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Morning Briefing Durchhalten mit Angela Merkel

03.02.2021 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

rote Stühle, auf denen offenbar schlecht zu sitzen ist. Zwei Journalisten, die in kargen 15 Minuten mit ihren Fragen nicht durchkommen. Eine Kanzlerin, die mehr an Botschaften – „Halten Sie durch!“ – interessiert ist als am Dialog. So sah gestern Abend das nach der „Tagesschau“ schnell ins ARD-Programm gehobene Kammerspiel namens „Farbe bekennen“ aus, dem beides fehlte: Farbe und Bekennen.

Angela Merkels interne Diagnose zum Impfen, dass „uns das Ding entglitten ist“, war hier tabu, weil nicht telegen. Nun war bei der zu späten Bestellung durch die EU „im großen Ganzen nichts schiefgelaufen“. Das Volk nahm mit, dass bis 21. September jeder geimpft sein wird, zufällig fünf Tage vor der Bundestagswahl. Dann aber wartete im Ersten schon der Live-Fußball, der endlich zu seinem teuer erkauften Recht kommen wollte.

Quelle: via REUTERS
Angela Merkel hat in der ARD ein 15-minütiges Interview zu ihrer Corona-Politik gegeben.
(Foto: via REUTERS)

Kanzlerin Merkel hätte gut daran getan, ihre Politik entweder in einer empathischen TV-Ansprache oder in einer längeren Debatte zu erklären, nicht in einer Alibi-Veranstaltung. Einen Moment fragte man sich: Wer fühlt sich hier mitgenommen? Der Friseurmeister mit vier Kindern, dem das Geld ausgeht? Die Kosmetikerin, die ihre letzten Ersparnisse in E-Commerce stecken will? Der Restaurantbesitzer, dem der Vermieter die Miete nicht stunden will? Alle waren mit ihren ausgefeilten Hygienekonzepten keine Pandemie-Treiber.

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    Es ist die Mittelschicht, um die wir in den nächsten Wochen kämpfen müssen: am besten mit Exit-Lockdown-Stufenplänen, wie sie Schleswig-Holstein und Niedersachsen vorgelegt haben, gekoppelt an bestimmte Inzidenzwerte. Nicht das große „Aber!“ ist das Wort der Stunde, sondern das größere „Bald!“ Auch wenn die Corona-Einstufung als „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ über den März hinaus bis Juni verlängert wird. Von Winston Churchill kann man lernen: Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.

    Immer wieder einmal hat Jeff Bezos vom Untergang seines Unternehmens Amazon gesprochen. 2013 zum Beispiel führte er aus: „Firmen haben eine kurze Lebensdauer und auch Amazon wird es eines Tages nicht mehr geben.“ Was es dieser Tage nicht mehr geben wird, ist Bezos als CEO. Er übergibt nach fast 30 Jahren an Andy Jassy, Chef des Cloud-Computing, bleibt aber „Executive Chair“. Der Gründer und Großaktionär, der über den Siegeszug seines E-Commerce-Warenhauses zum reichsten Mann der Welt wurde, lebt nun seine „Day-One“-Philosophie ganz neu: Jeden Tag als Neuanfang zu sehen.

    Verstärkt hält sich Bezos künftig an seine Weltraumfirma Blue Origin, seine Zeitung „Washington Post“ und an philanthropische Projekte. Als Goodbye hinterlässt der 57-Jährige die Erkenntnis, dass ein paar Jahre nach seiner sensationellen Erfindung das Neue normal wird und die Leute gähnen: „Dieses Gähnen ist das größte Kompliment, das ein Investor bekommen kann.“

    Den deutschen Lockdown bezeichnet Patrick Zahn, Chef des Textilfilialisten Kik, im Handelsblatt-Gespräch als „Konjunkturprogramm für Amazon – eine ganze Branche werde zum Schafott geführt. Der Corona-Boom für Amerikas Digitalmonopole hat im Übrigen auch den Google-Mutterkonzern Alphabet weiter aufgepäppelt. Aktivere Werbekunden bescherten ihm zwischen Oktober und Dezember eine Umsatzsteigerung von sagenhaften 23 Prozent, auf 57 Milliarden Dollar. Trotz leichter Verluste im Cloud-Geschäft wuchs der Betriebsgewinn um sechs Milliarden auf knapp 15,7 Milliarden Dollar. Bei so viel Geldfluss stieg die Aktie nachbörslich um fünf Prozent.

    Quelle: dpa
    In Russland wurde der Oppositionsführer Alexej Nawalny zu dreieinhalb Jahren Arbeitslager verurteilt.

