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Morning Briefing Der schwarze Montag der Weltwirtschaft

10.03.2020 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Weltwirtschaft hat Donald Trump verkraftet. Seine Zoll-Aggression und die chinesischen Antworten. Auch die Syrienkrieger Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan konnten den globalen Börsen nichts anhaben. Die Zinshöhe war so niedrig, der Anlagenotstand so groß, dass an Aktien kein Weg vorbei zu führen schien. Aber dass das Coronavirus ganze Märke lahmlegt und die Ölscheichs von Saudi-Arabien mit dem Kreml um Fördermengen und Preise zanken, war zu viel für die Kathedralen des Kapitalismus. Es ist Feuer unter dem Dach: Ölpreis um 30 Prozent runter, Dax minus 7,94 Prozent, der Aktienhandel an der Wall Street zeitweise ausgesetzt, Dow Jones minus 7,8 Prozent. So schlimm war es zuletzt nach Nine-Eleven oder 2008. Es handelt sich um eine Verkettung zu vieler unmöglicher Umstände, zu denen mancher Börsenhändler laut mit den Boomtown Rats singt: „I Don‘t Like Mondays.“

Quelle: dpa
Der aktuelle Öl-Crash ist für die amerikanische Schieferöl-Industrie existenzbedrohend.

Der aktuelle Öl-Crash ist für die amerikanische Schieferöl-Industrie existenzbedrohend: Was sind schon politische Hilfestellungen Trumps gegen die Launen des Marktes. Rund 50 bis 55 Dollar kostet die bislang so expansionswütigen US-Firmen ein Fass Öl in der Produktion, der Weltmarktpreis aber ist bei 36 Dollar angelangt, Tendenz fallend. Man fördert sich eine Ölschwemme herbei – und einen „riskanten Machtkampf“, wie wir titeln. Seit 2015 sind in Amerika mehr als 200 Öl- und Gasproduzenten pleitegegangen, mit insgesamt mehr als 120 Milliarden Dollar Schulden. Viele der verbliebenen Akteure finanzieren sich mit Junk Bonds. Kein Wunder, dass eine Aktie des Pioniers Chesapeake Energy, einst bei 70 Dollar, gestern zwischenzeitlich gerade mal elf Cent kostete. Nicht Joe Biden, sondern das Ende des Fracking-Booms kann Trumps Absturz sein.

Der US-Präsident hat alles versucht, um die Coronakrise erst kleinzureden („Fake News“) und dann das Positive zu entdecken, zum Beispiel sinkende Benzinpreise. Business as usual? Wie ernst die Lage in Wirklichkeit ist, macht eine kleine Meldung deutlich, wonach das Weiße Haus am Mittwoch die Spitzen der Wall Street zum Therapietalk über die Epidemie einlädt. Trump wird an dem Treffen teilnehmen, anders als Jamie Dimon, mächtiger CEO von JP Morgan Chase, der sich von einer Herz-Operation erholt. Die Banken gehören mit den Energiefirmen zu den größten Verlierern dieser Angstkrise. Schon gestern Abend beratschlagte sich Trump nach seiner Rückkehr von Florida mit Beratern über Möglichkeiten, die Ökonomie zu stimulieren. Ihm fielen Steuersenkungen ein.

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    Oft ist zu hören, die Märkte warteten jetzt auf Christine Lagarde und den am Donnerstag tagenden obersten Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Aber mit dem Dauertief der Zinsen haben die Geldwächter ihr Pulver im Anti-Rezessions-Kampf weitgehend verschossen, allenfalls Krediterleichterungen sind auf die Schnelle denkbar. Auch in den USA sind vorige Woche die Lockerungsübungen der US-Notenbank Fed weitgehend verpufft. Unser Kommentator Frank Wiebe sieht deshalb nicht die Lagardisten, sondern die Regierungen in der Pflicht: „Sie können mit Bürgschaften gezielt eingreifen.“ Zur nötigen Dosierung empfiehlt sich ein Spruch des EZB-Rentners Mario Draghi: „Whatever it takes.“

    Quelle: AFP
    Gesundheitsminister Jens Spahn
    (Foto: AFP)

