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Morning Briefing Ein Menetekel namens Apple

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,


für manche ist es schon der zweite Arbeitstag im Jahr, für viele noch ein weiterer Urlaubstag. Man vermutet, die Welt mache noch Pause, die stade Zeit verlängere sich also ein wenig. Doch die Verhältnisse sind nicht so. Apple, Ikone der Tech-Zeit und der Aktienfreunde, revidiert schon jetzt spektakulär die Umsatzprognose fürs erste Quartal – eine Folge der „ökonomischen Schwäche“ Chinas und des Handelskonflikts der Volksrepublik mit den USA, wie der Konzern mitteilt. Nur noch 84 Milliarden Dollar werde Apple erlösen (statt bis zu 93 Milliarden), erklärt CEO Tim Cook. Ein Menetekel. Offenbar verkaufen sich auch in vielen westlichen Industriestaaten die neuen iPhone-Modelle nicht so gut wie gedacht. In diesem Apfel steckt ein Wurm.

Und man kann sich nebenbei fragen, wem Donald Trump eigentlich mehr schadet: der Weltwirtschaft oder nicht vielmehr – jenseits aller PR-Show-Akte – der eigenen amerikanischen Wirtschaft.

Quelle: AFP
Chinas Präsident Xi Jinping will die „Wiedervereinigung“ mit Taiwan notfalls auch mit Gewalt erzwingen.
(Foto: AFP)

Es fällt heute auf, dass China gleich mehrmals von sich reden macht. Da ist zum Beispiel die Ankündigung von Staatspräsident Xi Jinping, die Vereinigung mit der Inselrepublik Taiwan (vorher Formosa) nach dem Vorbild Hongkongs energisch voranzutreiben, notfalls mit „allen erforderlichen Mitteln“. Wobei auch noch demonstrativ das Versprechen fehlt, auf die „Anwendung von Gewalt“ zu verzichten. Das ist freilich weniger als Ankündigung einer Invasion zu verstehen, sondern vielmehr als Ankündigung an die USA und die Nachbarstaaten, die Vision vom neuen China ernst zu nehmen und sich herauszuhalten.

Auch mit Eroberung zu tun hat der Plan, den Xis Vorzeigeunternehmer Jack Ma verfolgt. Er greift mit seiner globalen Handelsplattform Alibaba, die für Nutzer kostenlos ist, nun nach Südostasien und Afrika auch in Europa an. Im belgischen Lüttich entsteht ein gigantisches Logistikzentrum als Drehscheibe für Warenlieferungen von und nach China, erläutert unsere Titelgeschichte. Der deutsche Handel befürchtet Dumpingpreise, unlautere Methoden und Fischzüge größerer Art – schon gilt der Online-Vertriebsriese Zalando als Übernahmekandidat. Sicher ist nur: Amazon ist nicht mehr allein. Wie hat Alibaba-Gründer Ma erst kürzlich formuliert: „Wir stellen neue Regeln für die Zukunft auf.“

Am heutigen Tag wird Nancy Pelosi, 78, offiziell die mächtigste Frau der amerikanischen Politik. Die Demokratin übernimmt jene Aufgabe, die sie vor acht Jahren verlor: Sie wird Sprecherin des US-Repräsentantenhauses. Die wohlerzogene Tochter eines Bürgermeisters von Baltimore und Mutter von fünf Kindern (neun Enkel) wird im Chaos von Washington zur Gegenspielerin von Donald Trump, der im Wahlkampf Gespielinnen mit Schweigegeld neutralisiert hat. Gestern gab sie dem Präsidenten bei einem Treffen im Weißen Haus zur mexikanischen Mauer und zum „Shutdown“ Kontra. Um dem Generationswechsel nicht im Weg zu stehen, hat Pelosi ihre Amtszeit auf vier Jahre begrenzt. Ihre Erwartung für den Kampf mit Trump: „Ich werde eine Rüstung tragen und Nägel zum Frühstück essen.“

Quelle: AFP
Mitt Romney: „Der Präsident ist dem Amt nicht gerecht geworden.“
(Foto: AFP)

Eine ähnliche Wahl zum Morgenmahl hat offenbar der neue republikanische Senator von Utah und frühere Präsidentschaftskandidat Mitt Romney getroffen. In einem Zeitungsbeitrag kritisierte er, ein Präsident sollte wesentliche Qualitäten von Ehrlichkeit und Integrität zeigen. Und resümierte etwas gallig, Trump habe es nicht geschafft, „die große Rolle seines Amtes auszufüllen“. Vielleicht weil die Pointe a) legitim und b) gut war, entschloss sich der Attackierte zu einer seiner spontanen Twitter-Antworten. Sie gipfelte im Vergleich, dass Trump seine Präsidentschaftswahl groß gewonnen habe, der andere aber nicht. Womöglich will Romney mit einer Kandidatur 2020 genau dies konterkarieren und es ganz wie Nietzsche halten: „Lieber eine Feindschaft aus ganzem Holz als eine geleimte Freundschaft.“

Das drängendste Problem deutscher Unternehmer ist vielleicht doch nicht die im globalen Vergleich hohe Steuerbelastung, die Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, im Handelsblatt-Interview mit Klaus Stratmann anführt. Nein, offenbar haben noch nie so viele Mittelständler einen Nachfolger gesucht und keinen gefunden wie in letzter Zeit. „Die Engpässe bei der Übergabe von Unternehmen spitzen sich dramatisch zu“, heißt es in einem aktuellen DIHK-Report. Offenbar kann sich der Nachwuchs in einem Familienbetrieb nicht oft genug eine Chefrolle vorstellen. „Family Offices“ sind schicker als „Family Officers“. Fatal: Immerhin stehen bis 2022 rund 150.000 Firmen mit 2,4 Millionen Mitarbeitern zum Stabwechsel an.

Und dann ist da noch Carsten Kengeter, Finanzspezialist aus London, der in seiner Zeit als Chef der Deutschen Börse AG das ganz große Rad drehte. Seinen Job büßte er schon vor einiger Zeit ein (Ende 2017), weil eine Großfusion mit der Londoner Börse LSE zerplatzte wie ein zu dick aufgeblasener Luftballon. Nun zirkuliert in den Medien eine Folgegeschichte, die wir vorige Woche exklusiv brachten: Der Manager muss noch 4,75 Millionen Euro zahlen, dafür stellt die Staatsanwaltschaft Frankfurt ihre Ermittlungen wegen des Verdachts illegaler Insidergeschäfte ein. Die Deutsche Börse selbst hat die Affäre 10,5 Millionen gekostet. Kengeter bleibt ohne Vorstrafe, ihm dürfte aber ein Gedenkplatz als teuerster Fehlgriff in der Geschichte des Eschborner Unternehmens sicher sein.

Sie sehen, ganz so still ist die Zeit offenbar wirklich nicht. Vielleicht hilft ein Spruch von Karl Valentin auf die Sprünge: „Ich bin froh, wenn die stade Zeit vorbei ist, dann wird's vielleicht wieder ruhiger.“

Ich wünsche Ihnen einen entspannten Tag, sei es im Büro, sei es im Museum oder auf irgendeiner Skipiste. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor


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