KPMG veröffentlicht werden – zu Anschuldigungen wegen dubioser Verträge und Partner, die in einer Serie der „Financial Times“ (FT) ausgebreitet wurden. Bafin-Chef Felix Hufeld will die Arbeit der Prüfer genau studieren: „Zahlungsdienstleister müssen sich genauso wie Banken an ein umfassendes Regelwerk halten.“ Die eigenen Untersuchungen der Bafin, wer mit strategischen Verkäufen von Wirecard-Aktien vor dem Erscheinen von „FT“-Artikeln profitierte, sind abgeschlossen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München, die die Bafin-Arbeit nutzt, dauern dagegen an. Auch hat die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung nach unseren Informationen inzwischen eine Untersuchung der Wirecard-Bilanzprüfung eingeleitet. Dieses Unternehmen wird also bald so offen sein wie eine Auster nach Verzehr.

    Quelle: AFP
    Serienhits wie „Tiger King“: Netflix steigert die Zahl der Bezahlabos.
    (Foto: AFP)

    Corona-Zeit ist Netflix-Zeit. Man folgt dem „social distancing“, bleibt zu Hause und schaut Serie auf Serie, Film auf Film. Etwas anderes kann man gar nicht aus den jüngsten Zahlen schließen, die der Streaming-Primus gestern Nacht verkündete. Danach stieg die Zahl der Bezahl-Abos im ersten Quartal um 15,8 Millionen auf knapp 183 Millionen – was sowohl die eigenen Prognosen als auch die Erwartungen der Analysten überstieg. Serienhits wie „Tiger King“ rund um Joe Exotic und seinen Großkatzen-Zoo kommen so gut an, dass Netflix auch fürs laufende Quartal von weltweit 7,5 Millionen Neukunden ausgeht. Da sich aktuell zudem der Gewinn verdoppelte, legt die Aktie erneut zu. Die Firma von Reed Hastings ist nun mehr wert als der große Rivale Disney.

    Zum vorzeitigen Saisonabbruch entschieden sich die deutschen Handballer – und kürten den THW Kiel nach einem elaborierten Rechenmodell zum Meister. Im Fußball entschloss sich nach der belgischen auch die niederländische Liga, die Saison wegen der Corona-Restriktionen zu beenden. Und in Schottland zeichnet sich ebenfalls ein Aus ab – das vom europäischen Verband Uefa, anders als angekündigt, nicht mit einem Ausschluss von Vereinen aus Wettbewerben bestraft wird. Neue Regularien, die das Coronavirus berücksichtigen, sollen am morgigen Donnerstag vorgestellt werden. An diesem Tag will auch die Deutsche Fußball-Bundesliga beschließen, dass es im Mai mit Geisterspielen weitergehen soll. Nur so kann sie sich von Sky eine Rate von 230 Millionen Euro für Übertragungsrechte sichern – und viele Klubs erst einmal vor der Pleite retten.

    Und dann ist da noch die Performance-Weltkünstlerin Marina Abramovic, die erstmals ihr Schweigen zu jahrelangen Online-Kampagnen gegen sie bricht. „Könnt ihr damit nicht aufhören?“, fragt Abramovic, „seht ihr nicht, das ist die Kunst, die ich seit 50 Jahren mache?“ Sie sei wirklich keine „Satanistin“ – ein Verdacht, den ihre Gegner schüren, seit sie zu einem „Spirit-Cooking“-Dinner geladen hatte. Jüngst führten andauernde anonyme Online-Proteste dazu, dass Microsoft eine Arbeit mit Abramovic, die für digitale Techniken warb, nach 24.000 Dislikes wieder von der Plattform YouTube entfernte. Sie suche nach einem positiven Ausweg aus der Sache, sagt die gebürtige Serbin noch, „Angst ist die schlimmste menschliche Emotion“.

    Ich wünsche Ihnen einen positiven, völlig angstfreien Tag. Und wenn es Sie tröstet: Wir werden 2020 Kunst und Performances auch wieder im Museum erleben.

    Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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