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Morning Briefing Die GroKo redet wieder mit sich selbst

09.12.2019 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

nach den schrillen Kriegspfadgesängen der SPD-Indianer breitet sich nun vorweihnachtliche Marzipanstimmung über der Szenerie aus. Erleichtert über die ausgefallene Revolution auf dem SPD-Parteitag ist man sich in der Großen Koalition einig, noch vor Weihnachten im Koalitionsausschuss menschliche Wärme erzeugen zu wollen. Man hat so viel Abträgliches übereinander erzählt, dass man sich erst einmal kennenlernen möchte. Die Union macht sich dabei in den nächsten Tagen an die Aufgabe, zu ergründen, wo wohl die Häuptlinge der Rothäute sitzen. Bei der neuen Parteiführung, die beim On-the-Job-Training zu bewundern ist? Beim intern sehr respektierten Fraktionschef? Oder doch bei der sozialdemokratischen Ministerriege mit Vizekanzler Olaf Scholz in der Rolle des Ritters von der traurigen Gestalt?

Quelle: dpa
CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hält das von der SPD geforderte Investitionsprogramm für das Kommunistisches Manifest.

Die CDU-Vorsitzende mit dem Klarnamen Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich offenbar entschlossen, das GroKo-Chaos als Panzerführerin AKK zu überstehen. Sie erinnert sich derzeit nicht einmal an die Revisionsklausel im Koalitionsvertrag, die sie vor ein paar Monaten selbst öffentlich erwähnt hat. Ein klassischer Fall temporärer politischer Amnesie. Ihre größte Leistung bleibt, mit dem Rückzug von der CDU-Spitze gedroht zu haben. Das vom BDI, den Gewerkschaften und den neuen SPD-Chefs ausgelobte Investitionsprogramm über mehrere hundert Milliarden Euro scheint AKK jedoch für das Kommunistische Manifest zu halten. „Ich verstehe nicht, wie man sich ökonomisch und politisch so einbetonieren kann“, wundert sich Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, im Handelsblatt. Wir wundern uns mit und denken an einen alten Kalauer: Kommt Zeit, kommt Ratlosigkeit.

Der Spross einer Gütersloher Waschmaschinendynastie will Gründerklima und Digitalisierung in Deutschland fördern, hofft auf einen „Greta-Moment“ und plant für den 17. Dezember eine kleine Revolte. An diesem Tag will Christian Miele, Partner beim Risikoinvestor Eventures, zusammen mit hochkarätigen Mitstreitern bei den Vorstandswahlen des Bundesverbands Deutsche Start-ups die Chefrolle übernehmen. Der bisherige Verband habe alles ein bisschen thematisiert, „es fehlte an einem klaren Profil“, sagt er im Handelsblatt-Gespräch. Man sei „an einem Punkt angekommen, an dem wir uns einfach besser organisieren müssen als Branche – auch und gerade gegenüber der Politik“. In solchen Fällen hilft eine einfache Erkenntnis des Philosophen Heraklit: „Die Sonne scheint jeden Tag neu.“

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    Mit einer Rarität beschäftigt sich unser Anlagen-Teil, nämlich mit Astralis, der weltbesten Mannschaft im Computerkampfspiel „Counter Strike: Global Offensive“. Die Firma geht heute als erste Vertreterin des E-Sports an die Börse. Das Listing erfolgt in Kopenhagen, wo sich die Akteure umgerechnet bis zu 20 Millionen Euro erhoffen. Da Astralis mit kaum 20 Mitarbeitern noch sehr klein ist, lässt die Summe aufhorchen. Die Zielgruppe – männlich, technikbegeistert, jung – ist für klassische Werbung schwer zu erreichen, dafür interessieren sich viele Sponsoren für das Genre. Auch Astralis hofft, mit dieser Erlösform aus den Verlusten herauszukommen.

    Goldman Sachs ist jene sagenumwobene Bank für die großen Mergers und Vermögen, die immer auch gut ist für die große Politik. Jetzt will das Institut aus Manhattan zudem die Bank fürs kleine Geld werden – Digitalisierung macht es möglich. Die Vermögensverwaltungsfirma United Capital, von der Wall-Street-Macht im Mai gekauft, will im kommenden Jahr einen Robo-Advisor starten, vollautomatisierte Geldberatung für Anlagesummen ab womöglich 5000 Dollar im Jahr. Goldman Sachs ist schon seit 2016 über die Tochtergesellschaft Marcus im Massengeschäft tätig und bietet Otto Normalverbrauchern Sparkonten und Kredite an. Kleinvieh macht auch Mist.

    Quelle: AP
    In der Ukraine haben die Menschen Angst, dass sich ihr Präsident Wolodimir Selenski sich von den anderen Regierungschefs über den Tisch ziehen lässt.
    (Foto: AP)

    2014 konferierten anlässlich des Jahrestags der Alliierten-Invasion 1944 die Staats- und Regierungschefs von Russland, Ukraine, Deutschland und Frankreich an der französischen Atlantikküste. Seither umweht ein gewisser Mythos das „Normandie-Format“. Heute tritt in Paris, das nicht in der Normandie liegt, ein Quartett zusammen, das sich im Ostukraine-Konflikt sehr weit voneinander entfernt hat: Wladimir Putin, Wolodimir Selenski, Emmanuel Macron und Angela Merkel. Besonders in Kiew und Donezk ist die Angst groß, der bisherige TV-Komödiant Selenski könne sich bei dieser Konferenz von den Großkalibern über den Tisch ziehen lassen. Man kann das verstehen. Wenn Polit-Bespöttler Harald Schmidt nicht mehr auf dem „Traumschiff“ im ZDF, sondern im Bundestag zu sehen wäre, würden wir uns auch Sorgen machen.

    Als „Akt des Terrorismus“ stuft das FBI eine Mord-Attacke in Pensacola, Florida, ein. Dort hatte ein Mitglied der saudi-arabischen Luftwaffe am Freitag in einer Ausbildungsschule der US-Marine drei Menschen getötet und acht verletzt. Der Täter wurde von einem Polizisten erschossen. Die Ermittler prüfen nun, ob irgendeine Ideologie und eine Helfergruppe eine Rolle gespielt haben könnten. Viele Politiker fordern die Saudis unterdessen zu besserer Kooperation auf und lassen sich auch durch ein Telefonat Donald Trumps mit König Salman nicht beruhigen. Fernmündlich hatte sich der Saudi-Monarch sehr verärgert über die „barbarischen“ Aktionen gezeigt.

    Und dann ist da noch der Süßwaren-Primus Haribo, dessen Gummibärchen offenbar ein Opfer der Schweinepest werden. Da die Fruchtgummi-Klassiker großteils aus Gelatine bestehen, die wiederum aus Schweinegewebe hergestellt wird, steigen nachfragebedingt in der Produktion die Preise, warnt die bei Essen und Trinken gewöhnlich gut informierte „Lebensmittel Zeitung“. Die Afrikanische Schweinepest habe die Schweine-Population in China dezimiert, weshalb Chinesen nun verstärkt als Käufer von Schweinefleisch auf den Weltmärkten auftreten. Das treibt also letztendlich – ein Lehrstück der Globalisierung – auch die Kosten der deutschen Gummibärchen in die Höhe.

    Ich wünsche Ihnen einen versüßten und besinnlichen Start in diese Adventswoche. Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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