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Morning Briefing Die Rauschgifte der Tories

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

in Großbritannien, das manche nur noch „Britannien“ nennen, steht die Schar der glorreichen Zehn fest, die zuerst den Vorsitz der konservativen Tories und dann die Regierungsgeschäfte übernehmen wollen. Umweltminister Michael Gove, ein Günstling des Zeitungs-Tycoons Rupert Murdoch, eröffnet diesen Wahlkampf mit allerlei sozialen Versprechungen. Das richtet sich gegen den Favoriten, Ex-Außenminister Boris Johnson, der den 40-Prozent-Steuertarif künftig erst für Einkommen ab 80.000 Pfund (bisher 50.000) ansetzen will. Bizarrerweise mussten fast alle Kandidaten früheren Drogenmissbrauch zugeben, Gove nahm zum Beispiel in den 1990er-Jahren mehrmals Kokain. Der Polit-Spruch „Was hat der denn geraucht?“ hat auf der Insel eine besondere Berechtigung.

Von europäischen Banken-Champions reden nicht nur Olaf Scholz und Peter Altmaier (was ihnen sehr wenig hilft), das Thema findet auch Bankenverbandspräsident Hans-Walter Peters gut. Im großen Handelsblatt-Gespräch erklärt er, Europas Großbanken BNP, ING, Santander und Deutsche Bank seien zusammen deutlich weniger wert als JP Morgan: „Hier besteht Handlungsbedarf.“ Peters empfiehlt auch Fusionen zwischen deutschen Privatbanken, Sparkassen und Volksbanken. Die Eheanbahnung zwischen der niederländischen ING und der Commerzbank ist nach unseren Informationen jedoch inzwischen vom Anschlagsbrett am Standesamt verschwunden.

Quelle:  Signa
René Benko hat vom früheren Eigentümer Hudson‘s Bay Company auch die restlichen Anteile an Kaufhof übernommen. Das teilte seine Signa-Holding mit.
(Foto:  Signa)

In Österreich ist Selfmademan René Benko, 42, zum Star der Manege geworden – erst recht, als der Immobilien-Prinzipal auch noch nach der mächtigen „Kronen-Zeitung“ griff. Man weiß nun fast alles über ihn, auch dass er am Anfang seiner Karriere spruchstark für Carsten Maschmeyers Finanzvertriebsgesellschaft AWD gearbeitet hat. Der Ruhm wächst in diesen Tagen noch einmal, weil sein Signa-Konzern bei Kaufhof vom kanadischen Ex-Eigner Hudson's Bay Company auch die restlichen Anteile an der operativen Gesellschaft und den Immobilien übernimmt. Es läuft die Feuerprobe, ob Karstadt und Kaufhof gemeinsam das Genre Warenhaus wohl retten können.

Not macht erfinderisch, Finanznot macht schöpferisch. Das drückt sich im Fall des Hochschuldenlands Italien so aus, dass der schier omnipotente Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini offene Lieferantenrechnungen mit Staatstiteln in kleiner Stückelung (50 oder 100 Euro) bezahlen will. Die Zahllast liegt immerhin bei 50 Milliarden Euro. Solche „Mini-Bots“ galten in der rechtsgerichteten Lega sogar schon als möglicher Euro-Ersatz. Nun sollen die Papierchen nicht als Kredite zählen (es gibt schon zu viele) – sind sie aber Geld, ist dafür die Europäische Zentralbank zuständig. „Die Welt ist ein wunderbares Buch, aber von wenig Nutzen für den, der nicht lesen kann“, befand der italienische Komödiendichter Carlo Goldoni.

Es ist mittlerweile Usus, bei Grenzübergängen fotografiert zu werden. Fast manisch zeigen sich dabei die USA, ohne dabei aber offenbar Datensicherheit zu schaffen. Die Behörde U.S. Customs and Border Protection (CBP) bestätigt eine „bösartige Cyber-Attacke“ auf einen Subunternehmer. Dabei wurden offenbar Datensätze mit Fotos von Bürgern am Flughafen sowie beim Grenzübertritt mit dem Auto (Kennzeichen) entwendet. Die Affäre kommt für die US-Grenzschutzbehörde zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt: Sie will ihr Gesichtserkennungssystem und die Sammlung sensibler Daten aggressiv weiter ausbauen. Es gilt hier der alte Satz: „So schwer drückt nichts, wie ein Geheimnis drückt.“

Die mysteriöse Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) mit einem Schuss aus kürzester Entfernung ist seit Tagen ein Großthema. Die Staatsanwaltschaft beklagt „arg viele Spekulationen“, die sie heute mit neuen Informationen relativieren will. Nach Presseberichten sei am Samstag in dieser Sache eine Frau von einer Fähre nach Wangerooge abgeführt und später wieder freigelassen worden. Der Tod von Lübcke, der sich mit Verweis auf christliche Werte für Flüchtlinge eingesetzt hatte, war in rechten Netzwerken bejubelt worden.

Quelle: AFP
Steve Angel hat 2018 fast 56 Millionen Euro verdient, 41,4 Millionen davon entfielen auf Boni und Pensionsansprüche.
(Foto: AFP)

Licht ins Halbdunkel der Managergehälter will die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) heute mit einem neuen Report bringen. Er setzt bei Dax- und MDax-Gesellschaften die Vorstandsgehälter ins Verhältnis zum Durchschnittssalär der Belegschaft. Auffällig geworden war zuletzt Steve Angel, CEO der amerikanisch-deutschen Linde, der 2018 vor allem dank üppiger Pensionsansprüche auf astronomische 55,8 Millionen Euro kam. SAP-Chef Bill McDermott schaffte es mit 10,2 Millionen als einziger Chef einer deutschen Firma in die Phalanx der Top-Kassierer.

Und dann ist da noch der Aachener Maschinenbauprofessor Günther Schuh, der heute ein neues Flugtaxi („Silent Air“) vorstellt: elektrisch angetrieben, 500 Kilometer Reichweite. Das Projekt wurde auf dem Campus der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen Realität – so wie vorher der E-Transporter Streetscooter und der E-Kleinwagen e.Go, mittlerweile ein Partnerschaftsprojekt mit Volkswagen. Zur Feier des neuen Fluggeräts kommt unter anderem der gebürtige Aachener Armin Laschet, Ministerpräsident mit hochfliegenden Kanzlerambitionen.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start nach diesem Pfingstwochenende, das für Sie hoffentlich nicht mit Hagelkorn und Starkregen endete. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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