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Morning Briefing Die Marktmacht der Digitalriesen: „Big Four“ im Verhör

29.07.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

ein seltenes Schauspiel ereignet sich am heutigen Mittwochnachmittag (Ortszeit) im Washingtoner Rayburn House Office Building, Raum 2141. Der US-Kongress befragt die virtuell dazu geschalteten „Big Four“ der Digitalwirtschaft zum Thema „Online-Plattformen und Marktmacht“: Jeff Bezos (Amazon), Tim Cook (Apple), Mark Zuckerberg (Facebook) und Sundar Pichai (Alphabet/Google).

Das Quartett muss sich zu Vorwürfen verteidigen, sie würden ihre zuletzt ins Gigantische gewachsene Marktmacht missbrauchen. Solch ein Verhör gab es zuletzt 1994, als sieben Manager von Tabakkonzernen zur Gesundheitsgefährdung ihrer Produkte Auskunft geben mussten. Diesmal sind sich Demokraten und Republikaner einig: „Big Tech is too big“. Zu einer Zerschlagung der Imperien aber wird es nicht gleich kommen.

Quelle: AFP
Vizkanzler Olaf Scholz wird heute vom Finanzausschuss zum Wirecard-Skandal verhört.
(Foto: AFP)

Unter den „Big Four“ der Wirtschaftsprüfer ist EY eine feste Größe. Der Wirecard-Bilanzskandal mit dokumentiertem Vollversagen der eigenen Prüfer hat zwar zu Imageeinbußen geführt, aber die Bundesregierung steht dennoch fest zu der Firma. Sie will bei Konzernen mit Staatsbeteiligung keine Konsequenzen aus der Minderleistung bei Wirecard ziehen, recherchierten meine Kollegen. Bei der Deutschen Telekom darf EY von 2021 an sogar ein neues Prüfmandat annehmen, bei Lufthansa und Commerzbank sitzt sie schon drin.

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    Finanzminister Olaf Scholz von der SPD sei „gut beraten, wenn er die Prüfungsmandate von EY bei den Staatsunternehmen kritisch hinterfragt“, sagt FDP-Fraktionsvize Michael Theurer. Auch diese Frage ist Stoff für die heutige Sitzung des Finanzausschusses.

    Jahrzehntelang rang die deutsche Politik, namentlich die Union, um den Status der Republik als Einwanderungsland. Und dann das: Im März trat endlich das „Fachkräfteeinwanderungsgesetz“ in Kraft – und wurde von Corona sofort relativiert.

    • Im ersten Halbjahr wurden nur 30.117 Arbeitsvisa an Nicht-EU-Ausländer erteilt, Tiefpunkt seit 2015.
    • Auch aus den EU-Ländern sind zuletzt gut ausgebildete Arbeitnehmer in geringerer Zahl gekommen.
    • Die Baisse verschärft den Fachkräftemangel, vor allem auf dem Bau, im Handwerk und im Gesundheitssystem gibt es Vakanzen.

    Auch in der Pflege ist Corona ein Blocker für dringend erforderliche Zuwanderung. Thomas Greiner, Präsident des Arbeitgeberverbands Pflege: „Wir gehen davon aus, dass wir jährlich 30.000 Pflegefachkräfte aus dem Ausland holen müssen.“

    Quelle: dpa
    Der Leiter des deutschen Robert Koch-Instituts (RKI), Lother Wieler, warnt vor einem Anstieg der Corona-Infektionszahlen in Deutschland.

    Wochenlang war Lothar Wieler vom Bildschirm verschwunden, jetzt haben ihn steigende Corona-Zahlen zurück vor die Kamera gebracht. „Wir sind mitten in einer sich rasch entwickelnden Pandemie“, sagt der Chef des Robert-Koch-Instituts, er mache sich „große Sorgen“. Das liegt an einer neuen Sorglosigkeit im Inland und an der Heimkehr von Urlaubern aus Hotspot-Gebieten.

