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Morning Briefing Die neuen Corona-Zahlen sind kein Grund zur Panik, aber zur erhöhten Wachsamkeit

Eine Rückkehr zur Normalität wird nur dann gelingen, wenn Corona wieder als das begriffen wird, was es ist: ein gefährliches Virus.
09.10.2020 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

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Mit dem Sprung der täglichen Neuinfektionen auf mehr als 4000 Fälle reaktivierte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine feste Institution aus der Lockdown-Zeit: das Pressebriefing mit dem Leiter des Robert-Koch-Instituts. Die Sätze von Spahn und Lothar Wieler kamen einem mehr als besorgten Weckruf gleich. Der RKI-Chef sagte:

  • „Es ist möglich, dass wir zehntausend neue Fälle pro Tag sehen und dass sich das Virus unkontrolliert verbreitet.“
  • „Die aktuelle Situation beunruhigt mich sehr.“
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    Nicht weniger sorgenvoll klang Gesundheitsminister Spahn:

    • „Bei aller Zuversicht müssen die neuen Zahlen, auch die Zahlen von heute, gleichzeitig besorgen. Sie besorgen mich sehr.“
    • „Wir wollen verhindern, dass es zu einem Punkt in der Pandemie kommt, wo wir die Kontrolle verlieren.“

    Die neuen Zahlen sind kein Grund zur Panik, aber zur erhöhten Wachsamkeit. Eine Rückkehr zur Normalität wird nur dann gelingen, wenn Corona wieder als das begriffen wird, was es ist: ein gefährliches Virus.

    Der Anstieg der Neuinfektionen sorgt nicht nur im Berliner Politikbetrieb für Verunsicherung, sondern auch unter den Ökonomen. Einige Wissenschaftler sehen den Mini-Aufschwung aus den Sommermonaten in Gefahr. So warnt beispielsweise Jens Südekum:

    • „Wenn wir im Winter wieder eine Situation wie Anfang Mai bekommen, würde auch die Rezession mit voller Wucht zurückkehren.“

    Genährt wird die Sorge durch den überraschenden Rückgang der Industrieproduktion im August, vor allem in der Autobranche. Experten rätseln, ob der deutschen Konjunktur ein „Double-Dip“ droht, also ein erneuter Einbruch nach kurzem Aufschwung. Noch ist ein wirtschaftlicher Einbruch nur ein mögliches Szenario, aber keine Realität.

    Hendrik Streeck ist der Meinung, dass Mediziner, aber auch alle Politiker in der Verantwortung stehen, eine faktenbasierte Ruhe zu bewahren.

    Der Virologe Hendrik Streeck fordert im Umgang mit der Pandemie ein intelligenteres System. Die reine Infektionszahl sei nur bedingt aussagekräftig, schreibt Streeck in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. „Anstatt eindimensional müssen wir mehrdimensional denken lernen“, sagt der Virologe. Streeck schlägt ein Ampelsystem vor, „das auf dem Zusammenspiel von Infektionszahlen, Anzahl der Tests, stationärer und intensivmedizinischer Belegung basiert“. Unter Berücksichtigung der jeweiligen medizinischen Versorgungssituation sollten in einzelnen Landkreisen unterschiedliche Schwellenwerte definiert werden. Bis ein Impfstoff existiert, sollten wir darüber nachdenken, „wie wir ein Leben mit dem Virus ermöglichen“. Streecks nüchterner Hinweis:

    • „Es ist ein ernst zu nehmendes Virus, aber es bedeutet gleichwohl nicht unseren Untergang.“

    Während in Berlin der Untersuchungsausschuss zum Wirecard-Skandal die Arbeit aufgenommen hat, verstärkt die Finanzaufsicht Bafin die eigenen Nachforschungen. Weil Mitarbeiter der Bafin mit Wirecard-Aktien Geschäfte gemacht haben, hat die Behörde eine umfassende Sonderauswertung in dieser Sache eingeleitet. Die ersten Ergebnise sind verstörend: In der ersten Jahreshälfte 2020 schlossen 56 Bafin-Mitarbeiter mehr als 196 Wirecard-Geschäfte ab – mehr als im gesamten Vorjahr. Eine unabhängige Finanzaufsicht sieht anders aus. Mittlerweile hat die Bafin ihre internen Ethik-Regeln verschärft. Personelle Konsequenzen sind nicht bekannt.

    Quelle: dpa
    Der ehemalige Co-Chef von Tengelmann, Karl-Erivan Haub, ist seit 2018 verschollen.

