Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Die Frühgeburt des Olaf Scholz

11.08.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

auf die SPD ist Verlass. Sie versteht es konstant, ihren Nachrichtenmarktanteil weit über ihren Wähleranteil zu liften. Und schon immer, wenn sie einen Kanzlerkandidaten gefunden hat – wie jetzt als Frühgeburt des Jahres mit Olaf Scholz –, setzt sie „auf Sieg“. Vier Dinge sind diesmal bemerkenswert.

  • Der intern als konservativ geltende Vizekanzler, die wandelnde Personifizierung der „Groko“, ordnet sich zwei SPD-Chefs unter, die Scholz bei der Mitgliederbefragung geschlagen und die der Partei einen Linksschwenk verordnet haben.
  • Symptomatisch, dass die wochenlange Geheimhaltung der Spitzenpersonalie intern bereits als Riesenerfolg gilt – schon am 7. Juli hatten sich die Parteigranden in der Berliner Brasserie „Le Bon Mori“ auf Scholz festgelegt.
  • Der neue Kanzlerkandidat ist bei den Wählern ungleich beliebter als in der eigenen Partei, die jedoch nach etlichen Traumata als „Dornröschen im Schlaf“ mobilisiert werden muss.
  • Der Wirecard-Skandal wird noch zum Flagellanten-Event für Finanzminister Scholz, so wie jede Sitzung der schwarz-roten Koalition fortan unter Wahlkampfverdacht steht.

„Scholz war weit und breit der Einzige, der infrage kam“, sagt uns Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Stimmt. Richtig ist aber auch, dass die 25,7 Prozent, die Steinbrück 2013 holte, heute für die SPD reine Fantasie sind.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen
    Quelle: dpa
    Libanons Premierminister Hassan Diab hat nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut offiziell den Rücktritt seiner Regierung erklärt.

    Die Welt ist in diesen Tagen geprägt von Aufständen, die mal zu Revolutionen werden und mal nicht. Am weitesten gedeiht der Wandel im Libanon, wo Ministerpräsident Hassan Diab mit seinem ganzen Kabinett zurücktrat. Der Politiker verabschiedet sich sechs Tage nach den Hafen-Explosionen mit der Erkenntnis, die Korruption sei größer als der Libanon. Außenminister Heiko Maas will am morgigen Mittwoch in das Krisenland reisen, eine Geste der moralischen Ermutigung für Reformen. An den verworrenen innenpolitischen Verhältnissen wird die Maas-Expedition ebenso wenig etwas ändern wie an der Zentralrolle der schiitischen Hisbollah, die eng mit dem Iran verbandelt ist.

    Im Autokraten-Staat Belarus des Alexander Lukaschenko laufen die Proteste nach dem offenkundigen Wahlbetrug zwar weiter, einen Umsturz aber verhindert die Macht der Gewehre und Wasserwerfer. Überall im Land wurden wieder Demonstranten festgenommen, allein in Minsk waren 20.000 auf der Straße. Nicht in der wütenden Menge befindet sich die Oppositionskandidatin und mutmaßliche Wahlsiegerin Swetlana Tichanowskaja: Sie fürchtet eine Verhaftung. UN-Generalsekretär António Guterres rief die Behörden in Belarus zur Zurückhaltung auf – und von der EU wartet man noch auf ein klares Wort, wann die fälligen Anti-Lukaschenko-Sanktionen reaktiviert werden.

    Ganz unter der Gewalt der Volksrepublik China ist die einstige Kronkolonie Hongkong – dank des vor Wochen verabschiedeten neuen Sicherheitsgesetzes. Offene Rechnungen nach den gewaltreichen Tumulten werden nun beglichen. So wurden mit dem Medienunternehmer Jimmy Lai, der die Zeitung „Apple Daily“ herausgibt, und der Aktivistin Agnes Chow zwei Galionsfiguren der Protestbewegung festgenommen. Ihnen werden Absprachen mit „ausländischen Mächten“ vorgeworfen, die Führung in Peking sieht in Lai sogar einen „anti-chinesischen Hetzer“. Brüssel, Washington und London verurteilen die Festnahmen scharf, was aber noch nicht einmal zu einer Fußnote in Hongkongs Geschichte von Freiheit und Unfreiheit langen wird.

