Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Der schwierige Weg aus der Luftfahrtkrise

24.07.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Liebe Leserinnen und Leser,

kaum eine Branche ist so schwer von der Corona-Pandemie getroffen wie die Luftfahrtindustrie. Entsprechend groß waren die Erwartungen an den Super-Gipfel mit den EU-Verkehrsministern und Vertretern der Luftverkehrsbranche. Den Protagonisten gelang eine Einigung auf einheitliche Standards zum Gesundheitsschutz an Flughäfen und in Flugzeugen: unter anderem eine Maskenpflicht für alle Passagiere ab dem sechsten Lebensjahr.

Was wie eine Petitesse wirkt, ist tatsächlich ein wichtiger Baustein, um der europäischen Luftfahrtindustrie auf die Beine zu helfen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr formulierte es so: „Wir müssen das Vertrauen ins Fliegen wiederherstellen.“ Willkommen ist jede Idee, die das Fliegen nicht nur wieder möglich, sondern auch profitabel macht.

Quelle: dpa
Die Ankündigung von Daimler-Chef Ola Källenius, die Fixkosten zu senken, reichte für einen Kurssprung an der Börse.

In der vergangenen Woche habe ich Ihnen an dieser Stelle die Titelgeschichte über den angeschlagenen Autokonzern Daimler („Die verschleppte Sanierung“) zur Lektüre empfohlen. Gestern ging Konzern-Chef Ola Källenius in einer Analysten-Konferenz rhetorisch in die Offensive: „Vor uns liegen herausfordernde Monate und Jahre.“ Es sei wichtig, das Unternehmen wetterfest zu machen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Mit Blick auf die Kostenstruktur und einen Konzernverlust von 1,9 Milliarden Euro versprach er: „Wir werden jedes Jahr Maßnahmen ergreifen und stetig die Fixkosten senken.“ Mit den Arbeitnehmervertretern sei man in konstruktiven Gesprächen über die Sparmöglichkeiten im Personalbereich. Die Ankündigungen reichten für einen Kurssprung an der Börse. Zeitweise legten die Daimler-Aktien um mehr als sechs Prozent zu. Bei aller Kritik kann Källenius eine Erkenntnis festhalten: Er genießt noch das Vertrauen des Kapitalmarkts.

    Deutlich selbstbewusster ist der amerikanische Elektroautobauer Tesla unterwegs. Mit dem vierten profitablen Quartal in Folge widerlegte Tesla-Gründer Elon Musk Spekulationen, er könne nicht über einen längeren Zeitraum ohne Zwischenfälle Elektroautos produzieren. Innerhalb eines Jahres hat sich der Aktienkurs auf mehr als 1500 Dollar versechsfacht. Neben dem geplanten Werk in Brandenburg kündigte Musk den Bau einer weiteren Fabrik in der Nähe der texanischen Hauptstadt Austin an. Erfolg macht hungrig.

    Nach dem Wirecard-Betrugsskandal ist vielen Anlegern die Lust auf Aktien aus dem Reich der jungen Aufsteiger möglicherweise vergangen. Mit Delivery Hero könnte der nächste Senkrechtstarter dem insolventen Zahlungsdienstleister in den höchsten deutschen Index folgen.

    Der globale Essenslieferant lockt mit der Hoffnung auf eine große Zukunft. Gewinne hat Delivery Hero seit Gründung noch nie gemacht. Allerdings ist bisher auch keine Bilanzmanipulation bekannt. Im Interview mit dem Handelsblatt verspricht Unternehmensgründer Niklas Östberg: „Amazon hat 16 Jahre gebraucht bis zu Gewinnen. Wir werden schneller sein, denn wir sind in vielen europäischen Ländern und im Nahen Osten bereits profitabel. Das sind 75 Prozent unseres Geschäfts.“

    Auf die Frage, wann Delivery Hero insgesamt Gewinne macht, bleibt Östberg vage: „Ich weiß es wirklich nicht. Als ich letztes Mal ein Datum genannt habe, habe ich mich geirrt. Ich möchte mich nicht mehr auf ein fixes Ziel festlegen.“

    Auf den ersten Blick scheint Deutschland die Coronakrise ziemlich gut zu meistern. Nicht nur die Zahl der täglichen Neuinfektionen ist im internationalen Vergleich gering, auch die Zahl der Insolvenzen und Arbeitslosen. Doch Staatshilfen und Kurzarbeit verdecken das ganze Ausmaß der ökonomischen Folgen durch die Pandemie. Experten erwarten bis Ende 2021 die größte Pleitewelle in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Auf bis zu 21.000 Fälle könnte die Zahl der Insolvenzen ansteigen. Unsere aktuelle Titelgeschichte „Insolvenz“ erklärt, warum so viele deutsche Unternehmen vor dem Aus stehen.

    Der ehemalige Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz redet im Handelsblatt-Interview mit meiner Kollegin Kirsten Ludowig Klartext: „Ich rechne durchaus mit Tausenden Unternehmen in Deutschland, denen die Insolvenz droht. Die Zahl der Insolvenzen wird ab Herbst stetig steigen, und dann über mehrere Monate.“

    Der Bundesregierung empfiehlt Geiwitz eine Verbesserung des Insolvenzrechts: „Wir könnten für Unternehmen, die durch die Krise unverschuldet in Not geraten sind, das Insolvenzrecht noch benutzerfreundlicher machen. Sozusagen einen Covid-Schutzschirm aufsetzen.“

    Profitieren könnten vor allem kleinere Betriebe wie Restaurants, Hotels oder Reisebüros: „Die meisten Unternehmer in Deutschland sind nicht protzende Sportwagenfahrer, sondern fleißige Menschen, die enorm viel arbeiten und Gewinne größtenteils im Unternehmen belassen. Wir können es uns nicht leisten, sie im Stich zu lassen.“

    Einen kritischen Blick auf die Rettungspolitik der Bundesregierung wirft dagegen der renommierte Ökonom Hans-Werner Sinn, ehemaliger Chef des ifo-Instituts, im Handelsblatt-Interview: „Es ist nun einmal schwierig, den goldenen Mittelweg zu finden zwischen ‚wir retten jeden‘ und ‚wir retten niemanden‘. Inzwischen hat der Staat des Guten zu viel getan. Das viele Geld veranlasst viele Unternehmen und Firmen sich erst einmal auszuruhen, anstatt um die Kunden zu kämpfen.“ Die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte.

    Quelle: imago images/Christian Kielmann
    Die Köchin Sarah Wiener denkt trotz der Insolvenz nicht ans Aufgeben.
    (Foto: imago images/Christian Kielmann)

    Und dann ist da noch Sarah Wiener. Die Starköchin musste für ihre Berliner Restaurants und den Cateringservice Insolvenz einreichen. „Corona hat vielen von uns eine Menge abverlangt. So auch einen Teil meiner Firma, meiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen… und mir“, schrieb Wiener. Es sei schmerzhaft. Doch die Unternehmerin denkt nicht ans Aufgeben. Sie wolle sich nun ganz auf die Lebensmittelproduktion konzentrieren. Bertolt Brecht kommt einem in den Sinn: „Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

    Ich wünsche Ihnen ein Wochenende voller Zuversicht und Tatendrang.
    Herzliche Grüße
    Ihr

    Sven Afhüppe
    Chefredakteur

    Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

    Morning Briefing: Alexa
    Startseite
    Mehr zu: Morning Briefing - Der schwierige Weg aus der Luftfahrtkrise
    0 Kommentare zu "Morning Briefing : Der schwierige Weg aus der Luftfahrtkrise"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%