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Morning Briefing Die Anti-Covid-Waffe aus Mainz

23.04.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

hatten Sie schon einmal von Biontech gehört? Vermutlich nicht. Nun aber ist das Mainzer Biotechnologie-Unternehmen mit einem Schlag weltbekannt – weil das Paul-Ehrlich-Institut ihm genehmigte, zusammen mit dem US-Partner Pfizer einen Impfstoff gegen Covid-19 an 200 Personen zu testen. Firmengründer Ugur Sahin rechnet mit ersten Zwischenergebnissen Ende Juni und mit einer Zulassung – im Erfolgsfall – nicht vor 2021.

Biontech gehöre nun mit Moderna (USA) und Cansino Biologics (China) zu den Pionieren unter weltweit 80 Covid-19-Impfprojekten, analysiert unser Medizinmann Siegfried Hofmann in der aktuellen Titelstory. Die Aktie von Biontech legte am Dienstag um zeitweise knapp 50 Prozent zu, die Firma ist jetzt fast zehn Milliarden Euro wert. Mainz, wie es forscht und lacht.

Topinvestor Klaus Hommels, Gründer des Fonds Lake Star, weiß alles über Spielereien und Spleenigkeiten des Finanzmarkts. Deshalb ist genau zuzuhören, wenn er die Staatshilfen für börsennotierte Konzerne wie Tui und Adidas kritisiert. Hier gebe es Kredite für Firmen, die ja auch einfach eine Kapitalerhöhung machen könnten, bei der dann die zumeist ausländischen Aktionäre mitziehen müssten, sagt der Kapital-Profi im Handelsblatt-Interview. „Bei den Konzernen schützen wir ausländische Investoren“, mosert Hommels weiter – und zielt damit auf den ägyptischen Milliardär Nassef Sawiris (Adidas) und auf den Russen Alexej Mordaschow (Tui). Theodor Fontane fällt einem ein: „Wo viel Geld ist, geht immer ein Gespenst um.“

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    Quelle: dpa
    Mit Blick auf die Lockerungen des „Lockdown“ in Deutschland bemängelt Christian Drosten, dass es nun „freie Interpretationen“ der Lockerungen und viel Fantasie in der Wirtschaft gebe.

    Wenn Deutschland sich über Lockerungen des „Lockdown“ freut, ärgert sich der Mann, der seit Wochen als Virologe der Republik auftritt – zuverlässig wie die Schäffler, die sich mittags beim Glockenspiel vor dem Münchener Rathaus drehen. Er bedauere es in diesen Tagen sehr, „dass wir vielleicht gerade dabei sind, unseren Vorsprung in Deutschland komplett zu verspielen“, warnt Christian Drosten von der Charité. Man müsse sich schon fragen, „ob das alles noch sinnvoll ist“, sagt er mit Blick auf wieder eröffnete Shoppingmalls.

    Es gäbe nun überall „freie Interpretationen“ der Lockerungen und viel Fantasie in der Wirtschaft, so Drosten, und es würde ihn nicht wundern, wenn im Mai oder Juni eine Situation entstehe, „die wir nicht mehr kontrollieren können“. Vielleicht folgen die Deutschen dem Warner tatsächlich nicht mehr wie gehabt, aber sie würdigen ihn noch: Für seinen NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“ ist er für den Grimme Online Award, Kategorie Information, nominiert worden.

    Quelle: dpa
    Der Psychologe Stephan Grünewald erlebt in seinen aktuellen Studien eine politische Zweiteilung im Volk.

    Was bedeutet Corona für die Psyche der Deutschen? Darüber habe ich mich lange mit dem Psychologen Stephan Grünewald unterhalten, Chef des Rheingold-Instituts und Mitglied des Corona-Expertenrats der NRW-Landesregierung. Er erlebe in seinen aktuellen Studien tatsächlich eine politische Zweiteilung im Volk, sagt er: Die einen wollten eine Variante „Söder plus“, also einen „Führer“, der noch durchsetzungsstärker ist und noch klarer durchregiert, so wie Markus Söder in Bayern also. Die anderen dagegen finden, der Lockdown grenze an Freiheitsberaubung, man bräuchte einen offeneren Umgang und mehr Selbstverantwortung. Hier bietet sich Ministerpräsident Armin Laschet aus NRW an, „der Typus des moderierenden Politikers, der Bürger mitnimmt und alle Risiken einbezieht.“

    Das Klima in der Großen Koalition war zuletzt wieder rauer geworden. Der anfängliche Zauber der gemeinsamen Corona-Bekämpfung schien verflogen. Nun aber gelang den Spitzen von Union und SPD bei ihrem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel ein Coup: Wegen der Coronakrise hebt man das Kurzarbeitergeld an. Nun gelten nicht mehr 60 und 67 Prozent des letzten Einkommens, sondern viel höhere Sätze.

    So soll die Hilfszahlung, gestaffelt nach Bezugsdauer, auf bis zu 80 Prozent und für Eltern auf bis zu 87 Prozent ansteigen. Es haben in Deutschland schon mehr als 700.000 Betriebe Kurzarbeit angemeldet – die neue Zuwendung wird vermutlich die Meinungswerte pro Union weiter steigen lassen.

    Es ist schon ein bisschen her, dass die Dessous-Marke „Victoria‘s Secret“ angesagt und eine Zierde des Mutterkonzerns L Brands war. Das war vor „Metoo“ und „Body Shaming“. Nun jedoch ist sogar der Weiterverkauf der einstigen Kultfirma geplatzt. Finanzinvestor Sycamore Partners beendet Knall auf Fall die im Februar vereinbarte Übernahme von 55 Prozent des Kapitals für 525 Millionen Dollar.

    Um das Geschäft rückabzuwickeln, haben die Flüchtenden eine Klage bei einem Gericht in Delaware eingereicht. Begründung: Weil L Brands in der Coronakrise etliche Filialen geschlossen, Personal beurlaubt und Mietzahlungen ausgesetzt hat, sei der Deal nichtig. Das sieht der ehemalige Eigentümer von „Victoria‘s Secret“ ganz anders und pocht seinerseits auf Vertragserfüllung. Die alte Weisheit „Sex Sells“ scheint bei diesem Streit außer Kraft gesetzt zu sein.

    Quelle: Getty Images
    Abigail Disney ist darüber verärgert, dass der Entertainmentkonzern Walt Disney mehr als hunderttausend Geringverdiener in seinen Parks beurlaubt hat.
    (Foto: Getty Images)

    Und dann ist da noch Abigail Disney, Nachkommin des berühmten amerikanischen Zeichentrick-Clans ohne Einfluss, aber mit Meinungsfreude. Die Enkelin von Walt Disneys Bruder Roy regt sich darüber auf, dass der Entertainmentkonzern mehr als hunderttausend Geringverdiener in seinen Parks beurlaubt hat, nachdem die Manager üppige Boni und die Aktionäre eine schöne Dividende bekamen. „What the actual F***?????“, tweetete Mrs. Disney und kritisierte, der Konzern habe sich nicht um seine Arbeiter gekümmert. Schon früher hatte sie das Gehalt des im Februar ausgeschiedenen Ex-CEO Bob Iger (2019: 47,5 Millionen Dollar) als „verrückt“ bezeichnet – es lag 911 Mal höher als der Mittelwert des Gehalts aller Beschäftigten.

    Ich wünsche Ihnen einen harmonischen Tag, an dem sich hoffentlich alles für Sie lohnt.

    Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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