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Morning Briefing Die Bitcoin-Horrorshow des Elon Musk

20.05.2021 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

zum Monopolismus der neuen Zeit gehört nicht nur die Haufenbildung von Kapital, Daten und Meinung, sondern auch die Konzentration von Aufmerksamkeit. Wir schenken immer mehr Zeit immer weniger Leuten, etwa Personen wie Elon Musk. Der Tesla-Chef hat die Welt in die Kryptowährungsblase hinein- und wieder hinausgequatscht.

Erst lobte er Bitcoin aus, erzählte dann plötzlich, dass Tesla dieses virtuelle Geld nicht mehr als Zahlungsmittel goutiere – um schließlich gestern mit Emojis zu symbolisieren, Tesla habe Diamanten an den Händen.

Als auch noch die Verbände der chinesischen Banken- und Internetindustrie vor dem Krypto-Markt warnten, gab es kein Halten mehr. Der Bitcoin sackte um 30 Prozent auf 30.000 Dollar weg, Ethereum um 50 Prozent auf knapp 1800 Dollar. Insgesamt verdampfte eine Billion Dollar. Wer in diesen Markt Geld steckt, muss einen guten Kardiologen zur Hand haben.

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    Quelle: AFP
    Der Vorstandschef der amerikanischen Colonial Pipeline, Joseph Blount, hat seine Erpresser in Bitcoin ausgezahlt.
    (Foto: AFP)

    In Bitcoin übrigens hat Joseph Blount, Vorstandschef der amerikanischen Colonial Pipeline, Erpresser ausgezahlt. Die Hacker hatten die Öl-Pipeline mit ihren Attacken zur Betriebsschließung gebracht, es war sogar zu Versorgungsengpässen an Tankstellen gekommen.

    In seiner Not überreichte Blount – gegen den Rat des FBI – am Ende 4,4 Millionen Dollar Lösegeld. Die Transaktion sei ihm nicht leicht gefallen, habe aber im Interesse des Landes gelegen, resümiert der 60-Jährige im „Wall Street Journal“.

    Der aktuelle Börsen-Kommentar kommt vom Silicon-Valley-Veteranen Sandy Robertson, der am Freitag 90 wird. Der Experte, heute noch Direktor bei Salesforce, vergleicht den Finanzmarkt mit den Überbewertungen zur Jahrtausendwende: „Wir sind wieder in einer sehr schäumenden Phase.“

    Er sage seinen jüngeren Partnern immer, man dürfe den aktuellen Technologie-Boom nicht mit einer Investment-Beurteilung verwechseln. Vor allem bekümmert ihn der Überhang der vielen leeren, börsennotierten Firmenmäntel („Spacs“), mit denen Start-ups den Gang aufs Aktienparkett schaffen.

    Quelle: dpa
    Familienministerin Franziska Giffey hat sich zum Rücktritt entschlossen – im Vorgriff auf die Aberkennung ihres Doktortitels.

    Niemand kann behaupten, die derzeitige Bundesregierung sei in Gänze eine Formation luzider Leistungsträger. Aber sie haben alle tapfer durchgehalten, selbst Verkehrsminister Andreas Scheuer. Gestern jedoch entschloss sich Familienministerin Franziska Giffey zum Rücktritt, im Vorgriff auf die mögliche Aberkennung ihres Doktortitels durch die Freie Universität Berlin, die man in diesem Fall zum Jagen tragen musste.

    Nun erledigt Justizministerin Christine Lambrecht einfach Giffeys Job mit, und die muntere Sozialdemokratin steigt – mit dem „Plagiarius des Jahres“ als Orden – in den Kampf zur Berliner Abgeordnetenhauswahl ein.

    Ein Original, das keine Kopie sein will. Diese Vision eint die Klientel der Spitzenkandidatin so sehr, wie es ihre Gegner abstößt. Ihr neuer Slogan „Ganz sicher Berlin“ jedenfalls soll keinem fremden Textbuch entstammen.

    Auch nicht ganz die reine Lehre, mitnichten aber ein Skandal, ist das Finanzgebaren rund um Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Nach den Usancen der Grünen erhält sie als Parteichefin kein Gehalt, da sie Abgeordnetendiäten hat. Nun aber zeigt sich, dass zwischen 2018 und 2020 maximal 37.000 Euro auf ihr Konto flossen. Es handelte sich um allerlei Sonder-Überweisungen,

    • 2018 für Weihnachten
    • 2019 ebenfalls fürs „Christkind“ sowie als Belohnung für eine erfolgreiche Europawahl
    • 2020 schließlich als Weihnachtsgeld sowie als „coronabedingte Sonderzahlung“

    Erst im März, also erheblich verspätet, informierte die Grünen-Chefin die Bundestagsverwaltung über die Summen. Ihr und der Bundesgeschäftsstelle der Partei war der Fehler zu einer Zeit aufgefallen, in der die Union mit ihren Maskenaffären kämpfte. Klar wird: Zu einer guten Parteiführung gehört eine gute Buchführung.

