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Morning Briefing Die Extremisten in der Polizei

17.09.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

eher als Leisetreter bei der Aufklärung von politischen Polizeimissständen ist Bundesinnenminister Horst Seehofer aufgefallen. So wehrte er sich gegen eine Studie über Rassismus und „racial profiling“ bei den Ordnungskräften: Das sei ein Generalverdacht und „zum Teil auch Verunglimpfung“. Eine allgemeine Untersuchung über Rechtsextremismus im Öffentlichen Dienst wurde verschoben.

Wie schlimm es dort teilweise wirklich steht, machen Razzien in Nordrhein-Westfalen deutlich. Dort wurden danach erst einmal 29 Polizistinnen und Polizisten suspendiert. Es war klar geworden, dass sie über ihre Handys allerlei Obskuranten-Zeug ausgetauscht haben: Bilder von Hitler, Hakenkreuzen, Reichskriegsflaggen oder einem Flüchtling in der Gaskammer. Innenminister Herbert Reul von der CDU zeigt sich fassungslos und befürchtet Schlimmeres: Wir müssen damit rechnen, dass weitere Fälle hinzukommen.

Herbert Reul zeigt sich fassungslos über die Zustände bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen. Quelle: dpa
NRW-Innenminister Herbert Reul

Herbert Reul zeigt sich fassungslos über die Zustände bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen.

(Foto: dpa)

Österreich, das Land mit der goldenen k.u.k. Vergangenheit, lebt fast neurotisch davon, im Ausland wahrgenommen zu werden. Als Hinterwäldler aber will man dabei nicht gelten und so macht sich der Österreicher in diesen Tagen lustig über Donald Trump. Der US-Präsident hatte die Waldbewirtschaftung im brennenden Kalifornien gebasht und die von felix Austria gelobt, verbunden mit dem Hinweis, man lebe im Alpenstaat in „Waldstädten“, überhaupt sei es eine „Waldnation“ mit vielen „explosiven Bäumen“.

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    Wien freilich, wo jeder fünfte Österreicher lebt, ist reich gesegnet mit Stein, aber nicht mit Holz – und hat aktuell den Nachteil, dass nicht Bäume, aber Corona-Infektionsraten gewissermaßen „explodieren“. Deutschland jedenfalls hat die Hauptstadt der „Waldnation“ zum Risikogebiet erklärt. Dankbar lässt man sich angesichts der Entwicklung vom Kabarettisten Helmut Qualtinger aufklären: „Österreich ist ein Labyrinth, in dem sich jeder auskennt.“

    Wer in einem größeren Unternehmen, einem Dax-Konzern zumal, betrügen will, braucht eine größere Gruppe. Das zeigt sich nun nach unseren Informationen bei Wirecard, dem hingeschwindelten, inzwischen hingeschwundenen Finanzkonzern. Anders als bisher dargestellt, war nicht nur ein Küchenkabinett rund um CEO Markus Braun eingeweiht.

    So wussten beispielsweise 250 Mitarbeiter dank des „Payment & Risk Monthly Reporting“, dass es die Firma in den ersten neun Monaten 2019 nur auf ein Transaktionsvolumen von 61,3 Milliarden Euro brachte – und nicht auf doppelt so viel, wie Doktor Braun verkündete. Und natürlich will auch ein Aufsichtsrat wie der österreichische Politikersohn Stefan Klestil in zehn Jahren von Ungereimtheiten nichts mitbekommen haben, wie er nun anlässlich seines Ausscheidens erklärt. Zeitungen wie die „Financial Times“ liest man in diesen Kreisen ja offenbar nicht. Die Pinocchio-Nasen in den Gängen von Wirecard hat bisher noch keiner genau gezählt.

    Weil Wirecard zeitweise zu den vorgeblichen Juwelen der Deutschen Börse gehört hat, wird nun über eine Generalüberholung des Deutschen Aktienindex (Dax) geredet. CEO Theodor Weimer hatte bereits früher eine Aufstockung der bisher 30 Titel empfohlen – sogar von 50 Unternehmen war die Rede. Nun dürfte es zu einer moderaten Erhöhung auf 35 bis 40 kommen. Und es geht um neue Kriterien wie Gewinnentwicklung und gute Unternehmensführung, die besonders von Bankmanagern und Investoren aufgestellt werden, wie wir berichten. Eine Chance dafür bietet sich im Arbeitskreis Aktienindizes, der Ende September zusammentritt. So rasch wie möglich will die deutsche Börsenelite den Eindruck eliminieren, der Leitindex sei nur ein Tummelplatz für windige Aufsteiger einerseits und für Dino-Helden der alten Deutschland AG andererseits. Jetzt Artikel lesen...

    Der Ex-Bahn-Chef zieht im Handelsblatt-Interview vom Leder. Quelle: dpa
    Rüdiger Grube

    Der Ex-Bahn-Chef zieht im Handelsblatt-Interview vom Leder.

    (Foto: dpa)

    Zu den Streitbaren im Land gehört Ex-Bahn-Chef Rüdiger Grube. Als Multi-Aufsichtsrat hat der Mann, der in der Jugend auf dem Obstbauernhof der Mutter bei Hamburg arbeitete, neues Wirtschaftsglück gefunden. Er sitzt bei Hamburger Hafen und Logistik, Vossloh, Bombardier und Herrenknecht. Im Handelsblatt-Gespräch mit meinen Kollegen Tanja Kewes und Dieter Fockenbrock zieht er vom Leder.

