Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Die Perspektive der Friseure hätten andere Branchen auch gerne

11.02.2021 - 06:11 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

ein untrügliches Zeichen, dass eine Gesellschaft verwildert, ist der Haarschnitt ihrer Mitglieder. So sieht der tiefere soziologische Grund aus, warum Friseurgeschäfte schon am 1. März wieder öffnen dürfen. Das ist immerhin eine Woche vor dem Ultimo der nächsten Lockdown-Phase, die von der üblichen außerparlamentarischen Orientierungsrunde (APO) aus Bundeskanzlerin und Länder-Verantwortlichen beschlossen wurde.

Ein Blick durch die Reihen der Mitbürger zeigt, dass offenbar erstaunlich viele Töchter, Ehepartner oder Nachbarn das Haareschneiden perfekt gelernt haben, so adrett präsentieren sich viele Deutsche. Vielleicht jedoch handelt es sich haargenau nur um ein Phänomen, das in Italien als „Economia sommersa“ bekannt ist. Wie auch immer: Deutschland hat die Haare schön.

Quelle: dpa
Deutschland hat die Haare schön. Ab dem 1. März dürfen Friseursalons wieder öffnen.

Die Perspektive, die Herr und Frau Coiffeur jetzt haben, hätten viele andere Branchen auch gerne. Aber das verhindert die Virus-Mutation, von der Angela Merkel spricht wie von King Kong in New York: „Sie wird die Oberhand gewinnen.“ Da sind selbst sinkende Infektionskurven auf einmal nicht mehr ganz so wichtig. Als neuer Inzidenzwert für eine Öffnung von Geschäften, Museen und Galerien macht nun die Zahl „35“ die Runde.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Nur bei Schulen und Kitas greift Merkels Schließmechanismus nicht mehr, sie überlässt – resigniert – den Bundesländern die Initiative. FDP-Vizechef Wolfgang Kubicki sieht in den neusten Beschlüssen ein Beschäftigungsprogramm für Anwälte: „Eine wirkliche Strategie, die über die einfältige Schließung und Verbote hinausgeht, fehlt nach einem Jahr Pandemie noch immer.“ Der Mann muss es als Anwalt wissen.

    Digitalität schien noch nie so einfach für deutsche Unternehmen: Einfach die eigenen Daten und Dienste in die Cloud der großen US-Techfirmen Amazon, Microsoft oder Google verlagern und dann nutzen.

    Cosi fan tutte, erst recht in der Pandemie. Doch deutsche Datenschützer machen einen Strich durchs Kalkül. Auslöser sind Beschwerden, die Daten seien nicht ausreichend geschützt. Schließlich haben US-Geheimdienste weitgehenden Zugriff auf die bei amerikanischen Unternehmen gespeicherten Informationen.

    Erst im Juli 2020 hatte der Europäische Gerichtshof die Rechtsbasis für den Transfer personenbezogener Daten europäischer Bürger in die USA („Privacy Shield“) kassiert. Deshalb verstoßen viele US-Angebote gegen Europas Datenschutz.

    Heimischen Nutzern drohen Bußgelder bis zu 20 Millionen Euro, heißt es in unserer Titelstory. Nötig sind nun neue EU-USA-Abkommen. „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, tröstet Friedrich Hölderlin

    Quelle: AFP
    Wahlkämpfe wurden mit Hilfe von Facebook entschieden worden, beispielsweise 2016 pro Donald Trump. Nun drosselt Mark Zuckerberg politischer Beiträge
    (Foto: AFP)

    Wahlkämpfe sind unter anderem mit Hilfe von Facebook entschieden worden, beispielsweise 2016 pro Donald Trump. Nun bremst Mark Zuckerberg, „The Almighty“, testweise in Kanada, Brasilien und Indonesien die Drosselung politischer Beiträge.

    Erst kürzlich hatte „The Zuck“ verkündet, die Nutzer wollten nicht, dass News und Politik ihre Timelines übernehmen. Informationen der Gesundheitsbehörden sollen übrigens von der neuen Entziehungskur ausgenommen werden.