    Grafik

    Knietief im wirtschaftlichen Morast befinden sich derzeit kleine und mittelständische Autozulieferer in Europa. Schon in der Vergangenheit türmten sich wegen des Strukturwandels der Branche hohe Schulden auf, dann kam Corona. Egal, ob Adient, Pirelli, Schaeffler oder Leoni – die Last der Verbindlichkeiten ist enorm. Weitere Probleme folgen, wenn demnächst die Ratingagentur Moody’s die Branche einem Check unterwirft. Am stärksten gefährdet seien Zulieferer aus den Bereichen Antrieb, Dämpfung und Getriebe, sagt Berater Thibault Pucken – er rechnet im schlimmsten Fall mit bis zu 120 Pleiten.

    Vater Staat als Patron in Unternehmen – diese Story ist in Corona-Zeiten noch lange nicht an ihr Ende gekommen. Tatsächlich prüft die Bundesregierung nach der Teilverstaatlichung der Lufthansa über ihren Wirtschaftsstabilisierungsfonds den Einstieg in etliche weitere Firmen. „14 Unternehmen haben bereits ausdrücklich Bedarf an einer Rekapitalisierung gezeigt“, antwortete Wirtschaftsstaatssekretär Ulrich Nußbaum auf eine Anfrage der Grünen-Politikerin Katharina Dröge. Die Namen sind noch unbekannt. Der Ruf nach Staatshilfe zeige „einmal mehr den Ernst der Lage“, sagt uns Expertin Dröge: „Wenn es um direkte Staatsbeteiligungen geht, muss aber klar sein, dass es sich dabei um Rettungsbeteiligungen handelt und nicht um ein dauerhaftes Portfolio für Minister Altmaier.“

    Womit wir beim Wirtschaftsminister wären, dem in unserer aktuellen Ausgabe ein Gastkommentar von einem seiner Vorgänger gewidmet wird. Von Rainer Brüderle hat man lange Zeit sehr wenig gehört, aber nun hat ihn Peter Altmaier zu einem Verriss inspiriert, ohne auch nur einmal dessen Namen zu erwähnen. Gebraucht werde ein Mann, der als „Leuchtturm der Sozialen Marktwirtschaft“ agiert, doch „leider irrlichtert der aktuelle Bundeswirtschaftsminister mehr durch den dornigen Rosengarten sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik“, rupft der FDP-Politiker. Er wirft ihm Überagieren beim Aufräumen in der Fleischindustrie, Schweigen zur Grundrente und mangelnde Unterstützung der „sparsamen Fünf“ in Europa vor. Brüderles wenig brüderliches Fazit: „Leider hat der derzeitige Wirtschaftsminister mit seiner misslungenen Industriestrategie schon gezeigt, dass seine Empathie für den Mittelstand wenig ausgeprägt ist.“

    Quelle: AP
    McDonald’s verklagt Ex-CEO Steve Easterbrook.
    (Foto: AP)

    Und dann ist da noch Steve Easterbrook, im November 2019 geschasster CEO des Fast-Food-Konzerns McDonald’s. Damals ging es um eine dubiose „einvernehmliche Beziehung“ mit einer Mitarbeiterin. Nun aber verklagt die Firma ihren einstigen Vorstandschef und untermauert dies mit deftigen Vorwürfen. Demnach habe Easterbrook unabhängig von der bekannten Beziehung mit drei weiteren Mitarbeiterinnen sexuelle Verhältnisse gehabt – so etwas hatte der Ex-CEO strikt geleugnet. Als Beweismittel dienen delikate Fotos und Videos mit den Gespielinnen, die der McDonald’s-Casanova von seinem beruflichen E-Mail-Konto auf sein persönliches Konto transferierte. Der Arbeitgeber fordert nun 40 Millionen Dollar Abfindung zurück. Wir erinnern uns zum Schluss an Marlene Dietrich: „In den USA ist Sex eine Obsession, im Rest der Welt ist es ein Faktum.“ Jetzt Artikel lesen...

    Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Tag.

    Herzliche Grüße

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

    Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

    Morning Briefing: Alexa
    Startseite
    0 Kommentare zu "Morning Briefing : Die Frühgeburt des Olaf Scholz"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%