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Morning Briefing Die Katastrophe von Beirut

05.08.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

an die Bilder aus dem früheren Bürgerkrieg im Libanon erinnert das, was vor wenigen Stunden aus der Hauptstadt Beirut über die Screens der Welt flackerte. Zwei gewaltige Explosionen im Hafengebiet, mindestens 78 Tote, Tausende Verletzte. Sofort gab es Mutmaßungen über die Ursache. Es könnte sich um schon „vor Jahren konfisziertes Sprengmaterial“ handeln, das in einer Halle explodierte, erklärt der Generalleutnant der libanesischen Armee. Angeblich handelt es sich um Ammoniumnitrat. Von einem Unfall in einem „gefährlichen Lagerhaus“ geht auch Premierminister Hassan Diab aus: „Die Verantwortlichen werden den Preis für dieses Desaster zahlen.“

Die Katastrophe trifft das Land in schwerer Wirtschaftslage und politischer Krise. In kaum einem Bericht fehlt der Hinweis, dass am Freitag ein Sondergericht in Den Haag über das tödliche Attentat 2005 auf den sunnitischen Ex-Ministerpräsidenten Rafik Hariri urteilt. Angeklagt, aber nicht anwesend, sind vier Mitglieder der schiitischen Hisbollah-Miliz. Staaten wie die USA oder Deutschland boten sofort Hilfe an.

Quelle: AP
Jim Farley wird im Oktober neuer CEO des US-Autobauers Ford.
(Foto: AP)

Nichts symbolisiert die wachsenden Unsicherheiten im globalen Autogeschäft besser als häufige Chefwechsel. Auffällig wird dabei jene Firma, die früh durch extreme Rationalisierung und Fließband-Optimierung bekannt wurde. Damals sprach man vom „Fordismus“. Nun jedoch feuert Ford in Detroit nach nur drei Jahren schon wieder den Chef: Auf den 65-jährigen Jim Hackett folgt im Oktober der sieben Jahre jüngere Jim Farley. Der Neue sei „durch und durch ein Automann“, lobhudelt Aufsichtsratschef Bill Ford. Die Problemlast hat der scheidende CEO jüngst immerhin durch eine Kooperation mit Volkswagen bei elektrischen und selbstfahrenden Autos etwas gemildert. Man muss sich jetzt eigentlich nur noch an Altmeister Henry Ford halten: „Nicht mit Erfindungen, sondern mit Verbesserungen macht man Vermögen.“

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    Auch im europäischen Automarkt bleibt kein Stein auf dem anderen – eine Folge von Handelskriegen, Wettbewerbsdruck durch Elektrifizierung und Corona. Sichtbares Zeichen: Die Überschussproduktion in Europa liegt mittlerweile bei fast sieben Millionen Fahrzeugen, die Auslastung in den Fabriken bricht 2020 von 83 auf 63 Prozent ein. Was das im Einzelnen bedeutet, zeichnen wir in unserer Titelgeschichte nach. So verkauft Daimler seine Smart-Kleinwagenfabrik im französischen Hambach, hinterfragt die Pkw-Montage in Brasilien und prüft die Kapazitäten beim finnischen Auftragsfertiger Valmet. Oder: Renault macht ein Werk südlich von Paris dicht, der japanische Autobauer Mitsubishi zieht sich wohl total aus Europa zurück. Soviel Wandel war nie, was die deutsche Autoverbandspräsidentin Hildegard Müller so umschreibt: „Ein Großteil der Unternehmen befindet sich unter einem enormen Anpassungs- und Innovationsdruck.“

    Wer schreibt in Deutschland eigentlich Gesetze? Diese Frage stellt sich aktuell, nachdem Ermittler im Cum-Ex-Steuerskandal eine Razzia beim Bundesverband deutscher Banken in Berlin durchzogen. Die Strafverfolger treibt der Verdacht um, beschuldigte Cum-Ex-Größen hätten über den Verband quasi an einem Gesetz mitgeschrieben, mit dem sie ihre schmutzigen Deals weiter abschließen konnten. Denn das Ende 2006 beschlossene Regelwerk verbot diese Geschäfte nur im Inland, erlaubte sie aber im Ausland, woraufhin mehr als 130 Banken sich genau diesem Metier widmeten. Am Schaden für den Steuerzahler änderte sich nichts. In einem Bonner Strafprozess erzählte ein Zeuge, wie Formulierungen von Cum-Ex-Steueranwälten über den Bankenverband in die Finanzpolitik wanderten – ganze Absätze seien „Eins zu Eins und ohne, dass ein Komma geändert wurde, ins Gesetz gegossen worden“.

