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Morning Briefing Die Lehren aus dem Wirecard-Skandal

04.09.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Liebe Leserinnen und Leser,

der parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Betrugsfall Wirecard kommt für Bundesfinanzminister Olaf Scholz höchst ungelegen. Der Kanzlerkandidat der SPD muss fürchten, dass ihn die Aufarbeitung des größten deutschen Börsenskandals bis weit in den Bundestagswahlkampf im kommenden Jahr beschäftigen wird. Wahrscheinlich drückt Scholz auch aus diesem Grund bei der Aufarbeitung der Affäre aufs Tempo. Auf dem Handelsblatt Banken-Gipfel kündigte Scholz an, „so schnell wie möglich“ härtere Gesetze verabschieden zu wollen:

  • „Wir müssen diese schwere Herausforderung nutzen, um unsere ganzen Aufsichtsinstrumente, aber auch die Tätigkeit von Wirtschaftsprüfern effizienter aufzustellen.“
  • „Ich halte es für dringend erforderlich, dass wir zum Beispiel die Rotation von Wirtschaftsprüfern, die in einem Unternehmen tätig sind, beschleunigen.“
  • „Wir müssen den Aufsichtsbehörden noch mehr zusätzliche und schärfere Instrumente geben.“

Die Schuldfrage im Fall Wirecard blieb auch nach dem virtuellen Gespräch mit dem Finanzminister ungeklärt. Die Rest-Aufklärung muss offenbar der Untersuchungsausschuss liefern.

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    Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
    Die Aufarbeitung des Wirecard-Skandals wird SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz bis tief in den Bundestagswahlkampf hinein beschäftigt.


    (Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

    Kritik an der Verlängerung des Kurzarbeitergeldes und der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht wiegelte der Vizekanzler entschieden ab. Die Befürchtung etlicher Ökonomen und Manager, mit diesen Maßnahmen entstünden „Zombie-Unternehmen“, nannte Scholz eine „blutleere Lehrbuchspekulation“. In einigen Monaten werden wir sehen, ob sich die Wirklichkeit so entwickelt wie in den Wunschszenarien der Regierungskoalition oder nach den Lehrbüchern. Die gute Nachricht ist, dass das Ergebnis dieser Frage noch vor der nächsten Bundestagswahl vorliegen wird.

    Bei der Frage, welche Lehren die Bundesregierung aus dem Wirecard-Skandal ziehen sollte, lohnt sich ein Blick in die Schweiz. Axel Weber, ehemaliger Bundesbankpräsident und jetziger Verwaltungsratschef der Schweizer Großbank UBS, plädiert für stärkere Kontrollrechte von Aufsichtsräten in deutschen Unternehmen. Es sei wichtig, „dass man sich ein unverzerrtes und eigenes Bild der Risiken machen kann“, wenn man ein Unternehmen kontrollieren wolle. Es nütze dem Aufsichtsratschef „gar nichts“, wenn er immer von den Berichten des Managements abhänge. In der Schweiz berichte deshalb die interne Revision nicht an das Management, sondern an den Verwaltungsrat. Mein Vorschlag an die Große Koalition lautet „copy and paste“: Diese Vorschrift kopieren und ins deutsche Aktienrecht einfügen. Fertig.

    Dass die Corona-Pandemie unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben nachhaltig verändern wird, ist bekannt. Unbekannt ist aber, dass Europa von der Krise profitieren könnte. Nach einer Umfrage im Auftrag der österreichischen Industrieansiedlungsagentur Austrian Business Agency gehen zwei Drittel der befragten europäischen Top-Manager davon aus, dass Europa durch Corona als Produktionsstandort gewinnen wird. Die Ergebnisse der Umfrage liegen dem Handelsblatt exklusiv vor. Eine schlechte Nachricht für die Globalisierung, eine gute für Europa.

