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Morning Briefing Deutschen Hotspots drohen Ausreisesperren

20.10.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

aus Furcht vor dem großen Lockdown kommt es zu immer mehr kleinen, regionalen Lockdowns. Für die Menschen vor Ort ist dies dasselbe, für alle anderen nicht. So verhängt die bayerische Staatsregierung in Gestalt von Ministerpräsident Markus Söder von heute, 14 Uhr, an strikte Ausgangssperren für das idyllische Berchtesgadener Land.

Dessen Stolz ist bekanntlich der sagenumwobene Watzmann, den Wolfgang Ambros besang: „Watzmann, Watzmann, Schicksalsberg, du bist so groß und i nur a Zwerg.“ Grund für den Lokal-Lockdown ist eine Sieben-Tage-Inzidenz von 252,1 pro 100.000 Einwohner – weit über dem Alarmwert von 50 und weit über der Kennziffer für den Hotspot Berlin-Neukölln mit 193,1. Die eigene Wohnung darf in Berchtesgaden und Umgebung nur noch verlassen, wer einen triftigen Grund hat.

Quelle: AFP
Eine Option seien „Beschränkungen der Mobilität in die besonders betroffenen Gebiete hinein und aus ihnen heraus“, sagt Kanzleramtschef Helge Braun.
(Foto: AFP)

Standhaft müssen wir bei der aktuellen Aufzählung bleiben, dass 108 von 400 deutschen Landkreisen und Städten offizielle Corona-Risikozonen sind. Den Menschen in diesen Gebieten drohen nun Ausreisesperren, wie Kanzleramtschef Helge Braun der „Rheinischen Post“ bestätigt. Bei ihm läge als Option auf dem Tisch, „dass Beschränkungen der Mobilität in die besonders betroffenen Gebiete hinein und aus ihnen heraus“ im Kampf gegen Corona helfen könnten. So etwas hatte beim jüngsten Krisengipfel in Berlin Professor Michael Meyer-Hermann vom Helmholtz-Institut vorgeschlagen. Das von etlichen Gerichten gekippte „Beherbergungsverbot“ wird in Hotspots zur „Beherbergungspflicht“ für Einheimische.

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    Eine Pandemie-Zwangspause wie im Watzmann-Land gibt es auch in Wales – für zwei Wochen. So soll der Kollaps des Gesundheitswesens verhindert werden. Nordirland, Teile von Schottland und der Norden Englands könnten dem Lockdown-Beispiel bald folgen. Belgiens Gesundheitsminister sagt, die Covid-19-Lage in Brüssel sei „nahe an einem Tsunami“.

    In Polen wiederum gibt es erste Berichte, wonach vereinzelt Menschen starben, weil ihre Covid-19-Erkrankung nicht angemessen behandelt werden konnte. So sollen Krankenhäuser schon mal die Tore für Rettungswagen mangels freier Betten geschlossen gehalten haben. Innerhalb kurzer Zeit entsteht nun im Warschauer Fußball-Nationalstadion ein erstes Feldkrankenhaus. Anders als im ebenfalls sehr belasteten Tschechien will Polen keine Hilfe aus Deutschland in Erwägung ziehen.

    Überbringer schlechter Nachrichten pflegte man in früheren Jahrhunderten durchaus zu köpfen. In heutigen Zeiten droht Unglücksboten Häme und Ausgrenzung, wenn sie von Sars-CoV-2 berichten. So hat Präsident Donald Trump nun den seit Jahrzehnten für US-Regierungen arbeitenden Immunologen Anthony Fauci verbal malträtiert: „Jedes Mal, wenn er im Fernsehen auftritt, gibt es immer eine Bombe, aber es gibt eine größere Bombe, wenn man ihn feuert. Der Typ ist eine Katastrophe.“ Die Leute hätten es satt, so Wüterich Trump, „Fauci und diese Idioten zu hören“.

    Dem 79-jährigen Warner vor Corona ist jedoch kaum anzukreiden, dass in den USA mehr als 220.000 Menschen an Covid-19 starben und sich mehr als acht Millionen infizierten. Mit Alfred Polgar kommentieren wir: „Es hat sich bewährt, an das Gute im Menschen zu glauben, aber sich auf das Schlechte zu verlassen.“

    Eine Wacht-auf-Rede hat Friedensnobelpreisträger Lech Walesa jüngst zum Abschluss eines Usedomer Musikfestivals gehalten. „Populisten und Demagogen zerstören die Idee eines vereinten Europas“, erklärte er, „und sie tun es nur deshalb, weil es keine Führung in Europa gibt“. Er versuche schon seit 20 Jahren, Deutschland davon zu überzeugen, diese Führungsrolle wahrzunehmen: „Deutschland sollte gemeinsam mit Frankreich und Italien eine Lösung vorschlagen.“

    Alte Strukturen seien zu renovieren. Die Deutschen müssten jetzt Europa aus dieser Lage herausführen, Polen könne das nicht, meint der ehemalige Staatspräsident über seine Landsleute.