    Die Strategie: Bloß keinen neuen Lockdown, wie er sich in Belgien abzeichnet. Eine aktuelle deutsche Problemregion ist Dingolfing-Landau in Niederbayern, deren Bewohner nun am besten mit aktuellem Covid-Test woanders Urlaub machen. Ein bayerisches Beherbergungsverbot für Infizierte, wie es Ministerpräsident Markus Söder von der CSU nach einem Ausbruch in Gütersloh durchgesetzt hatte, war übrigens vom bayerischen Verwaltungsgerichtshof als „nicht verhältnismäßig“ gekippt worden.

    Beim einst berühmten US-Fotokonzern Kodak wundert man sich, dass es ihn überhaupt noch gibt. Man wähnte ihn vom Phänomen Digitalisierung vollends dahingerafft, ein frühes Opfer der „Disruption“. Doch gestern explodierte der Aktienkurs an der Wall Street auf einmal von 2,65 auf 8,01 Dollar.

    Der Grund: Eastman Kodak erhält aus dem erstmals 1950 im Koreakrieg auferlegten „Defense Production Act“ der USA einen Staatskredit von 765 Millionen Dollar. Damit soll die Firma Stoffe für Anti-Covid-Arzneien herstellen – womöglich eine neue Lebensader für den Veteran der amerikanischen Wirtschaft. Auf das Pharma-Feld hat sich Kodak schon vor vier Jahren begeben. Mit Nietzsche glauben wir: „Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden Bach des Lebens.“

    Tony Douglas, Chef der Airline Etihad der Vereinigten Arabischen Emirate, liebt nicht nur Flugzeuge, sondern auch Fußball. So tat er jedenfalls vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS. Das fulminante Sponsoring von mehr als 220 Millionen Pfund für den Klub Manchester City, von Etihad zusammen mit der staatlichen Emiratischen Gesellschaft für Telekommunikation Etisalat über drei Jahre vollzogen, sei seine genuine unternehmerische Entscheidung gewesen, beteuerte Douglas. Da entschied dann CAS gegen den Verband Uefa, der aufgrund interner Mails zu ganz anderen Schlüssen gekommen war und den britischen Klub für zwei Jahre für internationale Wettbewerbe gesperrt hatte.

    Nach der Papierlage hatte der arabische Man-City-Eigner Scheich Mansour bin Zayed al-Nahyan über den trickreichen Umweg Sponsoring bewusst die Uefa-Regeln des Financial Fairplay (FFP) umschifft. Am Ende blieb eine Strafe von zehn Millionen, weil Man City nicht mit der Uefa kooperiert habe.

    Quelle: Reuters
    In seiner Freizeit legt der CEO von Goldman Sachs unter dem Namen DJ D-Sol Platten auf.

    Und dann ist da noch DJ D-Sol alias David Solomon, auch als Chef von Goldman Sachs bekannt. Er war jetzt einer der Stars auf einer Party mit 2000 Gästen in Southampton auf Long Island, wofür bis zu 25.000 Dollar Eintritt fällig waren. Auf einer großen Wiese hatten die Autos der Fans, die meist der New Yorker Finanzszene entstammten, ihren abgezirkelten Bereich.

    Während Solomon von wunderschönen Bildern beim Sonnenuntergang schwärmte, empörte sich Andrew Cuomo, Gouverneur von New York, weil Hunderte vor der Bühne oder zwischen den Autos ohne Maske getanzt hatten: „Wir haben keine Toleranz für illegale und rücksichtslose Gefährdung der öffentlichen Gesundheit.“ Vom großen Versuch des DJ D-Sol, sich gegenseitig vor Covid-19 zu schützen und doch das Leben zu genießen, bleibt erst einmal eine amtliche Untersuchung der Vorgänge.

    Ich wünsche Ihnen einen vergnüglichen Tag. Es grüßt Sie herzlich. Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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