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Morning Briefing Die Impfkraft aus Mainz

22.12.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

geht es um Covid, hat man fast immer die Wahl, mit dem Chaos oder mit der Hoffnung zu beginnen. Weil der Weihnachtsmann bald im Kamin herunterrutscht und Chris Rea trotz allem „Driving home for Christmas“ singt, an diesem Morgen also das Positive zuerst. Da ist beispielsweise President-elect Joe Biden, der vor laufender TV-Kamera das ewige „Allzeit-Bereit“-Pfadfindermotto variiert, „Ich bin bereit!“ sagt und sich dann live impfen lässt, alles zur Nachahmung empfohlen.

Quelle: Reuters
Joe Biden variiert vor laufender TV-Kamera das ewige „Allzeit-Bereit“-Pfadfindermotto und sagt: „Ich bin bereit!“

Und da ist am anderen Ende der Vakzin-Verwertungskette Ugur Sahin, Chef von Biontech in Mainz, dessen Sars-CoV-2-Präparat am Montag von der EU-Arzneimittelbehörde Ema genehmigt wurde. Im April könne Deutschland durch Impf-Kampagnen eine Reduktion der stationären Behandlungen in Krankenhäusern erreichen und im Spätsommer dann eine Immunisierung der Bevölkerung, sagt der Pandemie-Pionier. Schon in den nächsten Tagen will er das mutierte britische Coronavirus untersuchen.

Weil es so schön ist, an dieser Stelle Erich Kästners Gedicht über den unsicheren Verbleib des Positiven aus dem Jahr 1930: „Und immer wieder schickt ihr mir Briefe / in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt / Herr Kästner, wo bleibt das Positive? / Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt.“

So sind wir also in der Abteilung „Chaos“ angelangt. Zu sehen sind teuflische Lkw-Schlangen vor und in Dover – Frankreich hat aus Angst vor dem mutierten Virus sogar den Frachtverkehr gestoppt. Britische Supermarktketten befürchten, bestimmte Obst- und Gemüsesorten könnten bald knapp werden. Einreiseverbote für Reisende von der Insel gibt es ohnehin in den meisten EU-Ländern. Neun Tage vor dem von ihm betriebenen Brexit fordert Premier Boris Johnson die EU auf, den unterbrochenen Warenverkehr wieder flott zu machen. Nach einem Telefonat mit Präsident Emmanuel Macron in Paris gab er sich hoffnungsvoll, „das Problem so schnell wie möglich zu lösen“. Vor den ökonomischen Folgen der Blockade warnt Ifo-Chef Clemens Fuest im Handelsblatt: „Die Symbolwirkung der Abschottung zum jetzigen Zeitpunkt könnte deutlicher nicht sein, auch wenn sie durch die Pandemie bedingt ist.“

Im deutschen Kabelnetz liegt Tele Columbus weit hinter Marktführer Vodafone, hat aber große Pläne. Bis 2030 sollen knapp zwei Milliarden Euro in Netzinfrastruktur und Glasfaserausbau fließen, was der eigenen Marke namens Pyur dienen soll. Da dieses Projekt die eigenen Möglichkeiten aber bei weitem übersteigt, übernimmt das US-Finanzinstitut Morgan Stanley kurzerhand über ihren Infrastrukturfonds die börsennotierte Firma und erhöht anschließend das Kapital. Im Zuge der Aktivitäten wird Tele Columbus immerhin mit gut 1,8 Milliarden Euro bewertet. Auch die United Internet AG von Ralph Dommermuth bleibt beteiligt und will an der Kapitalerhöhung in Höhe von 475 Millionen Euro mit bis zu 190 Millionen dabei sein.

Chinas Finanzsystem wird zunehmend durch hohe Schulden, Kreditausfälle sowie durch eine Immobilienblase geprägtdas sind die Resultate einer breiten Analyse unserer Korrespondentin Dana Heide.

  • Seit Oktober haben drei namhafte Konzerne Anleihen nicht zurückgezahlt: Huachen, Muttergesellschaft des BMW-Partners Brilliance, das staatseigene Bergbauunternehmen Yongcheng sowie der Chiphersteller Tsinghua Unigroup, der von Pekings Vorzeige-Universität Tsinghua unterstützt wird.
  • Nach Berechnungen der Ratingagentur Fitch liegt der Rekordausfall von Anleihen der Staatskonzerne in den ersten zehn Monaten 2020 bei fünf Milliarden Euro.
  • Der in der Coronakrise weiter gestiegene Schuldenstand lokaler Regierungen und der Verbraucher sowie der ausgeuferte Schattenbankenmarkt und das aufgeblähte Immobiliengeschäft machen den Aufsehern Sorgen.
  • Die Schuldenquote von Haushalten, Firmen und Staatsverbindlichkeiten liegt bereits bei 272 Prozent.

