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Morning Briefing Die Rosskur der Deutschen Bank

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

als ich Anshu Jain vor einigen Jahren nach dem damals schon hohen Kostenblock der Deutschen Bank und womöglich nötigen Jobkürzungen fragte, wollte der CEO davon nichts wissen. Er lächelte nur und aß weiter Nüsse. Der in Indien geborene Manager setzte eben, wie all die Jahre, weiter ganz auf das Investmentbanking, so wie er es beim legendären US-Banker Edson Mitchell gelernt hatte.

Das war ein Fehler, der aber erst jetzt mit einem kräftigen Vorhand-Schlag des amtierenden Vorstandschefs Christian Sewing korrigiert wird. Der Aktienhandel entfällt künftig, 18.000 Jobs fallen weg, im zweiten Quartal setzt es 2,8 Milliarden Euro Verlust. Insgesamt wird das Geldhaus deshalb 2019 wieder defizitär sein, zum vierten Mal in fünf Jahren, ein schweres Erbe des Jainismus. Wir lernen mit Kurt Tucholsky für solche Fälle: „Dumme und Gescheite unterscheiden sich dadurch, dass der Dumme immer dieselben Fehler macht und der Gescheite immer neue.“

Quelle: Reuters
Die Deutsche Bank will sich wieder stärker auf ihre Wurzeln im Privat- und Geschäftskundenbereich in Deutschland und Europa besinnen.

Die Szenen einer Rosskur wird Sewing von heute an auf einer Roadshow den Investoren schildern, die bei der Dividende zwei Jahre lang auf Voll-Diät gesetzt werden. Die Deutsche Bank konzentriert sich nun vor allem auf Geschäfte mit Unternehmen und Privatkunden. Nach Jahren des Zauderns gilt das Prinzip des Zupackens.

Mit der Neuorientierung kommt es zugleich zu einem Revirement, das Züge stalinistischer Säuberungsaktionen trägt: Mit Garth Ritchie (Investmentbanking), Sylvie Matherat (Regulierung) und Frank Strauß (Privatkunden) gehen gleich drei Vorstände. Und eine „Bad Bank“ übernimmt Problem-Assets in Höhe von 74 Milliarden Euro. So endet per Radikal-Sanierung eine Ära, die 1989 mit dem Kauf von Morgan Grenfell in London begann und 1999 mit dem Take-over von Bankers Trust (USA) zementiert wurde, analysiert unsere Titelstory.

Auf der Automobilmesse IAA 2015 begannen die Probleme des BMW-Chefs Harald Krüger, 53, der auf offener Bühne einen Schwächeanfall erlitt und umkippte. Mit der IAA dieses Jahres enden nun, vorzeitig, Laufbahn und Leiden des umgänglichen Managers.

Ein Neuer soll dann nach dem Wunsch des Präsidiums des Präsidiums auf der Bühne in Frankfurt stehen, jemand, der mehr Dynamik und Standfestigkeit vermittelt beim Aufbruch in die E-Mobil-Zeitdas wird allem Anschein nach Produktionsvorstand Oliver Zipse, 55, sein. Der ebenfalls um den CEO-Posten buhlende Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich, 59, soll gehalten werden. In solchen Fällen ist die BMW-Altersgrenze von 60 bloß eine Zahl.

Griechenland hat Ministerpräsident Alexis Tsipras abgewählt – und damit auch die Politik der EU und des Internationalen Währungsfonds, die Republik über eine bessere Budgetpolitik gesunden zu lassen. Der linke Regierungschef hatte über mehr Steuern und weniger Ausgaben tatsächlich „Primärüberschüsse“ (ohne Zinslasten) geschafft.

Quelle: AP
Der neue griechische Premierminister wird Kyriakos Mitsotakis sein. Er folgt auf den Linken Alexis Tsipras.
(Foto: AP)

Der jetzige Wahlsieger Kyriakos Mitsotakis von der konservativen Nea Dimokratia (knapp 40 Prozent) hingegen will das genaue Gegenteil machen und sich in Brüssel bei der EU das Okay für mehr Schulden holen. Die Aussichten sind gut: Dort hatte man bei den jüngsten Gipfel-Wirren auf ein Defizitverfahren gegen das hochverschuldete Italien verzichtet. Was seine Regeln angeht, beginnt Europa an Gedächtnisschwund zu leiden.

An diesem Montag erscheint in New York eine Hedgefondsgröße vor Gericht: Jeffrey Epstein, 66, einst mit Donald Trump, Bill Clinton und Prince Andrew befreundet. Der Milliardär war am Wochenende in Gewahrsam genommen worden, nachdem er mit dem Privatjet von Paris nach New Jersey angereist war.

Eppstein werden sexuelle Delikte aller Art mit minderjährigen Mädchen vorgeworfen – eine juristische Auseinandersetzung, die schon zehn Jahre läuft und nun für größere Schlagzeilen sorgen dürfte. Der „Miami Herald“ brachte in einer ausgiebigen Recherche den Verdacht auf, der damalige Staatsanwalt Alexander Acosta (heute Trumps Arbeitsminister) habe Eppstein geschont.

Interessant, was Kim Darroch, britischer Botschafter in den USA, in geheimen Briefings an das Außenministerium in London über Donald Trump so verbreitet. Er glaube, so Darroch, dass Trumps Präsidentschaft „abstürzen“ und „schmachvoll enden“ werde, heißt es bei diesen boshaften Botschaften.

O-Ton: „Wir gehen nicht wirklich davon aus, dass diese Regierung normaler wird; weniger dysfunktional; weniger unberechenbar; weniger diplomatisch plump und ungeschickt.“ Die ungeschminkte Depeschen-Realität kontert Trump mit seiner exklusiven Einschätzung, der Botschafter habe „dem Vereinten Königreich nicht gut gedient“.

Quelle: AP
Die frischgebackene Fußballweltmeisterin Meghan Rapinoe, nutzte den Triumph zur Forderung, im Fußball sollten Frauen und Männer endlich gleich bezahlt werden.
(Foto: AP)

Und dann ist da noch die Fußballerin Megan Rapinoe, 34, Kapitänin der US-Nationalelf, die jetzt in Lyon mit einem 2:0 über die Niederlande erneut Weltmeister wurde. Den sportlichen Triumph nutzte Rapinoe zur Forderung, im Fußball sollten Frauen und Männer endlich gleich bezahlt werden. „Equal Pay“ riefen die US-Spielerinnen.

Präsident Donald Trump gratulierte erst mit einigem zeitlichen Abstand zum WM-Sieg, womöglich in Erinnerung an Rapinoes Ankündigung, als Weltmeisterin auf keinen Fall ins „f*ing White House“ zu gehen. Die Rekordtorschützin der WM hält Trump nun mal für einen „Sexisten“ und „Rassisten“.

Ich wünsche Ihnen einen schwungvollen Start in die Woche. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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