    Quelle: Reuters
    Clemens Tönnies investierte wie andere vermögende Privatpersonen einst in Cum-Ex-Produkte.

    Recht spät, 2011, hat auch Großschlachter Clemens Tönnies von Cum-Ex profitieren wollen und investierte eine Million Euro in einen entsprechenden Fonds, den die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin vermögenden Anlegern verkaufte. Doch dann spielte der Fiskus eben nicht mehr mit und die Investoren stritten eher unfein mit dem feinen Geldhaus. Tönnies hat jetzt in seinem Prozess vor dem Schweizer Bundesgericht Recht bekommen: Die Bank wurde wegen Falschberatung zu Schadenersatz verurteilt und muss knapp 900.000 Euro zuzüglich Zinsen zahlen. Für Tönnies ist dies nach den Covid-Fällen im eigenen Betrieb und der Entmachtung beim FC Schalke 04 mal eine erfreuliche Nachricht.

    Es fällt ins Auge, wie sehr sich neuerdings Staaten mit global tätigen Konzernen anlegen. So hat nun Frankreich die amerikanische Großbank Morgan Stanley, die einen japanischen Großaktionär hat, vom lukrativen Handel mit französischen Staatsanleihen auf dem Primärmarkt ausgeschlossen. Es handelt sich um eine Strafaktion, weil Morgan Stanley nach Erkenntnissen der Börsenaufsicht vor fünf Jahren den Kurs der Staatstitel manipuliert habe. Die Bank hat dafür im Dezember 2019 bereits eine Geldbuße von 20 Millionen Euro bezahlt. „Geld ist wie Dung“, befand Öl-Tycoon Jean Paul Getty, „man muss es streuen oder es stinkt.“

    In Großbritannien wiederum wagt die Steuerbehörde die Konfrontation mit dem zuletzt defizitären US-Konzern General Electric (GE). Sie erhebt Betrugsvorwürfe und fordert eine Milliarde Dollar Steuerrückzahlungen. Das ist ein Novum und könnte stilprägend sein. Es geht um einen Steuerabzug für Transaktionen, den die GE-Experten 2005 nach sechs Monaten Verhandlungen mit dem britischen Fiskus herausschlugen. Die Briten glaubten der Darstellung, dass damit ein Deal in Australien finanziert worden sei. Inzwischen ist jedoch klar, dass GE in vier Tagen fast vier Milliarden Dollar zwischen eigenen Konzernteilen in den USA, Luxemburg, Großbritannien und Australien steuermindernd jonglierte. Wenn die Sache in einem Jahr vor Gericht kommt, wird auch die Wirtschaftsprüferfirma PwC vertreten sein. Denn dahin ist das seinerzeit aktive globale Steuerteam von GE gewechselt.

    Quelle: Reuters
    Nach den Plänen der Deutschen Fußball-Liga sollen ab September wieder Zuschauer in den Stadien sein.

    Und dann sind da noch die 36 Klubs der Deutschen Fußball Liga (DFL), die die neue Saison im September nicht in leeren Stadien beginnen wollen. Man einigte sich deshalb auf ein Konzept, das zu Beginn den Verzicht auf Stehplätze, auswärtige Fans und Alkohol vorsieht sowie personalisierte Online-Tickets. Was wie eine kluge Antwort auf Corona wirkt, weist dennoch eine offene Flanke auf: die derzeit stark steigenden Infektionszahlen. Darunter könnte die Akzeptanz des „Macht-die-Stadien-auf“-Plans bei örtlichen Gesundheitsbehörden leiden, aber auch das zuvor so erfolgreiche Lobbying in der Politik, das vor Monaten zur Vervollkommnung der Saison 2019/20 geführt hat. Bislang liegen die Reaktionen der Vertreter der Parteien auf die DFL-Ideen irgendwo zwischen stumm und zögerlich. Vielleicht sagen sie sich: Vertrauensvorschuss ist gut, Risikokontrolle ist besser.

    Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag.

    Herzliche Grüße

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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