    In den USA steht Facebook in der Kritik, weil das Unternehmen via Algorithmus den Kunden immer wieder ähnliche Beiträge anzeige und so eine „Filterblase“ bilde – mit dem Ergebnis einer Spaltung der Gesellschaft.

    Donald Trump, Politrentner aus Florida, wird künftig also in der Facebook-Welt weniger auftauchen. Bei Twitter hat der Mann sogar ganz Sendepause. Dort ist @realdonaldtrump Geschichte, wie Finanzchef Ned Segal erklärt: „Wenn man von der Plattform entfernt wurde, wurde man von der Plattform entfernt.“

    Heute trifft bei der Europäischen Union in Brüssel ein Brief zur schwierigen Lage bei der Elektrifizierung des Autoverkehrs ein. Es schreibt BMW-Chef Oliver Zipse in seiner Eigenschaft als europäischer Autoverbandschef in trauter Eintracht mit dem Umweltdachverband T&E sowie der Europäischen Verbraucherorganisation BEUC. Zur Erreichung der Klimaziele fordert das Triumvirat eine Million öffentlicher Ladepunkte in der EU bis 2024 und drei Millionen bis 2029 sowie 1000 Wasserstofftankstellen bis 2029.

    Zipse, der mit BMW bis 2030 rund sieben Millionen E-Autos verkauft haben will, stört sich am schleppenden Aufbau des Geschäfts. Sein neuer Forderungskatalog geht denn auch weit über die bisherigen Ideen der EU-Kommission heraus und findet beim Verband Kommunaler Unternehmen wenig Freunde. Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing: Anstatt Ziele aus der Luft zu greifen, brauchen wir konkrete Analysen, die den Bedarf der Ladeinfrastruktur ermitteln.

    Quelle: dpa
    Axel Weber, Verwaltungsratschef der Schweizer Großbank UBS, mahnt mehr Europa im Finanzwesen an.

    Mehr Europa im Finanzwesen mahnt Axel Weber an, einst Bundesbankpräsident und heute Verwaltungsratschef der Schweizer Großbank UBS. „Aus Sicht einer grenzüberschreitenden Bankengruppe ist die EU kein einheitlicher Wirtschaftsraum, sondern ein Konglomerat aus 27 unterschiedlich regulierten Märkten, mit einem 28. EU-Regulator an der Spitze“.

    Webers Forderung nach einer echten Bankenunion sollte mit einem „Paukenschlag“ geschehen: mit dem Schaffen eines einheitlichen europäischen Rechtsrahmens für supranationale Bankengruppen. Die Fortführung der bisherigen schrittweisen Harmonisierung und Orientierung am Tempo der Sparkassen und Genossenschaftsbanken könne noch Jahrzehnte dauern und garantiere keinen Erfolg, bilanziert Weber. Anders gesagt: Der Fortschritt darf ausnahmsweise mal keine Schnecke sein.

    Und dann sind da noch die Anleger von „Wall Street Bets“ auf der Online-Plattform Reddit, die mit Zockereien rund um den US-Videospielhändler Gamestop die Zunft der Hedgefonds verschreckt haben.

    Nun entdeckten die experimentierenden Aktionäre neue Ziele: Cannabis-Aktien wie Tilray, Aphria oder Cronos, deren Wert um bis zu 60 Prozent wuchs. Diese Börsennische ist seit längerem im Blickfeld hoffnungsvoller Investoren, die in den USA schon bald eine bundesweite Legalisierung von Cannabis erwarten.

    So hat sich zuletzt der Kurs des börsengehandelten Cannabis-Indexfonds innerhalb von drei Monaten mehr als verdoppelt. Nur mal so in die Tüte gesprochen: Demnächst werden wohl viele Börsianer bekennen, in ihrer Jugend inhaliert zu haben.

    Ich wünsche Ihnen einen produktiven Tag. Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

    Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren:

    Morning Briefing: Alexa
    Startseite
    Mehr zu: Morning Briefing - Die Perspektive der Friseure hätten andere Branchen auch gerne
    0 Kommentare zu "Morning Briefing : Die Perspektive der Friseure hätten andere Branchen auch gerne"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%