Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Der Tag der Razzien

02.07.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

das zweite Halbjahr beginnt mit Razzien. Deutsche Ermittler haben in diesen Tagen wahrlich nicht wenig mit Wirtschaftsgrößen zu tun. Da ist zum Beispiel der Mann von Wirecard mit dem zerbrochenen Zauberstab, Markus Braun, dessen Wohnobjekte in Österreich genauso durchsucht wurden wie die Konzernzentrale in Aschheim bei München. Es geht nun neben Bilanzfälschung und Marktmanipulation auch um Betrug. Wurden hohe Beträge systematisch aus der Firma herausgeschleust, etwa mittels überteuerter Käufe von Firmen, hinter denen Vertraute steckten? Braun, der langjährige CEO, wurde nun nachträglich sogar fristlos gefeuert. Wenn man das alles sieht und hört, stellt sich immer mehr die Frage, warum der Chef nicht in Untersuchungshaft sitzt. Bei „Dieselgate“ war das für den seinerzeitigen Audi-Vormann Rupert Stadler selbstverständlich.

Quelle: dpa
Durchsuchungen bei Continental: Ein Streifenwagen fährt an der Unternehmenszentrale vorbei.

Womit wir beim Abgasbetrug in der deutschen Automobilwirtschaft wären und mittendrin in der zweiten aktuellen Großrazzia. Am gestrigen Mittwoch ließ die Staatsanwaltschaft Hannover Geschäftsräume von Volkswagen und des Zulieferers Continental durchkämmen. Bei Continental – die Razzia lief in Hannover, Frankfurt und Regensburg – geht es um ein Steuergerät und Einspritzsystem, das Teil des Abgasbetrugs für den VW-Motortyp EA 189 gewesen sein soll. Aufträge gingen von 2006 an Siemens VDO, die im Dezember 2007 dann vollständig von Continental akquiriert wurde. Unter Verdacht stehen Ingenieure, zwei Geschäftsführer und eine Compliance-Beauftragte. Bereits bei Bosch und ZF waren Zulieferer-Aktionen für die Diesel-Missetäter ein Thema für die Justiz. „Die Natur betrügt uns nie“, sagt Jean-Jacques Rousseau, „wir sind es immer, die wir uns selbst betrügen.“

„Digitalisierung aus der Hölle“, sieht Grünen-Chef Robert Habeck in der Art, wie China gegen das Coronavirus gekämpft hat. Das könnten wir zwar nicht akzeptieren. Aber man sähe die Macht des Systems. „Und Herrscher, die mit autoritären Weltbildern liebäugeln, sehen das natürlich auch.“ So entstünden „merkwürdige ideologische Allianzen“, sagt Habeck im Handelsblatt-Gespräch, etwa zwischen Rechtspopulisten und den kommunistischen Kapitalisten aus China. Es sei höchste Zeit, den Klimaschutz wieder auf die politische Agenda zu nehmen, erklärt Habeck noch, „und zwar mit den Milliardenpaketen, die jetzt geöffnet werden“.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen
    Quelle: dpa
    Ifo-Präsident Clemens Fuest rechnet mit einer „stetigen, aber langsamen Erholung“.

    Bloß raus aus der Talsohle ist aktuell die Losung unter heimischen Ökonomen. Und so verschlingen Optimisten geradezu die neuesten Daten: 6,9 Prozent im dritten Quartal und schließlich 3,8 Prozent Wachstum im vierten, prognostiziert das Ifo-Institut in unserem Titelkomplex. Ifo-Präsident Clemens Fuest rechnet mit einer stetigen, aber langsamen Erholung. Gedämpfter ist da der DIHK und auch die fünf Wirtschaftsweisen rechnen mit deutlich weniger Innovationstempo. Abstandswarnung, Reiseeinschränkungen und außenwirtschaftliche Stagnation sind die größten Spaßbremsen.

    Es war einmal eine ehemalige Kronkolonie, die sollte noch 50 Jahre Freiheit und Finanzmacht genießen. Doch für Hongkong sind solche Abmachungen offenbar passé. Es regiert, viele Jahre zu früh, die Regierung in Peking – die sich eigens ein „Sicherheitsgesetz“ gegen Gewalt und Separatismus in Hongkong geschaffen hat. Das neue Paragraphenwerk kam jetzt zum Einsatz, als Tausende dagegen auf die Straße gingen. Die Folge: Mehr als 300 Demonstranten nahm die Polizei fest, die Arretierten sehen das Recht auf freie Meinungsäußerung verletzt. Sie wurden mit Tränengas, Wasserwerfer und Pfefferspray auf den Boden des realen Kommunismus zurückgeführt.

    Es ist soweit: Tesla steigt zum wertvollsten Autobauer der Welt auf. Die Firma von Elon Musk erreicht an der Börse eine Marktkapitalisierung von 210 Milliarden Dollar. Toyota liegt mit insgesamt 201 Milliarden knapp dahinter – und BMW, Daimler und Volkswagen schaffen aufaddiert gerade mal 112 Milliarden. Schaut man allerdings auf die Zahl verkaufter Vehikel, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Danach hat Tesla im vorigen Jahr nur 370.000 Fahrzeuge verkauft, Toyota dagegen kam auf einen Absatz von mehr als zehn Millionen Autos. Die Börse gibt Bonus für Hype-Firmen.

    Quelle: dpa
    Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.

    Und dann ist da noch das „generische Maskulinum“, das in einer pro forma gleichberechtigten Welt nicht einfach verschwinden darf. Vor dem Bundesverfassungsgericht ist die Frauenrechtlerin Marlies Krämer mit dem Plan gescheitert, ihre Sparkasse zur geschlechtergerechten Ansprache in Formularen zu verpflichten. Statt des übergeordneten Maskulinums „Kontoinhaber“ wollte Krämer den Begriff „Kontoinhaberin“. Für die Zukunft aber ließ das Gericht in Karlsruhe durchaus Sympathie dafür erkennen, sich dem Thema inhaltlich zu nähern. Gut möglich, dass das Grundgesetz also irgendwann das Ende des „generischen Maskulinums“ verlangt. Hier jedenfalls werden Sie mit „liebe Leserin“ und „lieber Leser“ in diesen Donnerstag verabschiedet.

    Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag ohne Geschlechterdiskriminierung. Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

    Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

    Morning Briefing: Alexa
    Startseite
    0 Kommentare zu "Morning Briefing : Der Tag der Razzien"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%