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Morning Briefing Die Bürger und die Pandemie

27.11.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

wir gehen ins Wochenende mit dem Bewusstsein, dass all die nun beschlossenen härteren Corona-Regeln im Endeffekt nur ein Appell sind. Welche Polizeistaffel will angesichts der Unverletzbarkeit der Wohnung überprüfen, ob sich die Deutschen an die Verordnungen halten? Dafür, dass es auf die Verantwortung der Bürger ankommt, haben Bundesregierung und Länderregierungen auffällig wenig Vertrauensarbeit geleistet. Sie schieben ein Kommunikationsproblem vor sich her, weil sie nicht so transparent wie etwa die Regierung in Neuseeland informieren. Die Entsendung von Ministern in Talkshows ersetzt nicht die rechtzeitige Erklärung im Parlament. Und wo sind die wissenschaftlichen Studien, die für Transparenz sorgen? So schwingt bei Gesundheitsminister Jens Spahn auffallend viel Demut mit: „Das Allerwichtigste ist sowieso, dass die Bürgerinnen und Bürger von sich aus sagen, dass wir vielleicht kleiner feiern als sonst.

In unserem Wochenend-Titelkomplex zeigen wir, mit Verweis auf Beispiele aus dem Ausland, einige Wege aus dem Lockdown auf:

  • Da sind die Aufklärungsteams aus dem israelischen Ort Bat Yam, die gezielt Einwanderer aus Russland und der Ukraine ansprachen – das will man in Berlin-Neukölln nun auch versuchen.
  • Irland schaltet je nach Infektionslage scharf, es gibt Levels von eins bis fünf (fast totaler Lockdown).
  • Länder wie Südkorea oder Taiwan verfolgen Infektionsketten aufgrund von Handydaten, sie haben Zugriff auf Daten der Krankenversicherungen und Zollämter.
  • Japan wiederum verfolgt gezielt „Cluster-Events“, also Ereignisse, die zum Treiber von Covid-Erkrankungen werden könnten.
  • In vielen EU-Ländern gibt es harte Quarantäne-Regeln.
  • Eine spezielle Warn-App namens „Koronavilkku“ wurde von fast der Hälfte der Finnen heruntergeladen.
  • Anders als bisher in Deutschland üblich müssten Behörden, Test-Labore und Arztpraxen bald digital eng vernetzt werden.
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    Wir haben zum Komplex Covid-19 auch ein paar Meinungen zu den Lehren der Pandemie eingeholt. Fresenius-Chef Stephan Sturm sieht neue Chancen durch Corona: „Wenn wir es schaffen, dass wir künftig auch in Krisen keinen Krisenmodus brauchen, dann hätte Corona letztlich sogar etwas Gutes bewirkt.“ Vor dem alleinigen Starren auf die Sieben-Tages-Inzidenz warnt der Epidemiologe Gérard Krause: Er fordert ein mehrdimensionales Vorgehen, „nicht alle Informationen können in Formeln gegossen werden.“ David Nabarro, Covid-19-Sonderbeauftragter der Weltgesundheitsorganisation WHO, wiederum sieht Deutschland derzeit noch als Vorbild, warnt aber:

    • „Mit der Zeit wird es hart, die Disziplin aufrechtzuerhalten.“
    Quelle: dpa
    Herbert Diess ist Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG

    Ein bisschen Ausblick, ein bisschen Bilanz und auch etwas Rechtfertigung findet sich im Handelsblatt-Gastkommentar von VW-Konzernchef Herbert Diess. Sein Unternehmen müsse sich wandeln, von einer Markensammlung mit viel Ingenieurskunst bei Verbrenner-Motoren hin zu einem Digitalunternehmen, schreibt er und lobt: „In Wolfsburg wurden Hierarchien geschliffen und dezentralisiert.“ Um die Themen in der Mannschaft durchzusetzen, setze er auf das Management-Tool „Syntegration“ von Professor Fredmund Malik, erfahren wir. Und dass in einem dieser Malik-Workshops die Führungskräfte auf die Tesla-Aufholjagd eingeschworen wurden – „Mission T“. Wie in einem Zeugnis schreibt der CEO schließlich, dass er mit seiner „gelegentlich konfrontativen Art“ in seiner beruflichen Laufbahn gute Ergebnisse erzielt und viel verändert habe: „Ich habe meinen Führungsstil hinterfragt und für Wolfsburg angepasst.“ Betriebs- und Aufsichtsräte von VW dürften bei solchen Zeilen reflektieren, ob der gelegentlich Konfrontative für eine Vertragsverlängerung reif ist oder eher nicht. Vielleicht hätte Diess es mit André Malraux halten sollen: „Mit der Macht kann man nicht flirten. Man muss sie heiraten.