    Quelle: imago images/Manfred Segerer
    Der Soziologe Armin Nassehi glaubt, dass Maßnahmen gegen Corona mehr Opfer fordern werden als das Virus selbst.
    (Foto: imago images/Manfred Segerer)

    Die deutsche Gesellschaft beobachtet der Münchener Soziologie-Professor Armin Nassehi seit Langem. Nun zieht das Mitglied der Expertenkommission von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet in einem profunden Gespräch mit meinem Kollegen Thomas Tuma Bilanz über unseren Kampf gegen die Coronakrise. Er spricht über Konsistenz in der Corona-Politik:

    • „Egal, was gemacht wird, es soll bitte in sich schlüssig sein. Das kann man von den momentanen Maßnahmen nicht behaupten. Insofern wächst mit der Unsicherheit tatsächlich auch die Unzufriedenheit.“

    Zu den aktuellen Corona-Protesten sagt Nassehi:

    • Wenn man bedenkt, wie viel mediale Aufmerksamkeit die vergleichsweise kleinen Corona-Proteste bekamen, bin ich versucht, diese ,Bewegung‘ als Scheinriesen zu sehen. Protest ist zurzeit sehr stark Eliten-Bashing. Dafür ist die Coronakrise wie geschaffen.

    Und schließlich wagt der Professor einen geografischen Vergleich:

    So sieht der kleine Unterschied aus: Bei uns geht es derzeit um Ungleichheiten durch Bildungsnachteile, anderswo um Menschenleben.

    Zehn Gigawatt Elektrolyseure bis 2030, wollen die Grünen. Quelle: dpa
    Wasserstoff

    Zehn Gigawatt Elektrolyseure bis 2030, wollen die Grünen.

    (Foto: dpa)

    Auf der Suche nach Aktien mit Zukunftsgarantie stoßen immer mehr Anleger auf Wasserstoff. Konzerne wie Weltmarktführer Ballard Power, Linde, Nel Asa, Power Cell oder Air Liquide, die in diesem Metier aktiv sind, erleben derzeit einen wahren Kursrausch, wie wir im Finanzteil analysieren. Und als der Elektrolyse-Hersteller Enapter etwa vorige Woche verkündete, in Nordrhein-Westfalen eine Massenproduktion aufzubauen, gab es für das Wertpapier kein Halten mehr.

    Konzerne wie Thyssen-Krupp oder Airbus wollen „grünen“ Wasserstoff nutzen – der entsteht, wenn Wasser mithilfe von Ökostrom in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt wird. Doch vor allzu viel Euphorie sei gewarnt: Das Herstellungsverfahren ist teuer und befindet sich meist in Pilotprojekten. Umsätze oder gar Gewinne sind – bis auf die ganz Großen – eine echte Rarität.

    Zwei Worte hängen wie dunkle Wolken über dem Verhältnis der Europäer zu den abtrünnigen Briten: „No deal“. Vorige Woche erst hat Premier Boris Johnson wieder damit gedroht. Sicher ist: In zehn Wochen ist „B-Day“ – mit oder ohne Abkommen. Mein Kollege Carsten Volkery, seit einiger Zeit Korrespondent in London, wird von heute an jeden Dienstag, 12 Uhr, den Ausstieg der Freunde von der Insel aus dem Binnenmarkt betrachten – im „Brexit-Briefing“. Wie laufen die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen? Wie bereiten sich Unternehmen auf den Einschnitt vor? Was lässt sich „Bad Boy“ Boris noch einfallen? Anmelden können Sie sich für den Newsletter auf www.handelsblatt.com/brexit-briefing.

    Und dann ist da noch der britische Staubsaugerkönig James Dyson, der mit seinem neuen Lebensmittelpunkt Singapur nicht zurechtkommt. Seine Familie jedenfalls machte mit einem spektakulären Immobilienprojekt, das auf den Namen seiner Frau Deirdre lief, reichlich Minus.

    Immerhin zahlten die Umsiedler Anfang 2019 umgerechnet rund 46 Millionen Euro für ein dreistöckiges Appartement an der Spitze des höchsten Hochhauses der City. Nun aber verkaufen die Dysons ihren Besitz – in 260 Metern Höhe gelegen und unter anderem ausgestattet mit Infinity Pool sowie einem Weinkeller für 600 Flaschen – schon wieder. Ein indonesischer Geschäftsmann zahlt „nur“ circa 39 Millionen Euro. Wegen nicht eingehaltener Spekulationsfristen sind noch mal mehrere Millionen fällig. Da Dyson auch den Bau von E-Autos in Singapur abbrach, muss man von einer Luftnummer par excellence ausgehen.

    Ich wünsche Ihnen einen ertragreichen Tag mit schönen Aussichten auf die Welt.

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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