    Über die Folgen aus dem Wirecard-Skandal sagt der 69-Jährige: „Wenn kriminelle Energie vorliegt, können Sie als Aufsichtsrat nur begrenzt etwas tun, außer wenn Sie Verdachtsmomente haben. Deshalb bin ich zunehmend davon überzeugt, dass der Aufsichtsratsvorsitzende Einsicht in die Vorstandsprotokolle erhalten soll.“

    Grube fordert weitreichende Reformen: Es sollte künftig nicht mehr möglich sein, dass ein Ex-Vorstandsvorsitzender der neue Aufsichtsratschef seines früheren Unternehmens wird. Auch nicht nach einer Cooling-Off-Periode. Es braucht mehr Unabhängigkeit.

    Große Schwächen sieht er bei Unternehmen mit Staatsbeteiligung: „Es darf nicht sein, dass sich Vertreter des Bundes, sowie ich es bei der Deutschen Bahn häufig erlebt habe, bei wichtigen Fragen wie Pensionen, Gehältern und Zielerfüllungsgraden ihrer Stimme enthalten. Leider entziehen sich zum Beispiel Staatssekretäre häufig ihrer Verantwortung. Nicht umsonst hat sich gerade der Großinvestor Heinz Hermann Thiele bei der Lufthansa so dafür eingesetzt, dass der Staat unabhängige Experten in das Gremium entsendet.“ Dieses Interview dürfte sowohl in öffentlichen als auch in privaten Unternehmen häufig hektografiert beziehungsweise weitergemailt werden.

    Die Angst vor Zahlungsunfähigkeit reist mit. Quelle: Reuters
    TUI

    Die Angst vor Zahlungsunfähigkeit reist mit.

    (Foto: Reuters)

    Für den Reisekonzern Tui ist die Corona-Pandemie von Anfang an ein Geschäftsvernichtungsprogramm gewesen, der Umsatz knickte im zweiten Quartal um traurige 98,5 Prozent ein. Hier reiste die Angst vor Zahlungsunfähigkeit mit. Dagegen halfen fast drei Milliarden Euro Staatsgelder. Nun aber sollen auch die Aktionäre ran – und eine Kapitalerhöhung von bis zu einer Milliarde stemmen, wie wir erfahren haben.

    Der russische Großinvestor Alexej Mordaschow, der 24,9 Prozent der Aktien hält, hat zugestimmt und will bis zu 300 Millionen beisteuern. Womöglich würde seine Beteiligung dann über den Grenzwert von 30 Prozent klettern, worauf ein Kaufangebot an die übrigen Aktionäre folgen müsste. Auf die anstehende Finanzaktion hat CEO Fritz Joussen die Anteilseigner schon vor Wochen hingewiesen: „Wir müssen an der Bilanz etwas machen.“

    Mit der Zukunft des Standorts Deutschland beschäftigt sich ein Innovation Board, das das Handelsblatt gegründet hat. Dort sind bekannte Persönlichkeiten wie die Gründerin Verena Pausder, Microsoft-Deutschlandchefin Sabine Bendiek oder Investor Klaus Hommels von Lakestar vertreten. „Deutschland, das Land der Dichter und Denker, braucht eine Kultur, die Innovationen nicht nur möglich, sondern auch erfolgreich macht“, sagt Chefredakteur Sven Afhüppe. Und Handelsblatt-Geschäftsführerin Andrea Wasmuth nennt „female entrepreneurship“ als zentrales Thema. Mit dem Innovation Board solle sich der derzeitige Zustand ändern, dass nur vier Prozent der Start-ups von Frauen gegründet werden.

    Vier Prozent? Da kam die Weconomy am gestrigen Mittwoch in Berlin bei ihrem jährlichen Start-up-Wettbewerb auf eine ganz andere Quote: 90 Prozent. Bei der von der Wissensfabrik, UnternehmerTUM in München und dem Handelsblatt getragenen Gründerinitiative präsentierten fast nur Unternehmerinnen.

    Unter den zehn Auserwählten sind die Yuri GmbH von Maria Birlem für Experimente in der Schwerelosigkeit, die Firma von Sabrina Hellstern für Körperunterstützungssysteme für Chirurgen im OP-Saal oder die Unternehmung LiGenium von Angela Grimmer, die auf den Werkstoff Holz in der Logistik setzt. Mein Eindruck nach acht Stunden: Viel Schwung, wenig Angst, null Eitelkeit.

    Noch immer ist die 1960 gegründete Pop-Band ein Umsatzbringer. Quelle: dpa
    Die Beatles

    Noch immer ist die 1960 gegründete Pop-Band ein Umsatzbringer.

    (Foto: dpa)

    Und dann sind da noch die Beatles, als „Fab Four“ gerühmtes Ensemble des Popwesens, die 50 Jahre nach ihrem Verschwinden auf sich aufmerksam machen. Zwar leben nur noch zwei der vier Bandmitglieder, aber passend zu einer für den August 2021 angesetzten Filmdokumentation erscheint dann auch ein offizielles Buch über die Entstehung des letzten Albums: „The Beatles: Get Back“ und zwar in der Beatles-Firma Apple Corps.

    Zu sehen sind viele bisher unbekannte Fotos, unter anderem von Linda McCartney aufgenommen. Und wieder wird man davon lesen, wie George Harrison genervt einfach eine Session verließ oder John Lennon von „Hölle“ sprach. Das Werk könnte auch „The Beatles: Pay Back“ heißen – noch immer ist die 1960 gegründete, am Schluss zerstrittene Gruppe ein Umsatzbringer.
    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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