    Einen „rentenpolitischen Irrweg“ sieht Professor Bert Rürup, Chef des Handelsblatt Research Institute. In einem ausführlichen „Chefökonom“-Beitrag in der aktuellen Ausgabe zerfleddert er das Reformpapier einiger junger CDU-Abgeordneter, die auf eine „Erwerbstätigenversicherung“ sinnen. Die Idee ist, dass von 2030 an Beamte, Selbstständige und Politiker unter 30 in die gesetzliche Rentenversicherung integriert werden. Rürup sieht jedoch verfassungsrechtliche Hürden sowie in der Übergangsphase hohe Kosten für die jeweiligen Arbeitgeber. Die verbreitete Vorstellung, die Einbeziehung von Beamten helfe bei den künftigen Rentenproblemen, sei „nicht mehr als eine gern bemühte Mogelpackung“. Vernünftig findet der frühere Chef der Wirtschaftsweisen immerhin die Idee der CDU-Jungtürken, die gesetzliche Rente durch ein obligatorisches kapitalgedecktes Rentensystem zu ergänzen. In einen solchen Rentenfonds sollten, so das Papier, 2,5 Prozent des Bruttolohns sowie öffentliche Zuschüsse fließen.

    Quelle: AFP
    Der Whats-App-Messenger
    (Foto: AFP)

    Volle Datentransparenz gibt es in China – und so wird dort beim überall eingesetzten Kommunikationsmittel „WeChat“ blitzschnell entschieden, ob der Nutzer einen neuen Kredit bekommt.Paradiesische Zustände, könnte die Schufa denken, Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei. Nach Informationen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ plant sie, Verbraucher künftig anhand ihrer Kontoauszüge zu bewerten; die Nutzer müssten dafür ihre Erlaubnis geben. Ein erster Praxistest läuft: „Check Now“ richtet sich an jene Problemgruppe unter den 68 Millionen Menschen, die bei der Schufa registriert sind, die einen schlechten „Score“ aufweist. Eine Schufa-Vertriebsleiterin erklärte offenbar einigen Sparkassenvertretern, Datenschutzhürden seien leicht zu überwinden, indem man Kunden die Ängste nehme: „Ihr Verbraucher wird sich da durchklicken, weil die Leute sind faul und bequem. Die haben keinen Bock auf sowas.“

    Kurz vor Schluss eine Mitteilung in eigener Sache. Seit 33 Monaten hat Sven Afhüppe freitags regelmäßig den Weckdienst beim Morning Briefing geleistet. Nun will er sich neuen Aufgaben widmen, übergibt sein Chefredakteursamt an Sebastian Matthes und verlässt die Handelsblatt Media Group im Dezember. Eine letzte Nachricht von ihm gibt es: „Das Schreiben des Morning Briefings hat mir in den vergangenen Jahren viel Freude bereitet. Der Newsletter hat sich zu einer besonderen Plattform des Dialogs mit den Leserinnen und Lesern des Handelsblatts entwickelt. Ich danke Ihnen für den kritischen Austausch, die freundschaftliche Unterstützung und das langjährige Vertrauen. Ihr Sven Afhüppe.“

    Quelle: dpa
    Königin Elisabeth II. und Prinz Philip am Hochzeitstag

    Und dann ist da noch Queen Elizabeth II., seit unglaublichen 68 Jahren im Amt. Sie gebietet nicht nur über ihre vielen Untertanen, sondern auch über ein privates Investment-Portfolio im Wert von knapp 540 Millionen Pfund. Bei dieser Aufgabe hilft ihr Stanhope Capital – eine Finanzfirma, die nun mit FWM Holdings fusioniert, der Muttergesellschaft hinter dem Trust der amerikanischen Verlegerfamilie Forbes. Somit entsteht einer der größten unabhängigen Vermögensverwalter.

    Keith Bloomfield, CEO des Forbes-Trust, spricht von einem guten Timing, dass man angesichts der vielen Unsicherheiten in der Welt nun besser Kunden finde, die Rat suchten. Durch die neue Liaison vergrößern sich die Anlagechancen der Queen, die ein jährliches Kapitaleinkommen von rund 23 Millionen Pfund meldet. Stanhope verwaltet zum Beispiel das Herzogtum von Lancaster mit großen Ländereien zum persönlichen Nutzen der Königin.

    Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende, vielleicht mit ausgedehnten Spaziergängen über Ländereien in Ihrer Gegend.

    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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