Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Die Weltwirtschaft leidet aktuell unter Kreislaufschwäche

24.06.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

es sind vier Worte, die Entscheider in der Wirtschaft genauso gern sagen wie Entscheider in der Politik: „We have a deal!“ oder auch „It’s a deal!“ Ein „Deal“ gilt nun einmal als Ausweis höchster Kunstfertigkeit in stressigen Verhandlungen. US-Präsident Joe Biden präsentiert sich jetzt erneut stolz als ein solcher Dealmaker. Beim Gezerre um Hunderte von Milliarden Dollar für Infrastruktur-Maßnahmen erreicht er eine Einigung seiner Demokraten mit den oppositionellen Republikanern.

Biden spricht von „ernsthaften Kompromissen“ – aber noch lieber davon, dass rund um die Modernisierung von Brücken, Straßen, Flughäfen und Nahverkehr „Millionen amerikanischer Jobs“ entstünden. Schon Hermann Hesse wusste: „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.“

Es gibt deutsche Traditionsunternehmen, in denen ist die Zukunft geregelt wie ein Schaltplan. Das Hauptwort dazu: Kontinuität. Bosch aus Stuttgart war stets ein Beispiel dafür. Da wirkt es fast wie ein Störfall, oder sagen wir wie eine Disruption, dass beim aktuellen Generationswechsel CEO Volkmar Denner, 64, nicht einfach – wie seine Vorgänger – Aufsichtsratschef wird und persönlich haftender Gesellschafter der Robert Bosch Industrietreuhand, wo 93 Prozent der Stimmrechte liegen.

Quelle: Wolfram Scheible, AFP/Getty Images, Bosch [Montage]
Volkmar Denner (l.) und Stefan Hartung: Der Führungswechsel an der Bosch-Spitze wurde langfristig vorbereitet.
(Foto: Wolfram Scheible, AFP/Getty Images, Bosch [Montage])

Nein, nach dem Farewell Ende 2021 will sich der Physiker der Quantentechnologie widmen: „Ich bin mit Leib und Seele Wissenschaftler“, sagt er meinem Kollegen Martin Buchenau. In die Kontroll-Rollen, bisher von Franz Fehrenbach, 71, wahrgenommen, folgt stattdessen Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer. Neuer Vorstandschef schließlich wird Ex-McKinsey-Berater Stefan Hartung, 55, Leiter der Mobilitätssparte. Das wiederum war genauso erwartet worden.

Grafik

In unserem Wochenendtitel berichten wir auch über schädliche Bergkiefernkäfer in Kanada, die Havarie des Containertankers „Ever Given“ im Suez-Kanal und Nachfrageschübe nach Vorprodukten, ausgelöst durch ehrgeizige Produktionspläne wie bei Airbus. Den drei Ereignissen ist gemein, dass sie auf eine aktuelle Kreislaufschwäche der Weltwirtschaft weisen: Lücken in den Lieferketten.

Die sind im Stresstest. Vieles ist knapp in diesen Monaten und deshalb auch ungewöhnlich teuer: Holz, Stahl, Dämmmaterial, Mikrochips, Grafikkarten, Frachtschiffe. Tiefere Ursachen sind Erderwärmung und Corona-Folgen. So haben wir also auf einmal eine Mangelwirtschaft, die wir bislang nur aus dem Kapitel „DDR“ der Wirtschaftsschulbücher kannten.

41 Minuten Hauptversammlung, das ist in dieser radikalen Kürze wohl eine Weltrekordzeit – vor allem weil es sich um ein bekanntes Börsenunternehmen handelt. Aber beim virtuellen Treffen von Curevac in Tübingen gestern war eine Fragerunde der Aktionäre nicht zugelassen. Also bitte, es reicht doch, wenn sie ihr Geld geben, die Gedanken dazu sind verzichtbar. Vielleicht dominierte ja auch die Furcht, zu viele könnten fragen, warum dem Corona-Impfstoffkandidaten CVnCoV im Test magere 47 Prozent Wirksamkeit bescheinigt wurden. Oder wie es sein könne, dass der Aktienkurs um 40 Prozent fiel. Aufsichtsrat und Vorstand waren mit ihren optimistischen Durchhalteparolen nur zu hören, nicht zu sehen – noch ein Spezialpunkt dieses Geistertermins.

Was versprechen die Parteien in Wahlkampf? Was ist davon zu halten?

Nachdem auch CDU und CSU am Anfang der Woche geliefert haben, bietet sich eine Synopse der einschlägigen Parteiprogramme zur Bundestagswahl an. Wir vergleichen auf vier Seiten die Konvolute der Wünsche und Verwünschungen.

