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Morning Briefing Die deutsche Tech-Revolution

12.02.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

in dieses Wochenende wollen wir mit Hoffnung. Mit Dopamin gegen deutsche Erstarrungsreden. Der Blick richtet sich auf die neuen und kommenden „Einhörner“, auf Start-ups mit Milliardenbewertung aus deutschen Landen. Viele haben mit Science-Tech zu tun, mit der Kreuzung aus Wissenschaft und Internet. Viele kommen aus München, wo das Zusammenspiel zwischen Universität, Konzernen, Jungunternehmern, Kapital und auch Politik auffallend gut funktioniert. Klar, noch gibt es 276 Einhörner in den USA, 271 in Asien und erst 65 in Europa. Aber was sich da gerade ändert, hat ein Handelsblatt-Team für unseren großen Wochenendreport recherchiert.

Quelle: Foreal
In Deutschland drängen zahlreiche Tech-Einhörner auf den Markt.
(Foto: Foreal)

In einer Zeit, in der sich digitale Monopole wie Google mit einem ganzen Land wie Australien anlegen oder aber einen ambitionierten deutschen Gesundheitsminister als Informations-Zuspieler für ihre Suchabfrage einspannen, eröffnet sich auch eine ganz andere Perspektive. Die des neuen Wettbewerbs. Es gibt also eine Menge Namen zu merken. Celonis, LeanIX, Contentful für Firmen-Software. Personio und Choco für Mittelstandsservice. Sennder und Forto für Logistik. Lilium und Tier für neue Mobilität. Mambu, Trade Republic und Smava für Fintechs. AboutYou, Gorillas und Flink, Infarm für Konsumentendienste. Im Interview lobt US-Investor Harry Nelis von der Firma Accel: „Deutschland hat ein großartiges Bildungssystem. 2004 gab es neben SAP hier fast keine spannende Softwarefirma. Jetzt hat Deutschland plötzlich sehr viele interessante Tech-Start-ups – vielleicht mehr als jedes andere Land in Europa.“

Einen noch weiteren Blick in die Zukunft wirft Volkmar Denner. Er singt das hohe Lied auf die Quantentechnologie. In einem sehr lesenswerten Gastkommentar beschreibt der Chef von Bosch das künftige Wirken von Quantensensoren, die Diagnosen von Parkinson, Alzheimer und Epilepsie „auf eine neue Stufe heben können – genauer, einfacher und nicht zuletzt kostengünstiger denn je“. Das funktioniere, weil die neuen Supersensoren ohne Kühlung auskommen. Denner: „Noch ist ihr Aufbau in den Labors von Bosch größer als ein Laptop, daraus wird eine Leiterplatte werden – und im Zuge der Miniaturisierung vielleicht ein Chip.“ Damit unsere Grundlagenforschung nicht – wie oft geschehen – in Asien und Amerika zu innovativen Produkten führt, nicht aber in Europa, rät der Manager zu Vernetzung und Industriepolitik. „Wenn Spinnen vereint weben, könne sie einen Löwen fesseln“, lehrt ein äthiopisches Sprichwort.

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    Quelle: unbekannt
    Ein Schattenmann namens „Corinna Müller”. Der Brite Henry O’Sullivan gilt als schillernder Strippenzieher vieler Wirecard-Deals und Vertrauter von Jan Marsalek.
    (Foto: unbekannt)

    Im Betrugsfall Wirecard wandelt sich die Rolle der Wirtschaftsprüfer von EY. Sie sind nun nicht mehr Trottel, die von all den Bilanzmanipulationen nichts mitbekommen haben, sondern vielmehr Warner, die sich aus Angst vor Schadensersatzprozessen mit dem Vorstand einlullen ließen. Jedenfalls liegt uns das Protokoll einer Aufsichtsratssitzung vom 1. März 2019 vor. Hier heißt es unverblümt, dass die EY-Leute „an der Integrität des Managements zweifelten“. Sie hatten anonym ein dickes Info-Paket über Betrug in Singapur und Indien erhalten und forderten nun Zugang zu den Mails von Asienvorstand Jan Marsalek. Der soll mit seinem Geschäftsfreund Henry O’Sullivan hohe Summen aus dem Konzern herausmanövriert haben. Doch am 24. April testierte EY den Geschäftsbericht ohne Einschränkung – 14 Monate später war die Firma pleite und die Prüffirma ihren guten Ruf los.