    Wenn die Mitglieder von Familienunternehmen im Clinch liegen, dann geht es oft um Geld. So auch jetzt bei Tengelmann. Das Unternehmen hat beim Amtsgericht Köln beantragt, dass der ehemalige Firmenchef Karl-Erivan Haub, der vor gut zwei Jahren nicht von einer Skitour zurückgekehrt war, für tot erklärt wird. Haubs Brüder Georg und Christian haben sich dem Antrag angeschlossen. Sollte das Gericht dem Antrag stattgeben, müssten Haubs Frau und Kinder Erbschaftssteuer in angeblich dreistelliger Millionenhöhe zahlen. Das Problem: Karl-Erivan Haub hat offenbar keine testamentarische Anordnung getroffen, wie eine später fällige Erbschaftsteuer bezahlt werden soll. Ein folgenschweres Versäumnis.

    Die Namen Symrise, Zalando, Scout 24, Hellofresh oder Puma sollten Sie sich merken. Die Unternehmen gehören zu den Kandidaten, die in einen erweiterten Dax-40 aufsteigen könnten. Noch ist nicht entschieden, ob der deutsche Leitindex um zehn Firmen vergrößert wird. Meine Kollegen aus dem Unternehmens- und Finanzressort haben jetzt schon mal die potenziellen Dax-Aufsteiger unter die Lupe genommen und Marktkapitalisierung, Profitabilität und Unternehmensführung bewertet.

    Quelle: AFP
    Selten hat sich Gold so schnell verteuert wie seit Ende Juni.
    (Foto: AFP)

    Mit der Frage der richtigen Geldanlage beschäftigt sich auch unsere aktuelle Titelgeschichte „Deutschland im Goldrausch“. Negative Realzinsen und Strafgebühren auf Sparkonten haben das Edelmetall weltweit zur heiß begehrten Geldanlage gemacht. Doch niemand kauft so viel Goldbarren und Goldmünzen wie die Deutschen, hat mein Kollege Jakob Blume recherchiert. Edelmetallhändler gehören zu den Profiteuren und erwarten das beste Jahr aller Zeiten. Experten gehen davon aus, dass sich die Rally fortsetzt. Doch Vorsicht: Beim Goldkauf machen viele Anleger Fehler.

    Der legendäre amerikanische Investor Warren Buffett, mittlerweile 90 Jahre alt, hat eine ganz eigene Sicht auf das begehrte Edelmetall: „Gold wird irgendwo auf der Welt aus der Erde gegraben. Dann schmelzen wir es zu Barren, bauen einen unterirdischen Tresor und graben es wieder ein. Wenn uns Außerirdische dabei beobachten, es käme ihnen reichlich obskur und seltsam vor.“

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    Quelle: Arne Dedert/dpa
    Einst schmückten Gemälde der Klassischen Moderne und der Nachkriegs-Avantgarde die Vorstandsetagen.
    (Foto: Arne Dedert/dpa)

    Die Deutsche Bank bereinigt weiter ihre Bilanz. Doch diesmal nicht im Kerngeschäft, sondern in der mehr als 55.000 Werke umfassenden Kunstsammlung. Rund 200 Exponate sollen bei Christie’s in Paris und bei Ketterer in München versteigert werden. Der Hintergrund: In der Nachkriegszeit schmückten Gemälde der Klassischen Moderne und der Nachkriegs-Avantgarde die Vorstandsetagen. Doch seit Jahrzehnten sammelt das Bankhaus bevorzugt zeitgenössische junge Kunst. Der Verkaufserlös soll deshalb zu einem signifikanten Teil für „den Ankauf aufstrebender Talente“ verwendet werden, sagte Friedhelm Hütte, Leiter der Kunstaktivitäten. Die Neuausrichtung der Deutschen Bank ist umfangreicher als gedacht.

    Und dann ist da noch Sebastian Vettel: Vor dem Grand Prix der Eifel auf dem Nürburgring zog der vierfache Formel-1-Weltmeister eine überraschend kritische Bilanz seiner Zeit bei Ferrari. „Ich bin gescheitert, ich habe es nicht hinbekommen“, sagte Vettel, der sich vorgenommen hatte – wie sein Idol Michael Schumacher – mit Ferrari die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Er blicke auf seine Zeit bei Ferrari aber nicht mit Bedauern zurück, er sei als Person gereift und habe dazugelernt. Kurt Tucholsky kommt einem in den Sinn: „Dumme und Gescheite unterscheiden sich dadurch, dass der Dumme immer dieselben Fehler macht und der Gescheite immer neue.“

    Herzliche Grüße,
    Ihr

    Sven Afhüppe
    Chefredakteur

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    1 Kommentar zu "Morning Briefing : Die neuen Corona-Zahlen sind kein Grund zur Panik, aber zur erhöhten Wachsamkeit"

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    • "Meine Kollegen aus dem Unternehmens- und Finanzressort haben jetzt schon mal die potenziellen Dax-Aufsteiger unter die Lupe genommen und Marktkapitalisierung, Profitabilität und Unternehmensführung bewertet."

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