    Ein „Whistleblower“, vulgo „Informant“, ist oft ein wichtiger Akteur für eine Redaktion. Üblicherweise bleiben Vertreter dieser Spezies anonym, Pav Gill aber macht eine Ausnahme. Er ist der Mann, der intern bei Wirecard den Betrugsskandal ins Rollen brachte.

    Schließlich war er ein Jahr dort angestellt, als Leiter der Rechtsabteilung in Singapur. Und hörte davon, dass der asiatische Wirecard-Finanzchef Edo K. im Konferenzraum mit Filzstift Geldkreisläufe auf eine Tafel malte – rund um Fake-Firmen mit Fake-Umsätzen.

    Gill und sein Team fanden rückdatierte Rechnungen, erfundene Unternehmen und recherchierten, dass Edo K. auf Anweisung von Vorstand Jan Marsalek handelte. Irgendwann informierte Gills Mutter die „Financial Times“. „Ich habe es nie darauf angelegt, diese Firma zu entlarven“, sagt der Whistleblower der „Süddeutschen Zeitung“, er habe einfach gehofft, „die Firma von ein paar faulen Äpfeln zu befreien“.

    Grafik

    Ein Industrie-Plan ist in der Regel nur so gut, wie ihn die Investoren finden. Das spürt jetzt der fröhlich jugendliche Daimler-Chef Ola Källenius, der beharrlich daran arbeitet, noch 2021 sein Laster-Kombinat an die Börse zu bringen. Marken wie Mercedes in Europa, Freightliner in den USA oder Fuso in Japan könnten gemäß der Stuttgarter Arithmetik bis zu 40 Milliarden Euro wert sein, referiert unsere Titelgeschichte.

    Leider reichen potenziellen Aktionären die gebotenen vier Prozent Rendite nicht – sie fordern, Daimler müsse mehr liefern. Dass Daimler – anders als VW -– auch auf die Brennstoffzelle als Diesel-Ersatz setzt, ist technologisch prima, finanziell aber schwierig. Källenius muss hoffen, dass Wilhelm Busch einmal nicht recht hat: „Ausdauer wird früher oder später belohnt – meistens später.“

    In meiner Heimat Wiesbaden/Rheingau ist das „Kronenschlösschen“ eine besondere Adresse. Jüngst wartete das familiengeführte Hotel-Restaurant mit der Nachricht auf, Unbekannte hätten 500 der edelsten Weine und Champagner gestohlen. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen nach intensiven Durchsuchungen einen Insider-Verdacht – und zweifelt an der Version des Hotels, eine internationale Diebesbande habe zugeschlagen.

    450.000 Euro Schaden erschienen den Ermittlern genauso dubios wie die Tatsache, dass bei 70.000 Flaschen schnell die edelsten Tropfen gefunden und mehrere Stahltüren aufgebrochen wurden.

    Die Versicherung habe Strafanzeige gegen die Hotel-Inhaber gestellt, meldet die „Frankfurter Allgemeine“ zum Dessert. Es gilt Goethes Wort: „Ironie ist das Körnchen Salz, das das Aufgetischte überhaupt erst genießbar macht.“

    Und dann sind da noch die Feinschmecker unter den Funktionären des Deutschen Fußball-Bunds (DFB). Sie machten sich 2016, anlässlich der Europameisterschaft, auf zur großen Sause nach Frankreich, wie der „Kicker“ genussvoll ausbreitet.

    Man pflegt sich bei solchen Spesenanlässen als „Beobachtergruppe“ zu tarnen, 72 Personen umfasste allein das gallische „Funktionsteam“. Zwischen dem 17. Juni und dem 22. Juni, passgenau zu deutschen Länderspielen, tagten Präsidium, Vorstand sowie die Chefs der Regional- und Landesverbände im Hotel Opera.

    Es musste ja dringend der DFB-Bundestag vier Monate später vorbereitet werden. Ausgaben für Kost, Logis und Flüge summierten sich am Ende offenkundig schon mal jenseits von Budgetvorgaben. Es gab natürlich auch Museumsbesuche, Podiumsdiskussionen („Der Ball ist bunt“) und Treffen mit französischen Verbandsleuten, schließlich beachtet der gemeinnützige DFB stets sein erstes Gebot: Selbstlosigkeit.

    Ich wünsche Ihnen einen geschmackssicheren Tag.

    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr
    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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    1 Kommentar zu "Morning Briefing : Die Bitcoin-Horrorshow des Elon Musk"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "[...] um schließlich gestern mit Emojis zu symbolisieren, Tesla habe Diamanten an den Händen"

      Das ist doch eine sehr merkwürdige Interpretation dieser Emojis. Diese beziehen sich wohl zweifelsohne auf den, an der Börse üblichen, Ausdruck "Diamond Hands", was für Anleger steht, die keine Assets verkaufen wollen. Das deckt sich auch mit Daten von Börsen wie Coinbase Pro, die zeigen, dass institutionelle Investoren (wie Tesla) in den letzten Tagen kaum BTC verkauft haben.

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