    Mit den ersten Covid-19-Toten in Deutschland – eine 89-jährige Frau aus Essen und ein 78-jähriger Mann aus Heinsberg – wird sich die Frage nach Absagen von Events mit neuer Schärfe stellen. Bayern und Baden-Württemberg verbieten Großveranstaltungen, und gestern sagte die Deutsche Bank ihre 150-Jahr-Feier in Berlin am 21. März ab, ganz so, wie es Minister Jens Spahn empfohlen hat. Davon dürfte allerdings – trotz aller Dementi – am Ende auch der gesundheitspolitische Jung-Siegfried selbst und die Parteichef-Krönung seiner CDU auf dem Berliner Parteitag am 25. April betroffen sein. Allein bei den Delegierten werden 1001 Personen erwartet – einer mehr als die von Spahn ausgerufene kritische Grenze von 1000 vorsieht. Der Event-Republik Deutschland gehen die Events aus.

    Das ist natürlich nichts gegen Italien (463 Tote), wo im Prinzip das ganze Land geschlossen ist und lahm liegt: Überall wurden jetzt die Reise- und Versammlungsfreiheit eingeschränkt, alle Sportwettbewerbe sind ausgesetzt, alle Skiorte geschlossen. Die „Rote Zone“ gilt vom Brenner bis Palermo, nicht mehr nur in Norditalien. In Frankreich ist sogar der Kulturminister der Macron-Regierung erkrankt und in Spanien schließt die autonome Region Madrid für 15 Tage alle Kindergärten, Schulen und Universitäten. Das Anormale ist die neue Normalität.

    An einem solchen Tag fällt es schwer, auf Erich Kästners Mantra („Und wo bleibt das Positive, Herr Kästner?“) etwas Geeignetes zu antworten. Die Deutsche Bahn, die sich als grüne Zukunftsbahn stilisiert, liefert leider nicht. Offenbar erwartet das Staatsunternehmen von 2020 bis 2022 fast vier Milliarden Euro weniger Betriebsgewinn als geplant, weisen vertrauliche Papiere aus, über die der „Tagesspiegel“ berichtet. Aufsichtsrat und Vorstand ringen noch um die Sanierung der kriselnden Gütersparte, welche die Neu-Vorständlerin Sigrid Nikutta aufmöbeln soll. Allem Anschein nach werden bei ihrer DB Cargo AG für 2019 mehr als 300 Millionen Euro operativer Verlust erwartet (Ebit). Kästner übrigens dichtete sich Optimismus so herbei: „Habt Sonne in sämtlichen Körperteilen und wickelt die Sorgen in Seidenpapier! Doch tut es rasch. Ihr müsst euch beeilen. Sonst werden die Sorgen größer als ihr.“

    Quelle: AP
    Prinz Harry and Ehefrau Meghan wollen in Kanada leben und sich offenbar um Filmprojekte kümmern.
    (Foto: AP)

    Und dann sind da noch Prinz Harry und Meghan, das am meisten kommentierte Ehepaar Großbritanniens, dessen Freiheitsliebe mit den Ritualen der Windsors kontrastiert. Gestern traten die beiden noch einmal anlässlich des Commonwealth-Tages im Kreis der königlichen Familie als „Senior Royals“ auf. Dabei wurde ihnen jedoch nicht gestattet, an der Seite von Königin Elizabeth II. in die Kirche einzuziehen, sondern sie wurden vorab zu ihren Plätzen geleitet. Nun wollen die Renegaten zusammen mit dem zehn Monate alten Sohn Archie in Kanada leben und sich offenbar um Filmprojekte kümmern. Da wird es zu verschmerzen sein, dass sie die Marke „Sussex Royal“ nicht versilbern und auch als Gelegenheits-Royals nicht wirken dürfen. Zwecks Erbauung können sie sich ja an Shakespeare halten: „Ein tiefer Fall führt oft zu höherem Glück.“
    Ich wünsche Ihnen einen glücklichen Tag, an dem Sie mit dieser Weisheit und Sonne in allen Körperteilen vielleicht wieder auf Markterholung hoffen können.

    Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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    1 Kommentar zu "Morning Briefing: Der schwarze Montag der Weltwirtschaft"

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    • alles wird gut...aber es kann noch dauern....Geduld ist jetzt gefragt!

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