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Morning Briefing Die neue „atypische“ Frauenfrage

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

angesichts einer aktuellen Arbeitsmarktstatistik fühlt man sich an Yoko Onos Zeile „Woman is the Nigger of the World“ erinnert. Tatsächlich sind unter den 7,7 Millionen „atypisch Beschäftigten“ (maximal 20 Wochenstunden, Minijobber, Zeitarbeiter, befristet Beschäftigte) in Deutschland derzeit 68,8 Prozent Frauen, wie das Handelsblatt ausführt. Die Zahl der Vollzeit arbeitenden Frauen ist zwischen 1997 und 2017 sogar um 5,3 Prozent gesunken. Um das „Women is the Nigger of the World“-Bild abzurunden: Die Bundesregierung teilt ferner auf Anfrage einer Linken-Parlamentarierin mit, dass Ende 2017 Männer im Mittel 3372 Euro brutto im Monat verdient haben. Das übersteigt die Einkünfte der Frauen um erstaunliche 452 Euro. „Equal Pay“ ist derzeit eine Heißluftnummer, die gut klingt.

Quelle: AFP
Die EU und China wollen ihre Zusammenarbeit sowohl bilateral als auch weltweit erheblich intensivieren.
(Foto: AFP)

Beim großen Treffen in Paris haben die Vertreter der EU und Chinas Staatspräsident Xi Jinping gepflegt, also stilvoll, aneinander vorbeigeredet. Sprachen Emmanuel Macron und Angela Merkel vom anzustrebenden „Gleichgewicht“, antwortete der Gast: „Wir brauchen positive Energien, kein Misstrauen.“ Forderten die Europäer offene chinesische Märkte sowie „strategisches Vertrauen“, setzte Xi allen Erdlingen um ihn herum mit Metaphorik zu: „Vom Eiffelturm hat man den besten Blick über Paris, auch wir müssen an Höhe gewinnen, um unsere Beziehungen voranzubringen.“ Die europäische Souveränität macht Fortschritte, resümiert Thomas Hanke in unserer Titelstory.

Als gute Nachricht aus Straßburg werden viele Deutsche das Ende der Zeitumstellung betrachten. Vielen ist es zu mühsam, so wie am nächsten Wochenende zu rätseln, ob jetzt die Uhr wieder eine Stunde vor oder zurückgestellt wird (für den Sommer eine Stunde vor). Das Europäische Parlament hat nun den Weg ab 2021 freigemacht und überlässt die Detailregelung jedem Mitgliedsland, wobei die Winterzeit als „Normalzeit“ gilt. Im vorigen Sommer hatten sich von 4,6 Millionen befragten Europäern, die meisten davon aus Deutschland, 84 Prozent für ein Ende der Zeitzeremonie ausgesprochen. Vielleicht kennen sie Peter Ustinovs Spruch nicht: „Jetzt sind die guten, alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen.“

Es ist ein Putsch per Fernsehansprache. Vor laufender Kamera kündigte Armeechef Ahmed Gaid Salah in Algerien an, Präsident Abdelaziz Bouteflika, 82, mit Verweis auf die Verfassung „wegen schwerer und dauerhafter Krankheit“ für amtsunfähig erklären zu lassen. Der greise, schwer kranke Staatschef hatte nach Massenprotesten die für den 18. April angesetzte Präsidentenwahl verschoben und angekündigt, einfach weiterzumachen. Nun ist mit seinem baldigen politischem Ende und der „Thailandisierung“ oder „Ägyptisierung“ Algeriens zu rechnen. Salah gibt den klaren Hinweis, seine Armee sei „Garant und Hüter der nationalen Unabhängigkeit“.

Quelle: Reuters
Stoppt die Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank, fordert Yanis Varoufakis.

Heute legt die Commerzbank ihren Geschäftsbericht vor – und alle Augen richten sich darauf, ob es wie angekündigt für 2018 Einschnitte in den Zahlungen für die Vorstände gibt. Und dann ist im zweiten Schritt der Vergleich mit jener Deutschen Bank fällig, mit der sich die Commerzbanker auf höheren Wink hin derzeit in der Fusionstherapie befinden. Bei der „Deutschen“ genehmigte sich der Vorstand trotz anhaltenden Formtiefs mehr als 55 Millionen, wobei Investmentbank-Chef Garth Ritchie sein Salär mit 8,6 Millionen sogar verdoppelte. Darüber mokiert sich der griechische Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis im Handelsblatt-Gastkommentar – und auch über das Projekt „Deutsche Commerz“. In Kurzform lautet sein Verdacht, hier wachse ein „gigantischer Zombie“ heran.

Eine besondere Erwähnung verdient der britische Hedgefonds Pharo Management. Er hält sich nicht an die lateinische Latrinenweisheit „Pecunia non olet“ und zahlte 300 Millionen Dollar an Anleger aus Saudi-Arabien zurück. Man wolle nicht länger Gelder aus einem Staat verwalten, der offenbar an der Ermordung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi schuld sei. Es gehe um die „Wahrung von Prinzipien“, findet Pharo-Gründer Guillaume Fonkenell. Die meisten der anderen Vermögensverwalter haben ein ganz anderes Prinzip, das einfach lautet: Das beste Geschäft ist das, das man trotzdem macht.

Und dann ist da noch der Brandenburger SPD-Europawahlkandidat Simon Vaut, der Parteifreunden und der Öffentlichkeit eingestehen muss, anders als behauptet gar nicht in Brandenburg an der Havel zu leben, sondern in Berlin. Eine Lebenspartnerin habe er auch nicht, immerhin aber eine ehemalige Freundin, die wohl tatsächlich aus Brandenburg stammt. Ein Lokalfernsehsender hatte das bizarre Rollenspiel zwecks Karriereförderung aufgedeckt. Irgendwie passt es zum aktuellen Jammerbild der einst stolzen SPD, wie hier Genosse Münchhausen sein applaudierendes Publikum finden konnte.

Ich wünsche Ihnen einen märchenhaften Tag ganz ohne Lügengeschichten. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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