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Morning Briefing Die Krankenakte Donald Trump

05.10.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

streiten wir über die ausbleibenden Steuererklärungen des US-Präsidenten? Über seine Steuerpolitik, die vor allem Reiche reicher gemacht hat? Oder über den Neo-Merkantilismus seiner Clan-Regierung, die als Kollateralschaden die Verlangsamung der Weltwirtschaft in Kauf nimmt? Nein, wir reden darüber, ob dem an Covid-19 erkrankten Donald Trump vielleicht keinmal, einmal oder zweimal Sauerstoff zugesetzt wurde. Dass er Remdesivir bekommt, wie hoch sein Fieber ist, welches Foto gestellt ist und warum Trump ausbüxt, um Fans zuzuwinken. Bulletins ersetzen Regierungserklärungen. Und sollte der mutmaßliche Superspreader heute das Krankenhaus wieder mit dem Weißen Haus tauschen, wird er seine Botschaft in die Welt setzen: „Ich schaffe das, wir schaffen das. Wir bezwingen das Virus.“ Natürlich kann so einer, das ist der Subtext, auch einen Konkurrenten schlagen, der in den Umfragen aktuell 14 Punkte vorn liegt. Ob Joe Biden seine Coronatests vorlegt, ist in einer Realityshow von ähnlicher Gähn-Qualität wie seine Steuererklärung, die er auch veröffentlicht hat.

Quelle: AFP
Sollte der mutmaßliche Superspreader Donald Trump heute das Krankenhaus wieder mit dem Weißen Haus tauschen, wird er seine Botschaft in die Welt setzen: „Ich schaffe das, wir schaffen das. Wir bezwingen das Virus.“
(Foto: AFP)

Trumps Entourage macht aus einem großspurigen Dauerbrenner „Make America Great Again“ einfach das Gaga-Kürzel „MAGA“ und ruft eine „Operation MAGA“ aus. Unter diesem Motto sollen statt des Präsidenten nun sein Vize Mike Pence sowie die Söhne Donald Jr. und Eric Wahlkampfauftritte übernehmen. Beim planmäßigen TV-Duell mit der demokratischen Vize-Kandidatin Kamala Harris in Salt Lake City am Mittwoch wird Pence die Trumponomics vermutlich noch engagierter als bisher erklären. Persönliche Präsidenten-Gigs sind bis auf Weiteres zwar abgesagt, die Termine für die zwei ausstehenden TV-Duelle mit Joe Biden am 15. und 22. Oktober (Ortszeit) stehen aber noch. Und natürlich gibt es auch noch Twitter, für Trumps ganz individuelles „MAGA“.

Das Brexit-Problem ist die schwärende Wunde der EU-Politik. Heute schwören sich der Brüsseler Chefunterhändler Michel Barnier und Kanzlerin Angela Merkel in Berlin auf eine Linie gegen Boris Johnson ein, den Quertreiber aus London. Für die deutschen Unternehmen ist die Sache jetzt schon klar: Die Mehrheit von ihnen hat sich nach einer Handelsblatt-Umfrage auf das schlimmste Szenario vorbereitet und glaubt, das Vereinigte Königreich werde die EU ohne einen neuen Vertrag verlassen. Dann würde der einst enge EU-Partner herabgestuft auf einen Ökonomiekontakt nach dem Status der Welthandelsorganisation WTO. Zölle und Handelshürden wären die Folge. Vor allem auf der Insel droht Chaos. Ifo-Chef Clemens Fuest, der in Oxford studiert hat, verliert in dieser Frage seinen früheren Optimismus: „Die Folgen der Trennung werden gravierend sein und uns noch lange beschäftigen.“

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    Quelle: dpa
    Die Pandemie habe gezeigt, dass eine Politik der freien Märkte nicht alle Bedürfnisse der Menschen befriedigen könne, wetterte Papst Franziskus in seiner neuen Enzyklika „Fratelli Tutti“.

