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Morning Briefing Deutschland übt Sperrstunde

07.10.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

in früheren Zeiten kamen Herrscher auf die Idee eines spätabendlichen Alkoholausschankverbots, wenn sie Angst vor Feuer oder Chaos hatten. So hielt es etwa Herzog Sigmund IV. von Österreich-Tirol im Jahr 1470 in Bozen mit seinem „Hausaus“. Heute heißt das Ganze „Sperrstunde“: Zechers Alptraum, der vielerorts wahr wird. Überall dominiert die Angst vor der steigenden Zahl von Corona-Infektionen – weshalb immer mehr Bürgermeister auf die Idee kommen, Restaurants, Bars oder Kneipen von einer bestimmten Uhrzeit an zu schließen. In Berlin wurde gestern die Stichzeit 23 Uhr verfügt, nur Tankstellen (für Kraftstoff) und Apotheken dürfen danach noch geöffnet sein. In Frankfurt gilt von Freitag an sogar Sperrstunde um 22 Uhr, in Parks und an bestimmten öffentlichen Plätzen greift zudem ein generelles Alkoholverbot. Diese Regeln durchzusetzen, dürfte allerdings um einiges schwieriger sein, als sie aufzustellen.

Quelle: AFP
US-Präsident Donald Trump sagte die laufenden Verhandlungen mit den Demokraten über ein Corona-Hilfspaket ab. Er hatte hierfür 1,6 Billionen Dollar gewähren wollen, die oppositionellen Demokraten aber fordern 2,4 Billionen.
(Foto: AFP)

An das „Glücksrad“ in den frühen Jahren des Privatfernsehens fühlt man sich bei Donald Trumps wirtschaftspolitischen Formeln erinnert: Man weiß nie, was die Zahlen auf den bunten Feldern wirklich bedeuten. Nun steigert sich der Präsident in den Fiebertraum eines Wahlsiegs am 3. November hinein: „Unmittelbar, nachdem ich gewonnen habe, werden wir ein großes Konjunkturpaket verabschieden, das sich auf hart arbeitende Amerikaner und kleine Geschäfte konzentriert.“ Sprach‘s und sagte die laufenden Verhandlungen mit den Demokraten über ein Corona-Hilfspaket ab. Er hatte hierfür 1,6 Billionen Dollar gewähren wollen, die oppositionellen Demokraten aber fordern 2,4 Billionen. Wie immer lieferte die US-Börse einen Kurzkommentar zu solchen politischen Hantelübungen – in diesem Fall mit der Überschrift „Sell!“. Trump bittet nun die verbliebenen Trumpisten, sich ganz auf die Wahl von Amy Coney Barrett für ein Richteramt am Supreme Court zu konzentrieren.

Wenn jemand sein Geld Vermögensverwaltern gibt, ist es gut möglich, dass er am Ende etwas reicher wird. Geradezu sicher aber ist die Vermögensbildung in der Hand des Auftragnehmers. Das Geschäft der Geldverwalter ist höchst rentabel, zeigen wir in einem Report auf – was am schier unendlichen Börsenboom liegt sowie an den einträglichen Renditen. Die operative Marge in dieser Branche liegt bei immerhin 30 Prozent, übertroffen nur von der Gilde der Immobilien-Spezialisten, die auf sage und schreibe 46 Prozent kommen. Was sind da schon elf Prozent für Maschinenbau und sieben Prozent für die Autobranche? Entscheidend für die Gewinnschöpfung in der Klasse der Asset-Manager ist übrigens der Privatkunde: Er ist viermal lukrativer als institutionelle Investoren wie Pensionsfonds, weil hier mehr Gebühren fließen. Über solche Interna reden jedoch DWS, Deka, Union & Amundi so gerne wie der Schlachter vom Tofu-Schnitzel.

