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Morning Briefing Die Humor-Reden des Aschermittwoch

17.02.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

wenn Sie noch nichts von den „tollen Tagen“ des Faschings gemerkt haben sollten, werden Ihnen heute, wie gewohnt, Augen und Ohren geöffnet. Die Republik ergötzt sich an den ober- und untergärigen Frechheiten des „Politischen Aschermittwochs“, immer im Wettbewerb mit Franz Josef Strauß selig. Der setzte den bildungsbürgerlich-krawalligen Ton und verglich 1977 etwa die SPD mit Kolumbus: „Auch er hat nicht gewusst, woher er kam, er hat nicht gewusst, wohin er fuhr, als er ankam, hat er nicht gewusst, wo er war, als er nicht zurückkam, konnte er nicht sagen, wo er gewesen war.“

Dieses Jahr streamen die Parteien live aus ihren Arenen, die CSU mit dem amtlich geprüften obersten Strauß-Fan Markus Söder aus Passau. Der könnte beispielsweise darüber reden, dass die Grünen den Arbeitern ihr Häuschen im Tessin oder vielleicht auch nur den Schweinsbraten in der Kantine wegnehmen wollen.

Wir werden also heute wieder wie bei einem guten „Drum-Battle“ im Jazz miterleben, wie die Linken mehr oder weniger zeitgleich, ebenfalls aus Passau, über die bayerische Corona-Abwehr räsonieren. Oder wie sich die SPD in Vilshofen – am Stammtisch mit Olaf Scholz und lokalen Größen – Wort für Wort der Kanzlerschaft nähert. Aus Berlin und München senden die Grünen mit Parteichefin Annalena Baerbock ihre Karnevalismen und die FDP delegiert in München den unerschrockenen Parteichef Christian Lindner in die Bütt.

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    Wenn es weder deftig noch lustig sein sollte, kramen Sie einfach das Büchlein mit Karl Valentin hervor: „Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.“ Dieser Universalhumorkleber passt so gut zur Politik wie zur Wirtschaft oder zum DFB.

    Quelle: Reuters
    Die großen US-Tech-Konzerne werden in Deutschland genau beobachtet.

    Macht hat in der modernen Welt, wer über Daten und Kapital verfügt. Das sind die Fäden des Perpetuum Mobiles, an dem die Globalisierung hängt. Da Daten auch neues Kapital sind, erklärt sich, warum „Gafam“ – Google, Apple, Facebook, Amazon, Microsoft – ein Fünftel des Börsenwertes der bei S&P 500 versammelten größten US-Konzerne ausmacht. Ziemlich viel fatale Größe also. Es gebe gute Gründe, Amazon, Google und Facebook im Kartellrecht als marktbeherrschende Unternehmen einzustufen, sagt Professor Jürgen Kühling, Chef der Monopolkommission, im Handelsblatt-Interview. Bei Wettbewerbsverstößen drohen dann harte Sanktionen.

    Die Grenzen der Macht würden die US-Plattformen am liebsten selbst ziehen, die schönste Regulierung aus Sicht eines CEO ist nun mal die Selbstregulierung. In der Realität aber werden vermehrt der Staat und Gerichte bemüht – so wie jüngst, als das Münchener Landgericht aus Kartellbedenken Google und dem Bund einen Pakt beim nationalen Gesundheitsportal untersagte. Und auch der soziale Unfriede durch „Social Media“ in den USA zeigt, dass hier Pandora die Büchse geöffnet hat. Noch einmal der oberste deutsche Monopolkommissar Kühling: „Der auch über soziale Medien angestachelte Sturm auf das Kapitol in Washington sollte für uns ein Fanal sein, unsere Rechtsordnung jetzt wetterfest zu machen.“

    Quelle: dpa
    Der Beiersdorf-Chef Stefan De Loecker will einen Kulturwandel herbeiführen.

    Die Börsianer sind noch umwölkt von den zuletzt guten Zahlen des Kosmetikkonzerns L’Oréal. Das lag auch am hohen Digitalumsatzanteil von 26,6 Prozent. Alles schön und gut – aber auch eine Story, die den deutschen Rivalen Beiersdorf madig macht. Und so hat in Hamburg nun CEO Stefan De Loecker den Totalumbau des Nivea-Konzerns verfügt, der 2020 knapp sechs Prozent Umsatz verloren hat.

    Auf dem Spielplan stehen Investitionen und Kulturwandel. De Loecker wird daran gemessen werden, wie schnell er das Digitalgeschäft aufbaut und wie gut seine Neu-Vorstände sind, heißt es im Handelsblatt-Report. Astrid Hermann übernimmt von CFO Dessi Temperley das Finanzressort, für Forschungschefin May Shana’a kommt Anfang März Gitta Neufang. Was die Raupe Ende der Welt nennt, nennt der unter Druck geratene De Loecker nun frohgemut Schmetterling.

