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Morning Briefing Die USA, ein teurer Freund

17.06.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Liebe Leserinnen und Leser,

auch gute Freunde können teure Freunde sein, aber bei den schlechten schmerzt es mehr. Zur zweiten Kategorie zählen derzeit die USA. Zu ihrem „Freundschaftsdienst“ gehört, jeden mit Sanktionen zu bedrohen, der irgendwie etwas mit der Gas-Pipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland zu tun hat. Das gilt für Rückversicherer und Caterer genauso wie für den Bürgermeister der Rügen-Stadt Sassnitz, zu der der Hafen von Mukran gehört – von hier sollen bald die letzten Verlegearbeiten beginnen.

Der Bürgermeister glaubt, bald nicht mehr die US-Partnerstadt Port Washington besuchen zu können: „Es sollen auch persönliche Sanktionen ausgesprochen werden.“ Die Telekom schließlich befürchtet – ein anderer Fall – mindestens drei Milliarden Euro Kosten, wenn Huawei auf US-Druck hin vom Netzausbau ausgeschlossen werden sollte. Auf einmal sieht es aus, als seien die USA Gift fürs Geschäft.

Quelle: dpa
Audi-Werk in Neckarsulm

Die Supermacht aus Amerika mag zuletzt ein wenig adipös, auch innerlich zerrissen gewirkt haben – vor ihrem langen Arm sind dennoch viele nicht sicher. So zum Beispiel all jene, die in Zeiten von „Dieselgate“ mit der Dieselmotorenentwicklung bei Volkswagen zu tun hatten. Jetzt haben die US-Behörden Axel Eiser, einst Manager der VW-Tochter Audi, in Kroatien in Haft genommen. Er war Anfang 2019 von den US-Strafverfolgern angeklagt worden. Offenbar wurden dem 59-Jährigen, der zuletzt als selbstständiger Consultant unterwegs war, die verschärften Kontrollen während der Corona-Zeit zum Verhängnis, schreiben die Kollegen. Neben ihm werden noch drei weitere Ex-Top-Audianer von den USA verfolgt. Reisen bildet – in diesem Fall Gefahren.

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    Er ist streitbar wie nur wenige deutsche Unternehmer und legt sich nun sogar mit der Bundesregierung an: Heinz Hermann Thiele, der Patron von Knorr-Bremse in München. In seinem Verdruss über den geplanten Zwanzig-Prozent-Einstieg des Staates bei der Lufthansa kauft der 79-Jährige dazu: Sein Anteil steigt von 10 auf 15 Prozent. Er will den ganzen staatlichen Rettungsplan für die Airline nachverhandeln – eine Woche vor der außerordentlichen Hauptversammlung am 25. Juni. Dort könnte er die nötige Zweidrittelmehrheit für den Bund blockieren. „Ich hoffe“, sagt Thiele der „Frankfurter Allgemeinen“, „dass noch im Vorfeld etwas bewirkt und in Bewegung gebracht werden kann.“

    Quelle: dpa
    Philipp Amthor zieht sich aus dem Amri-Untersuchungsausschuss zurück.

    Auf Aufstieg programmiert war Philipp Amthor in der CDU und in der deutschen Politik. Nun kommt ein ungewöhnlicher Schritt in der Shootingstar-Saga des 27-Jährigen: Er zieht sich aus dem Untersuchungsausschuss zum Anschlag am Berliner Breitscheidplatz zurück. Sonst wäre die dortige Befragung des einstigen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen auch allzu pikant geworden – der Parteifreund ist just bei jener ominösen New Yorker Firma Augustus Intelligence aktiv, für die Amthor als Lobbyist auffiel. Zum „Buddy-Gate“ gibt es am Freitag eine Aktuelle Stunde im Bundestag.

    Besorgt schauen Virologen auf neue Infektionsfälle in China. In der Hauptstadt Peking haben Behörden die zweithöchste Gefahrenstufe ausgerufen. Schüler bleiben von heute an zuhause und werden online unterrichtet, viele Arbeitnehmer verweilen im Homeoffice. Wochenlang meldete die Volksrepublik kaum neue Fälle, dann aber kam es vorige Woche zu einem neuen Viren-Ausbruch auf Pekings Großmarkt Xinfadi, der die Metropole mit Obst und Gemüse versorgt.

    Nachdem seit vergangenem Donnerstag über 100 neue Infektionen aktenkundig wurden, sind nunmehr einige Wohngebiete komplett abgeschottet. Reisende werden verschärft kontrolliert. Peking befinde sich in einer „kritischen Situation“, sagt der örtliche Chef der Kommunistischen Partei. An eine völlige Abriegelung wie einst in Wuhan sei jedoch nicht zu denken.

    Kritik an der Corona-Politik von Donald Trump wiegt so schwer wie Majestätsbeleidigung - und führt, falls möglich, zum Verlust des Arbeitsplatzes. Das musste die renommierte TV-Journalistin Amanda Bennett erfahren, die nun als TV-Direktorin des Staatssenders „Voice of America“ entnervt aufgab. Ihre Berichterstattung hatte der US-Präsident als chinesische Propaganda verunglimpfen lassen. Auch Bennetts Stellvertreterin demissionierte - beide verteidigten in einem Schlussakt die journalistische Unabhängigkeit des Senders. Da Trump einen Intimus zum Chef der staatlichen Medienbehörde gemacht hatte, wäre der Rauswurf der Journalistinnen nur eine Frage der Zeit gewesen. Washington ähnelt da dem Budapest des Viktor Orbán.

    Quelle: Getty Images
    Douglas-Chefin Tina Müller kehrt am 1. Juli an den Arbeitsplatz zurück.
    (Foto: Getty Images)

    Und dann ist da noch die Douglas-Chefin Tina Müller, die nach überstandener Krankheit und Reha am 1. Juli an den Arbeitsplatz zurückkehrt. In zweieinhalb Jahren hat die Unerschrockene bei der Parfümeriekette so sehr gewirbelt und umgebaut, dass sie vom „Manager Magazin“ – sehr zu ihrem Kummer – als „Deutschlands härteste Managerin“ vorgeführt wurde.

    Nun bekommt sie mit Handelsexperten Michael Keppel einen noch etwas härteren „Chief Restructuring Officer“ (CRO) an die Seite gestellt – wie man Sanierer, die Filialen schließen, halt so nennt. Nach einem Umsatzschwund um zehn Prozent und 51 Millionen Euro Verlust dürfte vor allem der von einem Börsengang schwärmende Haupteigner CVC Capital Handlungsbedarf sehen. Der neue CRO handelt ganz nach einem alten Douglas-Slogan: „Come in and find out.“

    Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag. Fußballfans des FC Bayern dürften ihn im Hochgefühl der gestern erreichten achten deutschen Meisterschaft in Folge absolvieren. Die Wende, die die Münchener nach missratenem Start schafften, wünscht man sich der deutschen Wirtschaft.

    Es grüßt Sie herzlich Ihr

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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