    Als Kapitalismuskritiker ist erneut Papst Franziskus aufgefallen. Wieder verdammte er die derzeit in den USA so beliebte „Trickle-down-Ökonomie“, wonach vom Reichtum der oberen Schichten auch die Ärmsten profitierten. „Wenn man einem Pferd genug Hafer gibt, wird auch etwas auf die Straße fallen, um die Spatzen zu füttern“, beschrieb der liberale Ökonom John Kenneth Galbraith diesen Ansatz. Die Pandemie habe gezeigt, dass eine Politik der freien Märkte nicht alle Bedürfnisse der Menschen befriedigen könne, wetterte der Pontifex in seiner neuen Enzyklika „Fratelli Tutti“, also „Alle Brüder“. Die Hoffnung auf „Trickle-down“ löse nicht das Problem der Ungleichheit, das zu neuen Formen der Gewalt führe. Franziskus schreibt, als habe er das deutsche Grundgesetz gelesen: „Die christliche Tradition hat niemals das Recht auf Privateigentum als absolut oder unverletzlich anerkannt und vielmehr die soziale Verpflichtung betont.“

    Als Mahner vor Klimawandel und Advokat für eine langfristige Firmenpolitik spielt Larry Fink eine telegene Rolle. Doch die von ihm geleitete mächtige US-Firma Blackrock, mit 7,3 Billionen Dollar der größte Vermögensverwalter der Welt, lässt den schönen Worten wenig Taten folgen. Während Firmen wie JP Morgan oder Wellington auf Hauptversammlungen spürbar deutlicher als früher Pro-Umwelt-Resolutionen unterstützten, blieben Finks Vertreter handzahm. Sie unterstützen in den zwölf Monaten bis Juni nur sechs Prozent der Öko-Initiativen, ein Jahr vorher waren es acht Prozent. Alles nur eine PR-Nummer? Blackrock will davon nichts wissen: Man habe gegen 55 Verantwortliche votiert und 191 Firmen auf die Beobachtungsliste gesetzt. Da fällt einem der Aphoristiker Georg Christoph Lichtenberg ein: „Er schliff immer an sich und wurde am Ende stumpf, ehe er scharf war.“

    Gut, es gab mit Karl Lagerfeld einen Deutschen in der Modewelt der Franzosen in Paris. Aber da war auch dieser Japaner, der 1964 mit 25 Jahren seine Heimat verlassen hatte, weil Design dort damals nur etwas für Frauen war. Von 1970 an sorgte seine Modefirma in der französischen Hauptstadt für Furore und Kenzo Takada nähte Stück für Stück von Hand – ein Innovator, der den Weg ebnete für Issey Miyake oder Yohji Yamamoto. Seine Marke „Kenzo“ wurde zum Erfolgsmodell der 1970er-Freiheitsjahre und der eklektizistischen 1980er-Dekade. Von 1993 an sicherte sich peu à peu der Luxuskonzern LVHM diese Trophäe. Der Gründer selbst zog sich 1999 mit 60 zurück, behielt die Namensrechte und arbeitete ein bisschen weiter, etwa an neuen Parfums. Am Sonntag ist Designer Takada im Alter von 81 Jahren in Neuilly-sur-Seine an den Folgen einer Corona-Erkrankung gestorben.

    Quelle: dpa
    Matthias Müller wird in Zürich Aufsichtsratschef der Luxus-E-Autofirma Piëch Automotive.

    Und dann ist da noch Matthias Müller, bis vor 30 Monaten Chef von Volkswagen, der nun – nicht weit weg von der alten Wirkungsstätte – wieder in der Autobranche auftaucht. Er wird in Zürich Aufsichtsratschef der Luxus-E-Autofirma Piëch Automotive, wie „Welt am Sonntag“ zuerst berichtete. Hier wirkt Co-Gründer Anton, besser „Toni“ Piëch, eines von 13 Kindern der verstorbenen VW-Legende Ferdinand Piëch, unter dem auch Müller seine Karriere machte. Man hat nun in der Schweiz mit dem geplanten Sportwagen „Mark Zero“ große Pläne, neue Manager kommen und als Mit-Financier hat sich der im Silicon Valley erprobte Peter Thiel engagiert. So zeigt sich Neu-Chefaufseher und Porsche-Alt-Chef Müller denn auch überaus begeistert von der Mission, die „konsequenter und visionärer“ als andere Vorhaben sei. Läuft sie gut, hat Porsche, der Stolz der Verwandten Piëchs, einen neuen Rivalen.

    Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche mit fesselnden neuen Projekten.
    Herzliche Grüße

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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