    PR-Kunst ist, einen Flop wie einen Befreiungsschlag aussehen zu lassen. Und wer will nicht frei sein, wenn es um „ikonische Sportmarken“ geht, wie Adidas-CEO Kasper Rorsted seinen Haushelden mit den drei Streifen Adidas sowie Reebok nennt, dieses Findelkind aus den USA im Herzogenauracher Imperium. Es soll bald verkauft werden. Wenn schon „Ikone“, fragt man sich, warum Reebok in 15 Jahren nicht reüssierte und warum Rorsted bei seinem vorgezogenen Frühjahrsputz wahrscheinlich nur rund eine Milliarde Euro bekommen wird und bei weitem nicht jene drei Milliarden, die die Sache einst gekostet hat. Weitere Fragen bitte an Ex-CEO Herbert Hainer, c/o FC Bayern München, Aufsichtsrat.

    Am Donnerstag verleihen wir zum 8. Mal die Handelsblatt Energy Awards – diesmal mit einer feierlichen digitalen Gala. Mit Wirtschaftsstaatssekretär Andreas Feicht und der künftigen Eon-Vorständin Victoria Ossadnik reden wir über die Trends in der Energiebranche – und dann kommen die zwölf Nominierten in den Kategorien Industrie, Mobilität, Start-up und Smart City. Wenn Sie die Energy Awards live erleben und danach mitdiskutieren wollen, melden Sie sich bitte über diesen Link an.

    Geld stammt aus sauberen oder unsauberen Geschäften und kann just dafür wieder eingesetzt werden. Es gilt die römische Begründung für eine Latrinensteuer: „Pecunia non olet“. So ähnlich dürfte auch der Pharma-Erbe Antonis Schwarz denken, der den Grünen die bisher größte Einzelspende in ihrer Geschichte zukommen ließ: 500.000 Euro.

    Der in München aufgewachsene Milliardär hat die Guerrilla Foundation gegründet, die „Aktivisten und soziale Graswurzelbewegungen“ unterstützt. Als Fundus steht dem Erben ein beträchtliches Vermögen zur Verfügung: Allein der Verkauf der Schwarz Pharma AG aus Monheim an den belgischen Rivalen UCB im Jahr 2006 soll der Gründerfamilie rund 1,4 Milliarden Euro gebracht haben.

    Quelle: AFP
    Der chinesische Technologiekonzern Xiaomi verstärkt seinen Fokus auf Deutschland und Europa.
    (Foto: AFP)

    Japanische, aber auch chinesische Firmen lieben den Standort Düsseldorf. Jetzt liefert der Smartphone-Hersteller Xiaomi den nächsten Beweis: Die Chinesen wollen ihre Europazentrale in der NRW-Landeshauptstadt mit mehreren Hundert Mitarbeitern errichten, kündigt Deutschlandchef Alan Chen Li im Handelsblatt an. Für den Standort spräche die zentrale Lage. Insgesamt kommt Xiaomi auf dem deutschen Markt für Smartphones mit zehn Prozent Verkaufsanteil hinter Samsung und Apple auf den dritten Rang.

    Der Konzern stieß nun in die Lücken, die Amerikas Anti-Huawei-Kampagne riss. Allerdings hatte das US-Verteidigungsministerium noch zu Donald Trumps Zeiten verkündet, es handele sich bei Xiaomi um eine „kommunistisch-chinesische Militärfirma“. Den CEO lassen solche Vorwürfe kalt. Ihn motiviert, dass sein Unternehmen weltweit die Nummer eins bei smarten Fitnessbändern sowie bei E-Scootern ist.

    Und dann ist da noch der Hamburger SV, den sie den „Bundesliga-Dino“ nennen, weil er immer dabei war in der obersten Fußball-Spielklasse – bis zum bitteren Abstieg 2018. Hartgesottene Fans werden weich wie Buttermakrelen, wenn sie an 1983 denken, als der Klub europäischer Champion wurde. Mittlerweile agiert der HSV an der Spitze der Zweiten Liga, alles schön, wenn es nur nicht wieder richtig ruckeln würde.
    Das komplette Präsidium rund um Präsident Marcell Jansen ist tatsächlich zurückgetreten, also auch sein Vize und der Schatzmeister. Alle sind so sehr miteinander zerstritten, dass sich mancher nach den Weisheiten von „Uns Uwe“ sehnt, nach dem Idol Uwe Seeler: „Ich bin dafür, jetzt mit der Relation erstmal im Dorf zu bleiben.“

    Ich wünsche Ihnen einen entspannten Tag, an dem Sie die Kirche und sonst was erst mal im Dorf lassen.
    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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