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    Robert Zoellick zu Folgen von Trumps Wiederwahl: „Die Welt könnte wieder so aussehen wie um 1900“ Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt
    Der Republikaner Robert Zoellick hat es zu viel Aufmerksamkeit und auch zu ein wenig Ruhm gebracht. Mit Donald Trump rechnet er im Handelsblatt-Interview unbarmherzig ab.
    (Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt)

    Er war Chef der Weltbank in der Finanzkrise und hat sechs US-Präsidenten zugearbeitet: Der Republikaner Robert Zoellick hat es zu viel Aufmerksamkeit und auch zu ein wenig Ruhm gebracht. Mit Donald Trump rechnet er im Handelsblatt-Interview unbarmherzig ab: „Eine zweite Amtszeit könnte uns eher zu einer Welt von Großmächten führen, die im Wettbewerb miteinander stehen, statt miteinander zu kooperieren, so wie im Jahr 1900.“ Außenpolitisch sieht Zoellick neue Chancen für Europa: „Europa könnte dann sehr wichtig sein, wenn es mit den USA zusammenarbeitet, um Chinas Aufstieg zu kontern. Das geht aber natürlich nur in einer weniger konfrontativen Art, als es Trump gerade macht.“ Und schließlich glaubt der Republikaner an einen wachsenden Standort-Egoismus der Politiker: „Regierungen überall auf der Welt pumpen gerade viel Geld in ihre Volkswirtschaften. Und sie haben ein Interesse daran, dass die Jobs auch im Land entstehen. Der Nationalismus rund um den Corona-Impfstoff ist ein gutes Beispiel dafür.“

    Der Ex-Weltbank-Chef macht den Eindruck, als führe er Buch über einen nicht erklärten Sieg. So ein Liebling der Politik, den Zoellick meint, ist die Hildener Biotechfirma Qiagen. Sie stellt Reagenzien her, die für Corona-Tests dringend gebraucht werden. Deshalb sagten zwei NRW-Politiker vor wenigen Wochen 18,3 Millionen Euro staatliches Fördergeld zu. Auch der Bund hat Qiagen unterstützt. Nun aber referieren der WDR und die „Süddeutsche Zeitung“, dass die mit staatlichen Geldern ordentlich gepanzerte Firma womöglich selbst im großem Ausmaß Steuern vermieden hat. Über die trickreiche Vergabe konzerninterner Kredite optimierte Qiagen offensichtlich die Bilanz, wobei ein Netzwerk mit Ablegern in 35 Ländern, auch in Steueroasen wie Malta oder Luxemburg, äußerst dienlich war. Dabei kamen marktfremde Zinssätze von acht oder sechs oder 4,5 Prozent zum Ansatz.

    Quelle: dpa
    Mario Götze soll einen Zweijahresvertrag beim holländischen Erstligisten PSV Eindhoven unterschreiben.

    Und dann ist da noch der Profifußballer Mario Götze, seines Zeichens Weltmeister mit Dortmunder Lokalkolorit, der seine temporäre Aussicht auf Arbeitslosigkeit überwunden hat. Er steht vor dem Start beim holländischen Erstligisten PSV Eindhoven, der vom deutschen Trainer Roger Schmidt nach oben gebracht werden soll. Götze, 28, zuletzt vertragslos, soll einen Zweijahresvertrag unterschreiben, nachdem er auch bei Hertha BSC gehandelt worden war. Offenbar muss der Ex-Nationalspieler mit 30 Prozent weniger Gehalt rechnen, was in Summe aber immer noch drei Millionen Euro jährlich ausmacht. Sein Ziel, die Champions League zu gewinnen, wird er in Eindhoven genauso verfehlen wie vorher bei Borussia Dortmund. Wir schließen in Respekt für Götze mit Thukydides: „Nur der Ehrgeiz altert nicht, und das, woran sich das tatenlose Alter am meisten freut, ist nicht, wie man behauptet, das Geld, sondern die Ehre.“
    Ich wünsche Ihnen einen ehrenvollen Mittwoch.

    Herzliche Grüße

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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