    Interessant ist auch, wie Bonvivant O’Sullivan bei allen möglichen anzüglichen Deals von Wirecard mitspielte und wie er für Schriftverkehr und dergleichen intern auf Tarnung bestand: Er war dann auf einmal „Frau Corinna Müller“. Dieses Fräuleinwunder allerdings ist dem Finanzunternehmen, das sich bis in den Dax hochgaukelte, schlecht bekommen. So erstand Wirecard 2015 die indische Firmengruppe Hermes für 326 Millionen Euro von einem auf Mauritius geführten dubiosen Fonds, der dafür Monate zuvor nur 35 Millionen gezahlt hatte. Frau Müller alias O’Sullivan gilt als die Schlüsselperson im Hintergrund.

    Die aktuelle politische Großwetterlage ist durch einige Vorgänge geprägt, die auch in den nächsten Tagen nachwirken. Österreichs Finanzminister Gernot Blümel steht unter Korruptionsverdacht, weil er Gelder vom Glücksspielkonzern Novomatic erhalten haben soll und musste die Haustür für eine Polizeirazzia öffnen. China hat dem britischen Sender BBC News World wegen unbotmäßiger Berichterstattung – etwa zu den Konflikten rund um Hongkong und die Uiguren – die Sendelizenz entzogen. Frankreich will nationale Kurzstreckenflüge verbieten, wenn eine Zugalternative von höchstens zweieinhalb Stunden existiert.

    Und Europas einstiger oberster Notenbanker Mario Draghi kann heute in Italien als Ministerpräsident eine neue Regierung vorstellen, nachdem die Fünf-Sterne-Bewegung doch mitmachen will.

    Quelle: AP
    Der Jazzpianist Chick Corea ist im Alter von 79 Jahren an einer seltenen Krebserkrankung gestorben.
    (Foto: AP)

    Mein Kulturtipp zum Wochenende ist eine alte Nummer, 1973 erschienen, und doch so eindrucksvoll, dass man sie gerne noch einmal hört beim Lesen all der Nachrufe auf den Jazzpianisten Chick Corea, der im Alter von 79 Jahren an einer seltenen Krebserkrankung starb. Gut, es hat Debatten und sogar Auftrittsverbote für den bekennenden Scientologen gegeben, aber die Musik, die er schuf, setzte Standards. Zum Beispiel eben mit „Light as a Feather“, das zu Recht als eines der besten Jazzalben gilt, was auch an den Mitmusikanten Stanley Clarke, Joe Farrell, Airto Moreira und Flora Purim liegt. Das Album endet mit einem flirrenden „Spain“, das dem spanischen Komponisten Joaquin Rodrigo alle Ehre macht.

    Kommissionen oder Räte leben von Vielfalt, aber im Bayerischen Ethikrat hat Christoph Lütge nach Meinung der Verantwortlichen die falsche Vielfalt offenbart. Die Staatsregierung hat den Wirtschaftsethik-Professor der TU München entlassen. Lütge hat die Lockdown-Regeln kritisiert und vor „vielen Kollateralschäden“ gewarnt, etwa weil die Behandlung anderer gefährlicher Krankheiten aus dem Blick gerate. Eine No-Covid-Kampagne sei „völlig illusorisch“.

    Im Bayerischen Rundfunk verwies Lütge auf das Durchschnittsalter von 84 Jahren der Corona-Toten: „Da stirbt man an Corona oder an etwas anderem, so ist es nun mal. Menschen sterben.“ Bayerns Staatskanzleichef Florian Herrmann hatte zuletzt von einer „verstörenden“ Einzelmeinung gesprochen, die häufig den Beifall ausgewiesener Corona-Leugner provoziere.

    Und dann ist da noch Bahn-Chef Richard Lutz, unter dessen Ägide viele wirtschaftliche Kennzahlen um einiges schlechter wurden. 2021 liegen die Nettoschulden beispielsweise auf alpinen Höhen von 36 Milliarden Euro. Nur die Pünktlichkeitsziffer stieg in den Corona-Monaten der leeren Züge. Sei’s drum: Sein Vertrag soll um fünf Jahre verlängert werden, das Ende der Tätigkeit wäre dann 2027 erreicht. Auch die Vorstände Ronald Pofalla, zuständig für Infrastruktur, und Berthold Huber, zuständig für Personenverkehr, sollen weiter im Amt bleiben. Für Pofalla, der in diesem Jahr 62 wird, bedeutet das drei weitere Jahre bis zur Altersgrenze. Das „Manager Magazin“ hatte gemeinerweise von „Beutezug“ geschrieben.

    Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende in jenem „Schnee-Chaos“, das man Winter nennt.
    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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