Morning Briefing Ende der Party

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
schwache Konjunktur, Angst vor einem Handelskrieg und steigende Zinsen: Die Stimmung an den internationalen Börsen könnte kaum schlechter sein. Weltweit haben Investoren einen breiten Ausverkauf von Aktien gestartet. Für Anleger gilt ab sofort verschärfte Anschnallpflicht.

Quelle: Luca D’Urbino
Unsere Titelgeschichte „Die Trump-Illusion“ ist Pflichtlektüre für alle, die Amerika verstehen wollen.

Das Epizentrum des Börsen-Bebens liegt in Amerika. US-Präsident Donald Trump hat den Vereinigten Staaten mit einer historischen Steuerreform zwar einen eindrucksvollen ökonomischen Schub verpasst. Doch kurz vor den Kongresswahlen Anfang November wachsen die Zweifel an dem gekauften Aufschwung. Unsere Titelgeschichte „Die Trump-Illusion“ analysiert die Risiken für die amerikanische Wirtschaft. Pflichtlektüre für alle, die Amerika verstehen wollen.

Deutschlands Unternehmen können auf eine milliardenschwere Entlastung hoffen. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat ein steuerpolitisches Aktionsprogramm ausarbeiten lassen, das sich sehen lassen kann. Im Mittelpunkt stehen die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags und bessere Abschreibungsbedingungen. Unterm Strich könnten die Firmen um 20 Milliarden Euro jährlich entlastet werden. Es ist gut, dass die Große Koalition nicht nur über Geldgeschenke in der Sozialpolitik nachdenkt, sondern nun auch aktive Wachstumspolitik betreiben will. Selbst Hobby-Ökonomen wissen: Erst wirtschaften, dann verteilen.

Den Unternehmen wird es egal sein, dass Altmaier im Kabinett gar nicht für Steuerpolitik zuständig ist. Finanzminister Olaf Scholz muss die Steuerpläne des Wirtschaftsministers dagegen als Affront sehen. Er hatte gerade erst im Handelsblatt-Interview einer kostspieligen Unternehmenssteuerreform eine Absage erteilt. Jetzt sieht er reichlich düpiert aus. Typisch Große Koalition, könnte man meinen. Im Englischen gibt es für den Beschuss durch die eigenen Streitkräfte einen passenden Begriff: „Friendly Fire“.

Quelle: dpa
RWE hat den VW-Chef in den Tagebau Hambach eingeladen.

Dass Politiker sich öffentlich kritisieren, gehört zum Alltag der Demokratie. In der Wirtschaft sind solche Vorgänge eher ungewöhnlich. Entsprechend groß war die Aufregung über die Kritik von VW-Chef Herbert Diess am Hambacher Tagebau. Die Braunkohle geißelte der Automanager als „die mit Abstand klimaschädlichste Energieerzeugung“. RWE reagierte verschnupft – und lud Diess in den Braunkohletagebau ein. Dabei hat der VW-Chef Recht: Stromerzeugung aus Braunkohle und der Wandel zur E-Mobilität passen nicht zusammen. Oscar Wilde kommt einem bei der Auseinandersetzung in den Sinn: „Wer die Wahrheit sagt, wird früher oder später dabei ertappt.“

Heute erscheint wieder unser Handelsblatt Magazin. Diesmal mit einem großen Design-Schwerpunkt. In Omegna haben meine Kollegen den Design-Klassiker Alberto Alessi besucht, in Heidelberg erspürten sie das Geheimnis der Schreibgeräte von Lamy, und in New York sprachen sie mit dem vielgerühmten Modemacher Jeremy Scott, der neben seiner High Fashion für Moschino gerade eine Kollektion für den Massenmarkt von H&M startet. Scott liefert uns auch die richtige Einstellung fürs Wochenende: „Die Kritiker können mich mal.“

Für politisch interessierte Bürger bleibt das Wochenende nur bis Sonntag 18 Uhr entspannt. Dann wird die erste Hochrechnung zur Landtagswahl in Bayern veröffentlicht. Der absehbare Stimmenschwund der CSU hat für Ministerpräsident Markus Söder und Parteichef Horst Seehofer aber auch etwas Gutes: Beide können sich jetzt schon überlegen, wen oder was sie für das Wahlergebnis verantwortlich machen. Siege erzeugen Reden, Niederlagen Ausreden.

Ich wünsche Ihnen ein unterhaltsames Wochenende.
Herzliche Grüße

Sven Afhüppe
Chefredakteur

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