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Morning Briefing Ein zweiter Fall Wirecard?

16.09.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

von Fraser Perring werden Sie womöglich noch nie etwas gehört haben. Das ist ein britischer Aktienspekulant, der mit seiner Kritik am untergegangenen Phantomkonzern Wirecard richtig lag. 2016 hatte er Vorwürfe anonym im „Zatarra-Report“ publiziert. Nun detoniert eine neue Studie seines Analysehauses Viceroy Research im beschaulichen Baden-Baden.

Das dort am Ooser Landgraben domizilierende MDax-Unternehmen Grenke, ein Leasing-Anbieter, sei ein „Betrugsfall von massivem Ausmaß“, sagt Perring, die Bilanz über Zukäufe von verbundenen Firmen künstlich aufgebläht. Auch sei die Grenke-eigene Bank für Geldwäsche eingesetzt worden. Die Aktie stürzte prompt ab. Grüßt hier Wirecard aus dem Firmengrab? Grenke kündigt rechtliche Schritte an – und verweist zur eigenen Solidität auf 761 Millionen Euro Guthaben bei der Bundesbank.

Mein erster Eindruck: Das ist schon mal eine andere Hausnummer als, sagen wir, 1,9 Milliarden Euro auf philippinischen Banken.

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    Eine tröstende Nachricht in harter Zeit kommt von unserem Bilanzexperten Ulf Sommer. Pleiten seien bei deutschen Mittelständlern – die jährlich zwischen 20 Millionen und 250 Millionen Euro umsetzen – in diesem Jahr nicht zu befürchten. Es sind genügend Reserven da. Schließlich lag die Eigenkapitalquote im Vorkrisenjahr 2019 bei rekordverdächtigen 39 Prozent. Damit lassen sich aktuell Umsatzeinbußen von durchschnittlich 20 Prozent im verarbeitenden Gewerbe verkraften.

    Ein zweites Krisenjahr aber könnte für kleine und mittlere Unternehmen brenzlig werden, findet Volker Ulbricht, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsauskunft Creditreform: „Die derzeitige Lage ist viel gefährlicher als nach der Weltfinanzkrise 2008, weil diesmal die ganze Breite der Wirtschaft betroffen ist.“

    Quelle: AP
    In der Nähe des Flüchtlingszentrums auf der griechischen Insel Samos ist ein Feuer ausgebrochen.
    (Foto: AP)

    Aktuell hat die Bundesregierung nach heftigem Ringen mit sich selbst beschlossen, dass Deutschland 1553 Flüchtlinge aus dem abgebrannten Lager Moria auf der Insel Lesbos aufnimmt. Wer glaubt, das sei die große Lösung, wurde schon gestern Abend eines Besseren belehrt. Da brach in der Nähe des Flüchtlingszentrums auf der griechischen Insel Samos das nächste Feuer aus. Noch würden keine Zelte brennen, aber er sei besorgt, erklärte der örtliche Bürgermeister.

    Im Samos-Lager, für 650 Menschen ausgelegt, leben 4600 Migranten. Auch hier unhaltbare Zustände, Europas unwürdig, auch hier ein Corona-Problem. Es sieht ganz so aus, als ließe sich das Asylproblem nicht auf hellenischen Inseln festhalten.

    Quelle: dpa
    Der russische Kremlkritiker Alexej Nawalny hat mit seiner Frau Julia am Krankenbett in der Charite ein Selfie gemacht.