    Als „Rechtsstaat“ zeigt Russland seine hässlichste Fratze – und schickt Oppositionsführer Alexej Nawalny für dreieinhalb Jahre ins Arbeitslager. Der Politiker, der in Sibirien vergiftet und in Deutschland behandelt worden war, habe gegen Bewährungsauflagen aus einem früheren Strafverfahren verstoßen. Das Urteil sei „fernab jeder Rechtsstaatlichkeit“, twittert Regierungssprecher Steffen Seibert. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer schreibt: „Erst Nawalny vergiften und ihn dann ins Gefängnis stecken, weil er im Koma liegend Bewährungsauflagen nicht erfüllt? Zynismus pur.“ Im Prozess hatte der Verurteilte den Präsidenten Putin als „Wladimir, Vergifter der Unterhosen“ geschmäht. Aus Furcht vor drohenden Protesten gegen „Archipel Gulag“ wurden markante Plätze Moskaus gestern Abend abgeriegelt.

    Ist Mario Draghi, einst etwas kommunikationsschwacher Präsident der Europäischen Zentralbank, bald zurück auf der großen Bühne? Der Ökonom gilt als erster Kandidat für den Ministerpräsidentenposten einer neuen italienischen Expertenregierung, die Staatspräsident Sergio Mattarella angekündigt hat. Näheres soll heute Nachmittag in Rom besprochen werden. Zuvor waren die Sondierungsgespräche für eine Neuauflage der alten Mitte-Links-Koalition gescheitert. Neuwahlen schließt Mattarella aus. Dann lieber Mario Draghi, whatever it takes.

    Neue Perspektiven für den Kontinent zeigt „Europe 2021“ auf, eine Drei-Tage-Konferenz von „Handelsblatt“, „Die Zeit“, „Tagesspiegel“ und „Wirtschaftswoche“. Zum Start gestern warnte Bundesfinanzminister Olaf Scholz die europäischen Staaten davor, nach Ende der Coronakrise zu schnell auf Sparkurs zu schalten. Dieser „schwere Fehler“ sei nach der Finanzkrise begangen worden, kritisierte Scholz seinen Vorgänger Wolfgang Schäuble. Jetzt müssten überall in Europa die Wachstumsprozesse zur Geltung kommen. Der Sozialdemokrat warnte auch davor, dass Deutschland in Europa „oberlehrerhaft“ oder sogar als Finanzkontrolleur für andere Länder auftritt: „Da rate ich zur Mäßigung“. So agierte Scholz genau genommen selbst wie ein Pädagoge.

    Noch einmal Winston Churchill: Das einzige Gemälde, das der britische Politiker während des Zweiten Weltkriegs malte, steht für rund 2,5 Millionen Pfund beim Auktionshaus Christie‘s zum Verkauf: Den „Turm der Koutoubia Moschee“, 1943 nach der Casablanca-Konferenz in Marrakesch entstanden, bietet Schauspielerin Angelina Jolie an. Sie hatte es 2011 erstanden.

    Quelle: Lilium
    2020 floss bereits eine Milliarde Dollar Risikokapital in Flugtaxi-Firmen.
    (Foto: Lilium)

    Und dann sind da noch die jungen Flugtaxi-Firmen, eine Großhoffnung von Investoren. 2020 floss bereits eine Milliarde Dollar Risikokapital in die Zukunftsbranche. Weltweit arbeiten mehr als 200 Firmen an dem Thema, Ehang aus China ist bereits börsennotiert. Bis 2050 soll das Marktpotenzial sogar auf 90 Milliarden Dollar jährlich anwachsen. Eine Studie des Lufthansa Innovation Hubs, die uns exklusiv vorliegt, hält Joby Aviation aus den USA derzeit für am marktfähigsten.

    Die beiden deutschen Jungfirmen Lilium und Volocopter mischen ebenfalls vorne mit, wenn auch mit Abstrichen. Sie hätten eine „extrem hohe technische Relevanz“, sagt Mitautor Lennart Dobravsky und sieht den Durchbruch für das Fluggerät nahen. Weil es so zukunftsschön ist, enden wir mit Thornton Wilder: „Heutzutage ist kaum etwas realistischer als eine Utopie.“

    Ich wünsche Ihnen einen inspirierenden Tag.

    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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    1 Kommentar zu "Morning Briefing : Durchhalten mit Angela Merkel"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • wann tritt Frau Dr. MERKEL endlich zurück?????? Diese Frau hat zusammen mit Frau Dr. von Leyen nur Schaden in Deutschland verursacht

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