    So wie die Bundesregierung plant auch Frankreich ein milliardenschweres Programm zur Linderung der Folgen durch die Coronakrise. Premierminister Jean Castex kündigte gestern ein 100-Milliarden-Euro-Paket an. Die Mittel sollen für die ökologische Wende, die Stärkung von Unternehmen und für soziale Solidarität eingesetzt werden. Castex fand ungewöhnliche Worte für das umfangreiche Programm: „Das ist ein Plan der industriellen Wiederbewaffnung Frankreichs.“

    Der Giftanschlag auf den Kreml-Kritiker Alexej Nawalny könnte sich zu einem schweren Konflikt mit Russland ausweiten. Diplomatische Konsequenzen hatte schon Kanzlerin Angela Merkel angedeutet, als sie nach dem versuchten Giftmord von „eher schwerwiegenden Fragen“ an die russische Regierung sprach. Jetzt mehren sich die Forderungen nach wirtschaftlichen Sanktionen durch den Stopp der Gaspipeline Nord Stream 2. CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen sagte: „Die einzige Sprache, die Putin versteht, ist Erdgas.“ Ökonomisch wäre ein Ende des Gasprojekts zu diesem späten Zeitpunkt wenig sinnvoll. Richtig ist aber auch, dass das Prinzip der Außenpolitik vom Wandel durch Handel im Fall Russlands gescheitert ist. Jetzt braucht es andere Antworten.

    Quelle: Katrin Binner/laif
    Unternehmer Dietmar Hopp will mit seiner Firma Curevac das Rennen um den besten Corona-Impfstoff gewinnen.


    (Foto: Katrin Binner/laif)

    Dietmar Hopp gehört zweifelsfrei zu den besonderen Unternehmerpersönlichkeiten Deutschlands. Der Multimilliardär muss mit seinen 80 Jahren niemandem mehr etwas beweisen. Die Gründung der Softwareschmiede SAP ist ebenso eine eindrucksvolle Erfolgsgeschichte wie sein Fußball-Engagement in Hoffenheim. Und jetzt scheint sich auch sein milliardenschweres Investment in mehr als ein Dutzend Biotechunternehmen auszuzahlen. Seine Tübinger Firma Curevac gilt als weltweit mitführend bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Corona. „Wir wollen das Rennen um den besten Impfstoff gewinnen“, sagt Hopp entsprechend selbstbewusst im Interview mit dem Handelsblatt. Die Forschungsarbeit von Curevac ist so gut, dass sich nicht nur die Bundesregierung an dem Biotechunternehmen beteiligt hat, sondern auch Tesla-Gründer Elon Musk sich um eine Kooperation bemüht. Von solchem Interesse können die meisten Unternehmen nur träumen.

    Hopp erklärt im Handelsblatt nicht nur, warum er an den Erfolg von Curevac glaubt. Er sagt auch schonungslos, warum Deutschland kein attraktiver Ort für Börsengänge von Biotech-Unternehmen ist.

    • „Erstens passt das deutsche Aktienrecht im Grunde nicht zu einem so risikobehafteten und kapitalintensiven Segment wie Biotech.“
    • „Es fehlt zweitens an Banken, die sich mit der Branche intensiv beschäftigen. Daher gibt es auch kaum noch Analysten, die das Geschäftsmodell der Biotech-Firmen in der Tiefe verstehen.“
    • „Und nicht zuletzt fehlt es drittens auch generell an Wagemut bei den Investoren in diesem Land.“

    Ich denke: Pflichtlektüre für alle, die Deutschland zu einem führenden Biotech-Standort machen wollen.

    Quelle: dpa
    Facebook-CEO Mark Zuckerberg weiß um die Macht der sozialen Medien im US-Wahlkampf.

    Und dann ist da noch Mark Zuckerberg. Der Facebook-Gründer weiß nicht nur um die Macht der Sozialen Medien im US-Wahlkampf, jetzt zieht er auch Konsequenzen. Eine Woche vor der Präsidentschaftswahl am 3. November will Facebook keine politischen Anzeigen mehr annehmen, verkündete Zuckerberg. Anzeigen, die vorher ausgespielt wurden, sollen aber weiterlaufen dürfen. Beiträge von Parteien, die vor der endgültigen Auszählung der Stimmen einen Sieg verkünden, sollen lediglich mit korrigierenden Hinweisen versehen werden. Mit dieser Weichspülformel bleibt die Anzeigenregulierung ein stumpfes Schwert. Zuckerberg denkt um, aber nur halbherzig.

    Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

    Herzliche Grüße,
    Ihr

    Sven Afhüppe
    Chefredakteur

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