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Morning Briefing Die Selbstbehauptung Europas

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

gut eine Woche vor der Europawahl ist viel von der notwendigen Selbstbehauptung Europas die Rede. Die Rolle eines wehrhaften Kontinents ist Europa in der Vergangenheit reichlich schwergefallen. Das ändert sich gerade. So weist die EU die Kritik der USA an dem geplanten Europäischen Verteidigungsfonds rigoros zurück. Brüssel denkt nicht daran, die eigenen Pläne an die Forderungen der Vereinigten Staaten anzupassen. Gut so. Nur mit klaren Positionen lernt die US-Regierung vielleicht, dass Diplomatie Kooperation und nicht einseitige Interessensvertretung bedeutet.

Quelle: dpa
Donald Trump wird der EU laut US-Medien voraussichtlich eine Frist von maximal sechs Monaten setzen.

Eine ähnliche Reaktion sollte Europa auch bei der Debatte um höhere Autozölle zeigen. Nach einem Bericht von „Bloomberg“ will US-Präsident Donald Trump binnen einer Frist von sechs Monaten erzwingen, dass sich die EU verpflichtet, ihre Autoexporte in die USA einzuschränken. Andernfalls droht Trump mit Strafzöllen auf Fahrzeugimporte. In einer globalisierten Welt sind Erpressungsversuche und Gnadenfristen ein mögliches, aber sicher kein kluges Geschäftsmodell.

Die Berliner Start-up-Szene hat einen neuen Star: Johannes Reck. Der Gründer der Buchungsplattform Getyourguide hat gerade eine Finanzierungsrunde in Höhe von 484 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Ein neuer Rekord in der deutschen Gründerszene. Das Start-up vermittelt geführte Touren oder Tickets für Museen und andere Sehenswürdigkeiten an Urlauber – und hat damit offenbar einen Nerv getroffen. „Das ist ein guter Tag für uns – und für den Standort Europa“, sagt Johannes Reck. Europa braucht mehr von diesen Heldengeschichten.

Lilium: „Ein Flug wird nicht teurer sein als eine Taxifahrt“
Bisher sind Flugtaxis in den Metropolen noch eine Zukunftsvision.

Lilium könnte eine solche Erfolgsgeschichte werden. Das deutsche Start-up hat gestern einen erfolgreichen Jungfernflug mit einem fünfsitzigen elektrischen Flugtaxi präsentiert. Schon ab 2025 sollen die Flugtaxis von Lilium in mindestens zwei Städten im kommerziellen Alltagsbetrieb eingesetzt werden. Digitalisierung Made in Germany setzt Maßstäbe.

Mein Kollege Sebastian Matthes hat im neuen Podcast „Handelsblatt Disrupt“ Lilium-Gründer Daniel Wiegand interviewt. Herausgekommen ist ein inspirierendes Gespräch über die Mobilität von morgen. Das Motto: The future starts now!

Die Beispiele Getyourguide und Lilium zeigen, dass Deutschland nicht nur das Land der Dichter und Denker ist, sondern auch das Land der Forscher und Erfinder. Das Problem ist nur, dass es in Deutschland zu wenig Wagniskapital gibt. Mutige und finanzstarke Investoren kommen meistens aus den USA oder Asien. Dorthin fließt dann später auch das Geld, sollten die Start-ups irgendwann erfolgreich an der Börse platziert werden. Unbegreiflich, dass die Politik hier tatenlos bleibt.

AfD in Deutschland, Gelbwesten in Frankreich, Fünf-Sterne-Bewegung in Italien: der politische Protest in Europa hat viele Namen. Widerstand formiert sich jetzt zunehmend auch unter Investoren. Aktionäre strafen das Management nicht nur mit kritischen Wortmeldungen, sondern auch mit Gegenstimmen. Zu tief sitzt der Frust über fallende Aktienkurse, niedrige Gewinne oder eine intransparente Unternehmensführung. Unsere Titelgeschichte „Aufstand der Investoren“ beschreibt die Hintergründe des neuen Aktionärsprotests.

Quelle: Sébastian Thibault
Aufstand der Investoren
(Foto: Sébastian Thibault)

Die Rädelsführer hinter diesem Aufstand heißen ISS, Glass Lewis oder Ivox. Die Macht der Stimmrechtsberater ist in den vergangenen Jahren sukzessive gewachsen. Ihr Geschäftsmodell ist erfolgreich, aber auch nicht unumstritten. Hier lesen Sie warum.

In einer Woche sind nicht nur Wahlen in Europa, sondern auch im Stadtstaat Bremen. Nach einer aktuellen Umfrage droht der SPD eine historische Niederlage. Erstmals nach 73 Jahren könnten die Sozialdemokraten nicht den Regierungschef stellen. Laut ZDF-Politbarometer kommt die SPD aktuell nur auf 24,5 Prozent, die CDU auf 26 Prozent. Auf SPD-Chefin Andrea Nahles könnten noch ungemütlichere Zeiten zukommen.

Und dann ist da noch Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin hat Spekulationen über ihre politische Zukunft beendet und einen Wechsel auf die europäische Bühne kategorisch ausgeschlossen. Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer weiß damit jetzt, dass sie auch nach der Europawahl noch einige Zeit mit Angela Merkel zusammenarbeiten muss. Unklar ist dagegen weiter, ob und wann Merkel den Platz im Kanzleramt vorzeitig räumt. Aber vielleicht hat sie die Frage noch nicht einmal sich selbst beantwortet.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames und sonniges Wochenende. Herzliche Grüße

Sven Afhüppe
Chefredakteur

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