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Morning Briefing Die teure deutsche Verkehrswende

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Verkehrswende für mehr Klimaschutz ziert die Reden von CEOs und Politikern. Ab und an aber empfiehlt sich der Blick auf die Arithmetik hinter der Rhetorik. Als nun eine Expertenkommission der Bundesregierung genauer hinschaute, entdeckte sie einen Gesamtaufwand von mindestens 120 Milliarden Euro. So viel koste der Weg vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität, hielten die Fachleute in ihrem Abschlussbericht fest, dessen Entwurf unserer Redaktion vorliegt. „Insbesondere aufgrund der wachsenden Verkehrsleistung sind die CO2-Emissionen des Verkehrssektors trotz stetig verbesserter Fahrzeug-Effizienz seit 1990 nicht zurückgegangen“, schreibt die Kommission, die heute zum letzten Mal tagt. Ohne eine CO2-Abgabe wird die teure Wende nicht gelingen.

Quelle: AP
Donald Trump: Seine Erleichterung über die vermeintliche Entlastung durch den Mueller-Bericht lässt erahnen, wie groß seine Furcht vor der Ermittlung war.
(Foto: AP)

Der Jubel bei Donald Trump lässt erahnen, wie groß die Furcht vor weiteren Ermittlungen in Sachen Russland war. Von einer „Schande“ der Verdächtigungen spricht der US-Präsident, er sei nun total entlastet. Das genau findet Sonderermittler Robert Mueller nicht: Er resümierte lediglich in seinem Abschlussbericht, dass es keine Beweise für eine Konspiration des Trump-Teams mit Moskau im Wahlkampf 2016 gebe; vom Verdacht der Behinderung der Justiz entlastete Mueller den Regierungschef ausdrücklich nicht. Nach der Erst-Information durch Justizminister William Barr (er schickte dem Kongress eine Zusammenfassung) fordern die oppositionellen Demokraten eine baldige Veröffentlichung des gesamten Reports. „So viele Fragen“, kommentiert Ex-FBI-Chef James Comey.

Es gibt Bürger, Weltbürger und Apple-Weltbürger. Besonders jene eine Milliarde Menschen mit iPhone oder iPad schauen heute Abend voller Neugier auf das Hauptquartier des Technologiekonzerns in Cupertino. Dort sollen – Motto „It's Showtime“ – alle möglichen neuen Dienste präsentiert werden, vor allem ein neues Video-Streaming-Angebot. Zwei Milliarden Dollar steckte das Unternehmen bereits in Inhalte, Namen wie Steven Spielberg, Jennifer Aniston oder Oprah Winfrey machen die Runde. Irgendwann werden Film- und Serienfreunde zwischen den Medienwelten von Netflix, Amazon, Disney und Apple wählen, Hollywood wird dann nur noch Zulieferer der „Techies“ sein, und alle singen: The Show Must Go On.

Griechenland, Ungarn, jetzt auch Italien: Stück für Stück sichert sich China Teile der europäischen Infrastruktur. Nach den nun vereinbarten Beteiligungen an den Häfen von Genua und Triest erklärt Staatspräsident Xi Jinping heute in Frankreich dem Regierungschef Emmanuel Macron, wie es mit Pekings Lieblings- und Washingtons Hassprojekt „Neue Seidenstraße“ weitergehen soll. Morgen stoßen Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zur Zweierrunde. Als Zwischenfazit bleibt Europas Granden, dass die kommunistische Volksrepublik den Kapitalismus so gut begriffen hat, dass sie mit Geld überall Fakten schafft. Außenminister Heiko Maas warnte, China verfolge seine globalen Interessen „beinhart“.

Quelle: Reuters
Daimler-Chefin Katrin Adt will "Bonsai-Benz": Die Smart-Produktion soll nach China verlegt werden, er bekommt einen Elektro-Antrieb und einem Klein-SUV-Modell.

Am Anfang war der legendäre Swatch-Uhren-Erfinder Nicolas Hayek mit seiner Idee eines kleinen „Swatch-Autos“. Heute ist da vor allem Frust im Daimler-Konzern wegen einer 20-Jahre-Verlustfahrt mit Hayeks Idee, aus der bekanntlich Smart wurde – ein Fahrzeug mit dem Charme eines orthopädischen Stuhls, dem der Mini von BMW den Rang abgelaufen hat. Mein Kollege Franz Hubik beschreibt, wie Neu-Chefin Katrin Adt den „Bonsai-Benz“ retten will: per Produktionsverlagerung nach China, mit Elektro-Antrieb und einem Klein-SUV-Modell. Der in Stuttgart ausgebrochene Sparzwang sowie die auslaufende Smart-Protektion durch den scheidenden CEO Dieter Zetsche sind die größten Bedrohungen für die ehrgeizige Smart-Lenkerin.

Heute Abend diskutiert das britische Parlament erneut, wie es in Sachen Brexit weitergeht – zu Beginn einer Woche, in der eigentlich der Ausstand aus der EU vollzogen und gefeiert werden sollte. Von Premierministerin Theresa May wird vorher ein Bericht über ihre jüngsten Gespräche in Brüssel erwartet. Das ist der Sachstand. Das wahrhaft Spannende ist der Machtkampf bei den regierenden Tories und die Frage, wie lange May einen Putsch abwehren kann. Nach Medienveröffentlichungen steht das halbe Kabinett nicht mehr hinter ihr, wobei ein rascher Aufstand auf ihren Landsitz in Chequers gestern offenbar abgewehrt wurde. Bei den London-üblichen Buchmachern gelten Stellvertreter David Lidington sowie Umweltminister Michael Gove als Nachfolgefavoriten. Wir wissen mit dem Machtexperten William Shakespeare: „Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode.“

Und dann ist da noch die deutsche Fußballnationalmannschaft, die nach einer Serie siegloser Auftritte und größter Enttäuschungen gestern Abend in Amsterdam 3:2 gegen die Niederlande triumphierte. Der überraschende Erfolg in der Qualifikation zur Europameisterschaft mit einem stark verjüngten Team belegt die Weisheiten von „Disruption“-Fachkongressen: Ohne harte Schnitte kein Ausweg aus der Krise. Und: Besser früher als später mit dem Generationswechsel beginnen.

Ich wünsche Ihnen einen leistungsstarken Start in die Woche mit positiven Überraschungen. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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