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Morning Briefing Drohbrief aus Amerika

07.08.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Quelle: dpa
Jens Spahn beschäftigt die Angst vor einer möglichen zweiten Infektionswelle: Für Einreisende aus Risikogebieten verhängte der Bundesgesundheitsminister eine Testpflicht.

Liebe Leserinnen und Leser,

Prognosen über die weitere wirtschaftliche Entwicklung haben in diesen unsicheren Zeiten nur eine Halbwertszeit von wenigen Tagen. Doch wenn sich die Auftragsbücher der deutschen Industrie nach dem Ende des Lockdown in Rekordgeschwindigkeit füllen, kann man das nur als positives Signal werten. Im Juni legten die Auftragseingänge um fast 28 Prozent zu – so viel wie nie zuvor. Vor allem die Autoindustrie profitiert von dem enormen Nachfrageschub. In der wichtigsten deutschen Branche liegen die Auftragseingänge bereits wieder bei 90 Prozent des Vorkrisenniveaus. „Made in Germany“ meldet sich eindrucksvoll zurück.

Mit einer so dynamischen Gesundung der deutschen Wirtschaft haben nicht einmal die kühnsten Ökonomen gerechnet. Jetzt wächst die Hoffnung, dass die Konjunktur wie ein „V“ verlaufen könnte – dass also nach dem schweren Absturz der Wirtschaft in der Coronakrise eine schnelle Erholung folgt. Doch mit Blick auf die weltweit steigenden Neuinfektionen ist weiter Vorsicht geboten. Lars Feld, Vorsitzender der Wirtschaftsweisen, warnt vor zu viel Euphorie: „Eigentlich ist der Aufschwung schon da. Wir müssen nur dafür sorgen, dass er nicht durch eine zweite Infektionswelle abgewürgt wird und insgesamt dynamisch ausfällt.“

Die Angst vor einer möglichen zweiten Infektionswelle beschäftigt auch Jens Spahn. Der Bundesgesundheitsminister sieht es als seine vorderste Aufgabe an, einen unkontrollierten Anstieg der Infektionszahlen in Deutschland zu verhindern. Für Einreisende aus Risikogebieten verhängte Spahn gestern eine Testpflicht auf Corona. Sie gilt ab Samstag.

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    Der CDU-Politiker begründete die Maßnahme so: „Wir leben nicht in normalen Zeiten, die Pandemie ist noch nicht vorbei.“ Und: „Mir ist sehr bewusst, dass es ein Eingriff in die Freiheit des Einzelnen ist.“ Er halte den Eingriff aber mit Blick auf die Verantwortung für andere für zumutbar.

    Mit allzu großem Protest muss der ehrgeizige Minister nicht rechnen. In einer Umfrage für den ARD-DeutschlandTrend befürworten 93 Prozent der Deutschen die Einführung einer Testpflicht. Es wird kein Zufall sein, dass Spahn just an dem Tag seine Entscheidung verkündet, an dem die für ihn positiven Ergebnisse der Umfrage bekannt werden. Das Muster kommt den kundigen Politikbeobachtern bekannt vor. Es war Angela Merkel, die ihre politischen Positionen immer wieder von der Meinung des Volkes überprüfen ließ.

    Jens Spahn scheint von der Langzeitkanzlerin einiges gelernt zu haben. Goethe kommt einem in den Sinn: „Ein jeglicher muss seinen Helden wählen, dem er die Wege zum Olymp hinauf sich nacharbeitet.“ 

    Quelle: dpa
    Drohen mit Sanktionen gegen Sassnitz: Zur Durchsetzung der Trumpschen „America first“-Politik im Zusammenhang mit der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 ist den USA jedes Mittel recht.

    Frontalangriff aus den USA: Im deutsch-amerikanischen Streit um den Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 haben drei US-Senatoren die Tonlage deutlich verschärft. In einem drei Seiten langen Brief drohen Ted Cruz, Tom Cotton und Ron Johnson der Geschäftsführung des Fährhafens Sassnitz mit erheblichen Konsequenzen: „Wenn Sie weiterhin Waren, Dienstleistungen und Unterstützung für das Nord-Stream-2-Projekt bereitstellen, zerstören Sie das zukünftige finanzielle Überleben Ihres Unternehmens“, heißt es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt. Der Hafen Sassnitz, seine Geschäftsführer, Anteilseigner und Mitarbeiter müssten mit „rechtlichen und wirtschaftlichen Sanktionen“ rechnen.

    Das wenig diplomatische Vorgehen der US-Senatoren ist so durchsichtig wie egoistisch. Auf der einen Seite warnen die USA vor einer wachsenden Abhängigkeit Deutschlands und Europas von russischen Gaslieferungen. Gleichzeitig lassen die Vereinigten Staaten nichts unversucht, um eigenes Flüssiggas nach Europa verkaufen zu können. Zur Durchsetzung der trumpschen „America First“-Politik ist den USA offenbar jedes Mittel recht. Berlin und Brüssel sollten sich von dem unangemessenen Getöse aus Washington nicht beirren lassen. Außenpolitische Konflikte lassen sich nicht vermeiden, wenn man die nationale Souveränität verteidigen will.

    Handelsblatt-Titelseite vom Freitag

    Aktien sind so teuer wie lange nicht, die Renditen von Anleihen im Keller. Doch mit den richtigen Einzelwerten und Fonds können Anleger auch jetzt noch Gewinne machen. In der aktuellen Titelgeschichte „Rettungsplan für Ihr Vermögen“ zeigen die Geldexperten des Handelsblatts sichere Wege aus dem vermeintlichen Anlage-Notstand auf.

    Meine Kollegen sind überzeugt:  Das Horten von Bargeld oder das Warten auf den nächsten Crash, um dann erneut einzusteigen, sind nicht einmal die zweitbeste Lösung. Wer in dieser unruhigen Zeit Geld verdienen will, muss handeln – nur richtig.

    Und dann ist da noch Marija Kolak. Die Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken ist gestern von Papst Franziskus zum Mitglied des Wirtschaftsrates des Heiligen Stuhls ernannt worden. Die Bankerin wird den Vatikan fortan in ökonomischen Fragen beraten und die finanziellen Aktivitäten des Vatikans überwachen.

    Dass Kolak sich nicht nur für Bankgeschäfte interessiert, hat sie erst kürzlich in einem Interview mit der Börsen-Zeitung bewiesen: „Viele Menschen äußern die Erwartung, dass die Coronakrise uns zu einem Umdenken bringt, wie wir mit den Ressourcen unseres Planeten zukünftig umgehen. Dazu brauchen wir einen breiten öffentlichen Diskurs, wie wir unser Modell der Sozialen Marktwirtschaft weiterentwickeln können, ohne den erwirtschafteten Wohlstand zu gefährden.“

    Vielleicht waren es diese beiden Sätze, mit denen Marija Kolak Papst Franziskus aufgefallen ist. Wie auch immer, Kolaks Berufung ist absolut verdient.

    Ich wünsche Ihnen ein sonniges Wochenende. Ich verabschiede mich für zwei Wochen in den Sommerurlaub. In dieser Zeit übernimmt Hans-Jürgen Jakobs meinen freitäglichen Weckdienst.

    Herzliche Grüße

    Ihr

    Sven Afhüppe
    Chefredakteur

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