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Morning Briefing Die Therapiestunden der Union

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Union befindet sich in intensiver Gesprächstherapie, um so den Liebesentzug ostdeutscher Wähler zu bewältigen. Auf maximalen Schmerz folgt maximales Vorschlagswesen. Zunächst einmal müsse sich die Außenwirkung der Großen Koalition in Berlin verbessern, fordert Reiner Haseloff, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, im Handelsblatt-Interview: „Wir haben ja durchaus viel umgesetzt, aber das nimmt leider kaum jemand wahr.“ Der CDU-Politiker will nach den Eroberungszügen der AfD in Brandenburg und Sachsen eine „Investitionsoffensive“, aber vielleicht wäre eine Imageoffensive noch dringlicher. Haseloff über Ostdeutschland: „Die Leute glauben inzwischen, hier wären nur noch No-Go-Areas. Das Gegenteil ist der Fall.“

Quelle: dpa
Der britische Premierminister Boris Johnson hält eine weitere Aufschiebung des Brexits für sinnlos.

Der Tag, an dem die Drohung Wirklichkeit wird, steht schon fest. Es ist der 14. Oktober, ein Montag: Dann will Boris Johnson das Volk neu wählen lassen, wenn die Parlamentarier von Westminster dem Premier den so verbissen angestrebten Brexit verderben, lässt er einen Sprecher sagen. Ein weiterer Aufschub des Austritts aus der EU sei sinnlos, verfügt der Vorsitzende der Konservativen Partei offiziell – genau den wollen Rebellen der eigenen Partei in Verbindung mit der Opposition im letzten Moment erreichen. Für Lebhaftigkeit ist also gesorgt, wenn sich die Abgeordneten heute nach der Sommerpause im House of Commons einfinden – schließlich müssen sie schon nächste Woche in eine lange Zwangspause. Letztlich gilt für den irrlichternden Johnson ein Oliver-Cromwell-Satz: „Der ist der Mächtige, der nicht weiß, wohin er geht.“

Es klingt nach einem langen Stellungskrieg, den China offenbar im Handelsstreit mit den USA plant. „Wir müssen uns mit der Tatsache abfinden, dass wir noch lange mit dem US-Druck leben müssen“, sagt uns Eric Xu, Chairman des großen chinesischen Tech-Konzerns Huawei. Da Präsident Donald Trump generell Telekommunikations-Kooperationen mit dem „Reich der Mitte“ verboten hat – Google widerruft deshalb eine Android-Lizenz für Handys von Huawei – haben die Chinesen alle Lieferketten umgestellt. Huawei hofft nun auf ein neues europäisches Ökosystem für Smartphones. Im Zoowesen klappt das Modell Harmonie bereits: Ein von China gegen 15 Millionen Dollar bereitgestelltes Panda-Bärchen produzierte im Berliner Tierpark tatsächlich Zwillinge. Sie sollen in vier Jahren zurück nach „Homeland China“. Mal sehen, ob die Handy-Diplomatie die Panda-Diplomatie noch überholt.

Ein Audio-Mitschnitt enthüllt die ganze Einsamkeit von Carrie Lam, der obersten Repräsentantin von Hongkong. Ihre Chancen, auf die heimischen Proteste gegen China zu reagieren, seien „sehr, sehr, sehr begrenzt“, erklärte sie demnach einigen Geschäftsleuten. Dieses Durcheinander verursacht zu haben sei „unverzeihlich“, so Lam weiter: „Wenn ich die Wahl hätte, wäre das erste, was ich tun würde, zurückzutreten, nachdem ich mich von Herzen entschuldigt hätte.“ Wie eine von Peking unabhängige Regierungschefin klingt diese Frau nicht. Die Demonstrationen halten unverändert an, nur werden sie inzwischen von einer forscher knüppelnden Polizei begleitet.

Quelle: dpa
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer

Einst war die Firma Autoticket eine Hoffnungsbude für Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Mit ihr wollte er die Pkw-Maut in Deutschland zum Erlöswunder machen, ehe der Europäische Gerichtshof eine Art juristische Vollsperrung der Autobahn verordnete. Da blieb dem forschen CSU-Mann nur übrig, die Verträge mit Autoticket zu kündigen. Nun aber moniert Scheuer, dass der einstige Herzenspartner nach der Kündigung noch sieben Verträge im Gesamtwert von mindestens 576 Millionen Euro unterschrieb – stets mit Firmen aus der eigenen Unternehmensgruppe. Das sei der „vorsätzliche Versuch einer treuwidrigen Schädigung“, zitieren WDR und „Süddeutsche Zeitung“ aus einem Brief der Anwaltskanzlei des Ministeriums. Der Staat wurde hier offenbar als Plündermasse gesehen.

Die schwedische Unternehmerfamilie Wallenberg hat große Pläne mit einem Ihrer Investitionsvehikel: der Beteiligungsgesellschaft EQT. Sie soll nun so richtig vom Boom der Private-Equity-Branche profitieren. Der Gang an die Börse in Stockholm wird nach den internen Plänen noch in diesem Jahr eine halbe Milliarde Euro einspielen. Mit dem Geld will EQT dann Mitarbeiter einstellen sowie in Asien und den USA expandieren. Die Schweden verwalten insgesamt in 19 Fonds Beteiligungen in Höhe von 40 Milliarden Euro; zum eigenen Kreis gehört etwa der deutsche Prothesenhersteller Ottobock.

Unsere Kamingespräche zum Thema Mittelstand sind so etwas wie ein Standard ökonomischer Selbstbesinnung geworden. Am 12. September ist es im Ort Netphen bei Siegen wieder soweit: Friedhelm Loh, mit seiner Schaltschränke-Firma Rittal ein Weltmarktführer, wird dann erklären, wie Digitalisierung Werte schafft. Mit Experten, anderen Mittelständlern und Redakteuren diskutieren wir vertraulich an diesem Abend. Wenn Sie dabei sein wollen, bitte eine Mail an [email protected]. Drei Karten konnte ich noch ergattern.

Und dann ist da noch das amerikanische Vermarktungsgenie Jeff Koons, der als Künstler firmiert und nun in Paris nach langem Widerstand eine überdimensionierte Skulptur nahe der Champs-Élysées errichten darf. Es handelt sich um ein mehr als zehn Meter hohes, 30 Tonnen schweres und drei Millionen Euro teures Gebilde, das klar erkennbar eine Hand mit Tulpenstrauß ist. Das Ganze reklamiert Koons als Geste der Freundschaft zweier Völker, die – wie in solchen Fällen üblich – von Sammlern und Mäzenen durchfinanziert ist. Frei nach Ovid können wir in diesem Fall festhalten, dass der Brennnessel die Tulpe oft ganz nahe ist.

Ich wünsche Ihnen einen stimmungsvollen Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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