  • Steuern: Union und FDP schließen jegliche Steuererhöhungen aus (es soll ja nach unten gehen), Grüne, SPD und Linke wollen dagegen Gutverdiener und Reiche stärker zur Kasse bitten.
  • Altersgeld: SPD und Grüne locken mit künftig mindestens 48 Prozent Rentenniveau, die Linke sogar mit 53 Prozent. Die Union rät zu perspektivischen „Haltelinien“. Und: FDP, Union und die Grünen wollen eine neue kapitalgedeckte Säule.
  • Gesundheit: Union und FDP halten am Status quo aus gesetzlicher und privater Krankenkasse („Gesundheitskasse“) fest, SPD und Grüne plädieren für eine Bürgerversicherung.
  • Energie/Klima: Alle wollen der Industrie beim Klimaschutz helfen und erneuerbare Energien schneller ausbauen; die Grünen sprechen von „einer Million neuer Solardächer in den kommenden vier Jahren“. Die FDP setzt auf steigende CO2-Preise, die fossile Energien völlig unattraktiv machen.
  • Arbeit: Zwölf Euro Mindestlohn, Recht auf Homeoffice und weitgehende Abschaffung der Minijobs bei Rot-Grün, weiter mit flexiblen Arbeitsverhältnissen bei der Union. Die wollen die Zeitarbeit im Verbund mit der FDP sogar erleichtern.
  • Digitalisierung: Union und FDP sind für ein Digitalministerium, SPD und Grüne nicht. Alle wollen schnelles Internet.

Irgendwann wird es die Pläne der Parteien wahrscheinlich in einer Matrix auf einen Blick geben, so wie die Fußballspiel-Übersicht auf den Faltblättern zur „Euro 2020“.

30 Jahre lang lebte Christian Haub in den USA, weit weg vom ökonomischen Zentrum seiner Familie, die Tengelmann dirigierte. Nun ist alles ganz anders. Nach der Todeserklärung seines ältesten Bruders Karl-Erivan („Charly“), der von einer Skitour nicht wiederkam, übernimmt er dessen Anteile für geschätzte 1,3 Milliarden Euro von den Erben. Der in München lebende CEO ist damit mit 68,7 Prozent in der Mehrheit im Beteiligungsunternehmen (Obi, Kik, Babymarkt, Immobilienfirma Trei), aber ganz ohne Einfluss ist der verbleibende Bruder und Mitgesellschafter Georg wiederum auch nicht.

Das könnte noch eine Rolle spielen bei der Finanzierungsart des Deals. Jedenfalls ist unter der viel beachteten Mitwirkung der Anwälte Mark Binz (für Christian Haub) und Peter Gauweiler (für Witwe Katrin und ihre Kinder) fürs erste die Beilegung eines hässlichen Familienstreits geglückt.

Mein Kulturtipp zum Wochenende: „Nomadland“, oscar-prämierter Film von Chloé Zhao. Jetzt, wo Kinos wieder geöffnet sind und womöglich Regen die Sommerlust beeinträchtigt, drängt sich dieses On-the-road-Meisterwerk auf. Im Mittelpunkt die wie stets eindrucksvolle Frances McDormand als Fern, eine Frau, die alles verloren hat: Mann, Arbeit, Haus – und das in einem Nevada-Nest namens „Empire“. Nun zieht sie als Wanderarbeiterin des Turbo-Kapitalismus im abgewrackten Kleinbus durch die USA, von Job zu Job, eine unter vielen modernen Nomaden.
Die Wahrheit der Frau Fern: „Ich bin hauslos, aber nicht heimatlos.“

Und dann ist da noch Rudy Giuliani, der es als New Yorker Bürgermeister zwischen 1994 und 2001 schaffte, die Kriminalitätsrate entscheidend zu senken. Als juristischer Intimus des Präsidenten-Wüterichs Donald Trump aber verspielte er seinen Ruf – und nun auch seine Anwaltslizenz. Die hat ein New Yorker Gericht ausgesetzt. Giuliani habe rund um den Wahlkampf 2020 „nachweislich falsche und irreführende Aussagen gegenüber Gerichten, Gesetzgebern und in der Öffentlichkeit gemacht“.

Die Ohrfeige gilt vor allem der Kampagne des 77-jährigen Consigliere, Trump sei aufgrund eines Stimmenraubs der Demokraten um den eigentlichen Wahlsieg gebracht worden. Beweise sind Fehlanzeige. Mit Oscar Wilde finden wir: „Das wahre Mysterium der Welt ist das Sichtbare, nicht das Unsichtbare.“
Ich wünsche Ihnen ein entspannendes, fröhliches Wochenende.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr
Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren:

Morning Briefing: Alexa
Startseite
0 Kommentare zu "Morning Briefing : Die Weltwirtschaft leidet aktuell unter Kreislaufschwäche"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%