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Morning Briefing Donnerschlag bei Unicredit

01.12.2020 - 07:16 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

in den vergangenen vier Jahren hat der Franzose Jean-Pierre Mustier in Mailand bei der Großbank Unicredit mit einer gewissen Radikalität gefuhrwerkt. Der 59-jährige gelernte Investmentbanker kappte Kosten und schlug den Vermögensverwalter Pioneer genauso los wie die Fineco-Bank. Aber verkaufen ist nun mal etwas anders als kaufen, Geld machen besser als Geld ausgeben.

Der Franzose verlässt Unicredit. Quelle: AFP
Jean-Pierre Mustier

Der Franzose verlässt Unicredit.

(Foto: AFP)

Und so brachte seine Weigerung gegenüber der Regierung in Rom, die verstaatlichte Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena zu akquirieren, den erzwungenen Abschied von Unicredit. Im Verwaltungsrat wurde offenbar der Plan auch kritisch gesehen, die deutsche Tochter HypoVereinsbank an die Börse zu bringen, so die „Financial Times“. Jedenfalls sind die Konzern-Aufseher fast erleichtert, dass der überaus selbstbewusste Mustier spätestens im April das Vorstandschefbüro freimacht. Erst im Februar hatte er einem Ruf an die Spitze von HSBC widerstanden.

Die Welt des Richard Lutz ist im Vergleich zu diesen Verhältnissen ziemlich von Angst geprägt. Corona schlägt bei der von ihm gelenkten Deutschen Bahn voll durch – bis 2024 werden dem Staatsbetrieb rund 9,6 Milliarden Euro fehlen. Keine schöne Botschaft des CEO, genauso wenig wie die Ermittlung von 32 Milliarden Gesamtverschuldung. In diesem Jahr melden die rollenden Züge des Richard Lutz einen Rekordverlust von 5,6 Milliarden. Erst 2022 soll sich das Minus, mit dann steigenden Passagierzahlen, wieder erhöhen. Eines aber soll partout vermieden werden: eine Vollbremsung wie nach 2009. Man will sich diesmal die Wachstumschancen nicht wegsparen. Zu Weihnachten lockt Vorsteher Lutz die Kunden mit Zusatzzügen.

So viel Bedeutung hatte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff nie. Er will einfach den von ihm mit allen anderen Landesvätern und Landesmüttern unterschriebenen Rundfunkstaatsvertrag wieder aufbohren und nachverhandeln, begründet auch mit der Coronakrise – und die für 15. Dezember vorgesehene Abstimmung vertragen. Da würde im Landtag seine CDU wohl zusammen mit der AfD gegen den Kontrakt mit der erstmaligen Erhöhung des Rundfunkbeitrags um 86 Cent auf 18,36 Euro stimmen. Haseloffs Auszeit würde das Aus für den in 14 von 16 Ländern schon genehmigten Vertrag bedeuten, der zum 1. Januar in Kraft treten sollte.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident will einfach den Rundfunkstaatsvertrag wieder aufbohren. Quelle: dpa
Reiner Haseloff

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident will einfach den Rundfunkstaatsvertrag wieder aufbohren.

(Foto: dpa)

Der Vorstoß sei „gekünstelt“ und würde augenscheinlich nicht verfassungsrechtlichen Vorgaben entsprechen, sagt Top-Jurist Bernd Holznagel. Eine mögliche Erklärung mangelnder „Sozialverträglichkeit“ sei genau zu begründen, so der Professor aus Münster. Man könne nicht einfach die Grundversorgung der Bürger mit Informationen abdrehen so wie die Stadtwerke die Wasserlieferung bei Zahlungsproblemen. Juristisch sei Haseloffs Vorgehen als „Unterlassung“ zu werten.

So sind die arg überfordert wirkenden Politiker Haseloff und sein Staatskanzleichef Rainer Robra dabei, eine Staats- und Verfassungskrise herbeizuschaffen. Schon ist aus den Ländern Bremen und Saarland zu hören, dass sie im Falle eines Magdeburger Boykotts nach Karlsruhe zögen – ohne mehr Geld wären die Funkhäuser in Bremen und Saarbrücken nicht überlebensfähig.