    Die Worte des Tages: „Hallo, hier ist Nawalny. Ich habe Euch vermisst.“ Das Foto des Tages: der russische Oppositionsführer im Berliner Krankenhaus Charité zusammen mit Frau und Kindern. Er ist jetzt Rekonvaleszent. Nachdenklich stimmt jedoch die prompte Ankündigung von Alexej Nawalny, er wolle nach überstandener Vergiftung zurück nach Russland, um dort seine Arbeit fortzusetzen. Nach einem Bundeswehrlabor haben zuletzt auch Speziallabore in Frankreich und Schweden nachgewiesen, dass der Politiker mit einem Nervengift der Nowitschok-Gruppe außer Gefecht gesetzt worden war. Offenbar hält es Nawalny mit Anton Tschechow: „Arbeiten muss man, alles andere – zum Teufel damit.“

    Die Sommer-Erklärung von Bund und Ländern, bis Ende Oktober gebe es keine Großveranstaltungen, war von Anfang an wenig ernst zu nehmen. Nun haben sich die Bundesländer ganz im Dienst des Profisports für einen sechswöchigen „Probestart“ entschieden – zu einem Zeitpunkt, an dem die Infektionszahlen bei uns und vor allem in europäischen Nachbarländern ansteigen.

    Bei dem Sportexperiment gelten strenge Hygieneauflagen – jeder fünfte Platz in einer Arena darf besetzt werden. Beim Fußballbundesliga-Start am Freitag in München wären 15.000 Zuschauer erlaubt. Allerdings meldet die Stadt bei der „Sieben-Tage-Inzidenz“ einen Wert von 40,09. Bei 35 Infizierten auf 100.000 Einwohner haben die Politiker aber eine Grenze gezogen. Aus demselben Grund müssen die Würzburger Kickers in der Zweiten Bundesliga ohne Publikum antreten. Die Pandemie-Strategie „Brot und Spiele“ wird es schwerer haben, als die Klubs und ihre Lobbyisten es glauben machen wollen.

    Eine Ungenauigkeit fand sich im gestrigen Morning Briefing. Wir hatten geschrieben, Adidas habe zu Beginn der Coronakrise keine Miete für seine Sportshops gezahlt. Richtig ist, dass der Konzern aus Herzogenaurach Ende März zunächst erklärt hatte, Mietzahlungen „vorsorglich temporär“ auszusetzen, dann aber doch nach stürmischen Protesten in der Öffentlichkeit die Miete für April überall zahlte – und sich „in aller Form“ entschuldigte.

    Quelle: AP
    Der Apple-COO Jeff Williams präsentiert die neue Apple Watch.
    (Foto: AP)

    Gespannt war erwartet worden, was Apple auf seiner herbstlichen Neuigkeiten-Show so alles zu verkünden hat. Ein iPhone 12? Weit gefehlt, es war in der Hauptsache ein Uhrenevent. Die Apple Watch Serie 6 kann nun tatsächlich auch den Sauerstoffgehalt des Bluts ermitteln.

    Menschen, die vom Joggen oder dem Homeoffice gestresst sind, können so prüfen, ob ihr Herz-Kreislauf-System noch stabil ist. Offenbar soll die Sauerstoffuhr dem eigenen Weihnachtsgeschäft aufhelfen. Zudem verkündete der Konzern aus Cupertino noch eine neue iPad-Generation sowie einige kombinierte Abo-Modelle für Musik, Filme und Spiele. Insgesamt jedoch fehlte bei Apple der letzte Pfiff oder, wie CEO Tim Cook das so nennt, „one more thing“.

    Und dann ist da noch das Wissenschaftsmagazin „Scientific American“, das in seiner 175-jährigen Geschichte erstmals richtig politisch wird. Es spricht sich aktuell in einem „endorsement“ für den Demokraten Joe Biden als neuen US-Präsidenten aus – gegen Amtsinhaber Donald Trump.

    Begründung: Der Republikaner lehne Wissenschaft ab und habe deshalb dem Land und seinen Bürgern geschadet. Das schlimmste Beispiel sei seine unehrliche, inkompetente Antwort auf die Covid-19-Pandemie, die bisher 196.000 Amerikanern das Leben gekostet habe. Auch Versagen in der Klimapolitik kreiden die Redakteure dem Regierungschef an. Offenbar finden sie Trumps jüngste Expertise zum Klimawandel nicht sehr überzeugend: „Es wird anfangen, kühler zu werden, schauen Sie einfach zu.“

    Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag, der vermutlich nicht kühler wird.
    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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