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Morning Briefing Donald Trump gibt nach

24.11.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

das politische Amerika lebte zuletzt in zwei Parallelwelten. In der einen verwandelte Donald Trump das Weiße Haus in einen Bunker gegen das hässliche Wort „Realität“, versammelte die letzten Getreuen um sich, denen manchmal so etwas wie Haarfärbemittel über den Kopf lief, sann über ein Comeback 2024 nach und erklärte mal wieder der Volksrepublik China den Wirtschaftskrieg. In der anderen Welt sprach ein US-Bundesstaat nach dem anderen – zuletzt Michigan – dem Demokraten Joe Biden den Wahlsieg zu, der wiederum mit stündlichen Nachrichten aufwartete, wer welche wichtigen Ressorts in seinem kommenden Kabinett besetzen wird. Die Parallelwelten endeten vor einigen Stunden, als Trump tatsächlich die Amtsübergabe einleitete.

Die Erkenntnis: Sieht ganz so aus, als käme er am Wahlmänner-Ergebnis von 232:306 nicht vorbei.

Quelle: AFP
Als neue US-Finanzministerin ist Janet Yellen gesetzt, einst Chefin der Notenbank Fed. Die Nachricht führte prompt zu einem kleinen Kurshüpfer an der Wall Street.
(Foto: AFP)

Bidens Führungsteam zeichnet aus, dass hier Loyalisten und qualifizierte Handwerker ihres Fachs zugange sind. Es schwingt die Hoffnung mit, die Fluktuationen mögen doch geringer ausfallen als in den vier Chaos-Jahren mit Trump. Bidens Botschaft zum Nachlesen, wenn es auch mit ihm mal schwierig werden sollte: „Gemeinsam werden wir die Welt versammeln, um unseren gemeinsamen Herausforderungen zu begegnen – Herausforderungen, die keine Nation allein bewältigen kann.“

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    • Als neue Finanzministerin ist Janet Yellen, 74, gesetzt, einst Chefin der Notenbank Fed. Die Nachricht führte prompt zu einem kleinen Kurshüpfer an der Wall Street.
    • Das Amt des Außenministers übernimmt Antony Blinken, 58, einst Bidens Sicherheitsberater und unter Barack Obama Vize-Außenminister.
    • Der einstige Außenminister und Präsidentschaftskandidat John Kerry, 76, wiederum wird zum Klimabeauftragten ernannt.
    • Mit Alejandro Mayorkas, 61, gibt es erstmals einen hispanischen Minister für Heimatsicherheit.
    • Nationaler Sicherheitsberater dürfte Jake Sullivan, 43, werden, der diese Funktion in Obama-Jahren auch schon bekleidet hat.
    • Die Afroamerikanerin Linda Thomas-Greenfield, 68, einst Botschafterin in Liberia, ist als Botschafterin bei der UN vorgesehen.
    • Und noch eine Premiere gibt es an der Spitze der Nachrichtendienste („Director of National Intelligence“): Dort taucht die Ex-Obama-Beraterin Avril Haines, 51, auf.

    Dieses Kabinett wird – wenn man so will – geprägt von ganz viel Obama-Care. Das Motto könnte lauten: „Keine Experimente“ wie bei Adenauer oder „Safety first“ wie bei guten Kinderwägen.

    Viel Respekt in der Finanzgemeinde hat sich Bert Flossbach erworben, Mitgründer des expansiven Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch. Im Handelsblatt-Gespräch schwärmt der 59-Jährige von Aktien. Im Einzelnen sagt der bekannte Fondsmanager über…

    • …die Geldpolitik: „Es gibt kein Zurück mehr zu normalen Zinsen. Nicht ohne gewaltige Kollateralschäden, etwa den Zusammenbruch des Immobilienmarktes. Niemand, kein Notenbanker oder verantwortlicher Politiker, wird das riskieren wollen.“
    • …Wertpapiere: „Aktien bieten Wachstum, regelmäßige Erträge über Dividenden und Inflationsschutz. Aktien sind – nach vorn blickend – die mit Abstand wichtigste Anlageklasse.“
    • …Wirecard: „Abgeschreckt hat uns vor allem die undurchsichtige Unternehmensstruktur. Wenn die Ertragsentwicklung so gar nicht kalkulierbar ist, dann ist die Aktie eben nur ein Lottoschein. Und auf Glück allein wollen wir uns nicht verlassen.“

    Als Lottoannahmestelle mag man sich eine Finanzfirma auch nicht vorstellen, die vor zwölf Jahren erst zwei Milliarden Euro verwaltet hat, heute aber schon auf 63 Milliarden kommt.

    Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
    Mareike Müller erhielt den Ferdinand-Simoneit-Nachwuchspreis für ihre Kryptowährung-Reportage „Gramowskis Maschinen“. Die Finanzredakteurin des Handelsblatts hat sie während einer Hospitanz bei der Wochenzeitung „Die Zeit“ recherchiert.
    (Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

    „2020 war kein einfaches Jahr für den Journalismus“, sagt Miriam Meckel. Corona habe die Hauptaufgabe von Journalisten erschwert, nämlich „in die Welt gehen, recherchieren, was geschieht, und darüber berichten“, so die Vorsitzende der Jury für den Georg von Holtzbrinck Preis für Wirtschaftspublizistik. Von den Erschwernissen der Zeit zeugt auch die Tatsache, dass die für heute Abend angesetzte Feier für die Gewinner nachgeholt werden muss. In der Kategorie Text siegten Astrid Viciano und Michele Catanzaro mit der Reportage „Der Wert des Lebens“, erschienen in der „Süddeutschen Zeitung“ – ein Stück über die Frage, wie teuer Medizin ist und sein darf. In der Kategorie Audiovisuell entschieden sich die Juroren für die ARD-Dokumentation „Goldgrube Bauland – das große Geschäft mit Grund und Boden“, in der Hans-Jochen Vogel noch einmal einen großen Auftritt hatte.

    Den Ferdinand Simoneit Nachwuchspreis schließlich erhielt Mareike Müller, 29, für ihre Kryptowährungs-Reportage „Gramowskis Maschinen“. Die Finanzredakteurin des Handelsblatts hatte sie während einer Hospitanz bei der Wochenzeitung „Die Zeit“ recherchiert. Glückwünsche!

    Er war ein scherzender Begleiter beim Erwachsenwerden der Republik – einer, der die Anarcho-Späße seiner Jugend bei „Insterburg & Co“ später in Blödelei-Energie beim deutschen Privatfernsehen umwandelte. Und so wurde der Bühnen-Zampano Karl Dall mit „Dall-As“ bei RTL nach 1985 erst recht bekannt, später durfte er auch bei Sat1 und Tele5 unterhalten. Mit seiner Selbst-Persiflage fasste der Pointensetzer auch im Musikgeschäft richtig Fuß – und machte „Diese Scheibe ist ein Hit“ tatsächlich zum Hit. Dalls Sprüche waren legendär, etwa als er die „Wildecker Herzbuben“ als „Wildecker Speckbuben“ bezeichnete. Er konnte es auch filigraner: „Ein guter Verlierer ist ein ungewählter Politiker, der sich geschickt ausdrückt.“ Der Komiker Karl Dall ist am Montag im Alter von 79 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.

    Auch im hohen Alter beweist Alexander Kluge eine bemerkenswerte Produktivität. Der Lesen-Hören-Sehen-Tipp des Tages gegen die Lockdown-Langeweile ist sein hundertminütiges Hörspiel „Das neue Alphabet“, entstanden unter Regie von Karl Bruckmaier, zuerst gesendet im Bayerischen Rundfunk. Der 88-jährige Rechtsanwalt, Philosoph, Schriftsteller und Filmemacher Kluge schildert dabei den Sirenengesang bei Odysseus und springt von Homer dann rasch ins Silicon Valley: Dort säßen die Sirenen der Gegenwart und beeinflussten unser Leben derart, dass uns hier nur Poesie retten kann. In dieser Collage der Momente sind viele Hörspielsplitter zu erleben, die Kluge selbst, aber auch etwa Helge Schneider oder Katja Bürkle sprechen. Wem das zu viel werden sollte, dem gibt Kluge Rat: „Ich schließe die Augen, konzentriere mich darauf, was ich innen sehe.“

    Quelle: dpa
    Dem österreichischen Geschäftsmann Dietrich Mateschitz wurden wegen seiner 49-Prozent-Beteiligung an Red Bull 343 Millionen Euro Dividende für 2019 ausgezahlt.

    Und dann ist da noch der österreichische Geschäftsmann Dietrich Mateschitz, den seine 49-Prozent-Beteiligung am Getränkedosenimperium Red Bull zu immer neuen Vermögenshochlagen beflügelt. Ihm wurden jetzt 343 Millionen Euro Dividende für 2019 ausgezahlt, die Familie des thailändischen Gründers Chaleo Yoovidhya kassierte 211 Millionen. Marketingexperte Mateschitz, früher mal in Mainz bei Blendax aktiv, ist dank seines Einstiegs 1987 bei Red Bull zum reichsten Österreicher geworden. Der 76-Jährige gönnt sich und den anderen dafür ein weitgespanntes Entertainment-Reich, mit Fußball, Eishockey, Extremsport, Formel 1, Fernsehen und Büchern. Einer seiner Sprüche taugt für jede Corona-Analyse: „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht mehr ernst.“

    Ich wünsche Ihnen einen inspirierenden Tag.

    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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