Und auch dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) würden plötzlich 150 Millionen Euro fehlen, die er sich sich zum Leidwesen der CDU auch in Sachsen-Anhalt zusammensparen müsste. Heute trifft die „Kenia-Koalition“ der CDU mit SPD und Grünen zur Krisensitzung zusammen – vielleicht die letzte dieser Art.

Unter den zwei Turnschuhherstellern aus Herzogenaurach ist Puma die kleinere Firma. Aber im Gegensatz zu Adidas ist sie zuletzt in der Coronakrise deutlich stärker gewachsen. Und: Während die Drei-Streifen-Marke nur eine Notbesetzung in der fränkischen Zentrale hat, freut sich Puma-CEO Björn Gulden über reges Treiben im Hauptquartier: „Dass die Leute nie ins Büro kommen, ist für mich unvorstellbar.“ Der Chef der Sportfirma, die noch im Dunstkreis der Familie Pinault angesiedelt ist, erklärt im Einzelnen über..

  • ...die aktuelle Corona-Lage: „Das Geschäft ist immer noch überraschend gut, aber die Unsicherheit für die nächsten Wochen ist sehr groß aufgrund der zweiten Welle. 2020 ist ein verlorenes Jahr. Die Pandemie hat bestehende Trends beschleunigt, zum Beispiel, dass wir viel regionaler arbeiten müssen. Ich nenne das gerne ,Glocal‘.“
  • ...staatliche Finanzhilfen im Frühjahr: „Wir haben eine Kreditlinie aufgenommen über 900 Millionen Euro, an der die KfW mit 600 Millionen beteiligt war. Das war eine Art Lebensversicherung. Von dieser Kreditlinie haben wir noch keinen Cent benutzt. Wenn ein Ende der Coronakrise absehbar ist, werden wir sie sicherlich durch andere Finanzierungen ablösen.“
  • ...Videodienste als Reisenersatz: „Es ist furchtbar für mich, nicht nach Amerika oder China fahren zu können. Du kriegst die Stimmung nicht aus der Ferne mit. Das lässt sich nicht mit einem Videocall ersetzen.“

Das wahre Leben fängt eben „out of Herzogenaurach“ erst an.

Ein bewegtes und bewegendes Jahr geht dem Ende zu. Wissen Sie noch, was im Januar 2020 wichtig war? Welcher Politiker schon zu Beginn der Corona-Pandemie sagte: „Wir sind im Krieg“? Womit verdient Europas jüngstes Einhorn sein Geld, und welche deutsche Regisseurin gewann den renommierten US-Fernsehpreis Emmy? Testen Sie Ihr Wissen im großen Handelsblatt-Quiz. Bis Heiligabend stellen wir Ihnen online jeden Tag drei Fragen aus den Bereichen Politik, Finanzen und Unternehmen – vielleicht gehören Sie ja zu den Gewinnern des Jahres. Hier geht es zum Quiz.

Und dann ist da noch Fußballbundestrainer Joachim Löw, für den einfache Gesetze aus der Wildbahn der Wirtschaft nicht gelten. Wo jeder CEO eines Mittelständlers nach zwei Flopjahren und mehreren vergeigten Kundenauftritten sein Büro räumen muss, darf der 60-Jährige wie gehabt weitermachen. Trotz des Fiaskos der Nationalelf bei der WM 2018 in Russland sowie den Fehltritten bei der „Nations League“, zuletzt gab‘s ein 0:6 gegen Spanien, sprach der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ihm endgültig das Vertrauen aus.

Der Bundestrainer bekommt noch eine zweite Chance. Quelle: dpa
Joachim Löw

Der Bundestrainer bekommt noch eine zweite Chance.

(Foto: dpa)

Er werde „alle nötigen Maßnahmen ergreifen, um mit der Mannschaft eine begeisternde Europameisterschaft 2021 zu spielen“, verlautbarte es. Das Presseecho deutet auf weitere Imageschädigungen des DFB hin. Von einem „Armutszeugnis“, schreibt „Bild“, vom „rätselhaften Vertrauen“ die „Frankfurter Allgemeine“ und die „Süddeutsche“ kommentiert, der DFB habe „eine Großchance vergeben“.

Ich wünsche Ihnen einen faszinierenden Tag.

Es grüßt Sie herzlich
Ihr

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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