Die alarmierte Regierung sinnt auf Maßnahmen gegen die drohende Schieflage. Die steigenden Immobilienpreise haben Staatspräsident und Parteichef Xi Jinping immer wieder zur Mahnung veranlasst, Häuser seien zum Wohnen da, und nicht, um damit zu spekulieren. Aufseher Guo Shuqing von der Regulierungsbehörde CBIRC warnt: „Seit dem letzten Jahrhundert standen von mehr als 130 Finanzkrisen in der Welt mehr als 100 im Zusammenhang mit Immobilien.“

Quelle: dpa
Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny hat einen Scoop gelandet.

Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny hat einen Scoop gelandet – indem er einfach die Tricks seiner Gegner im russischen Geheimdienst FSB selbst anwandte. Der derzeit an einem geheimen deutschen Ort lebende Politiker gab in einem Telefonat mit dem Agenten Konstantin Kudryavtsev unter falscher Identität an, der Nationale Sicherheitsrat habe ihn mit der Untersuchung beauftragt, was bei der versuchten Vergiftung Nawalnys im sibirischen Tomsk schiefgelaufen sei. Die Antworten in dem aufgezeichneten Gespräch sind entlarvend: Danach habe der FSB das Nervengift Nowitschok in der Unterhose des Opfers platziert.

Der FSB spricht von „Fake“, fabriziert von einem westlichen Geheimdienst. Staatspräsident Wladimir Putin hatte jüngst bestätigt, einige FSB-Spione hätten den Politiker über Jahre hinweg beobachtet – dementiert den Mordversuch jedoch strikt: Wenn dies der Plan Russlands gewesen wäre, dann wäre Nawalny nicht mehr am Leben.

Der Gastronom und Winzer Fritz Keller, ist noch nicht sehr lange Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Er muss nun aber, wie früher im Stadion „Rote Erde“ üblich, fürs Gewinnen tief grätschen. Sein Gegner: Generalsekretär Friedrich Curtius, seit Jahren gefürchtete Schreibtisch-Eminenz des DFB – er hat die Amateure hinter sich. Die beiden verlieren sich in einem Machtkampf.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet nun, am 23. März habe sich der ehrenamtlich dienende Präsident unbefugterweise in eine interne Telefonkonferenz von Curtius mit der DFB-Mitarbeitervertretung eingewählt und dort über Kurzarbeit mitdebattiert. Kurz darauf habe Keller im kleinen Kreis erzählt, er habe das Ganze mitgeschnitten, was er später jedoch bestritt. Eine Selbstanzeige Kellers wurde wohl vom damaligen DFB-Ethik-Chef Thomas Oppermann, dem inzwischen verstorbenen SPD-Politiker, rasch zurückgewiesen, ohne dass die Ethik-Kommission offiziell betraut wurde. Diese Causa ist noch um einiges konfuser als der aktuelle Spielstil der Nationalmannschaft – die letzten Endes übrigens das Geld für diesen Intrigantenstadl verdienen muss.

Und dann ist da noch die Currywurst von VW, eine Art Schmankerl in Sachen Betriebsfrieden, seit 1973 im Sortiment des Autokonzerns. Mit Ausbruch der Pandemie gab es den Kantinen-Knüller jedoch nur noch dienstags, da die Mitarbeiter das Genuss-Objekt stets mit einer überstrapazierten Grillzange aus der Warmhaltewanne nehmen mussten. Der Betriebsrat griff für die Schwerarbeiter in Halle 54 eifrig in die Gewürzmischung: Wer täglich Hunderte VW-Golf-Autos zusammensetze, der brauche Energie, meldete er sich. Das Argument überzeugte. Jetzt gibt es die VW-Currywurst wieder täglich, gereicht vom Fachpersonal. 30 Mitarbeiter in der konzerneigenen Schlachterei freuen sich, vermutlich im Verbund mit dem Feinschmeckermagazin „Falstaff“, das den kulinarischen Hit aus Wolfsburg schon mehrmals lobte. VW-Kritiker halten sich an die Shakespeare-Figur Sir John Falstaff: „Der braucht einen langen Löffel, der mit dem Teufel isst.“

Ich wünsche Ihnen einen – auch kulinarisch – angeregten Tag.

Es grüßt Sie recht herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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