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Morning Briefing Ende einer Ära – Kanzlerin und Trainer

30.06.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

zwischen Fußball und Politik ist es seit 70 Jahren immer wieder mal zu einer pittoresken Pärchenbildung gekommen. Konrad Adenauer und Sepp Herberger: 1954 Weltmeister, das große Republik-Erwachen. Helmut Kohl und Berti Vogts: 1996 Europameister und Einheitsdividende. Angela Merkel und Joachim Löw: 2014 Weltmeister und die Mehr-Europa-Anstrengung.

Nun aber endet der gemeinsame Weg der noch amtierenden Bundeskanzlerin und des seit gestern Abend nicht mehr amtierenden Bundesfußballtrainers. Auch wenn man es mit solchen Analogien nicht übertreiben soll: Die Mut-, Lust- und Ideenlosigkeit der Spieler von Wembley, London, ähnelt der psychologischen Lage der Spieler vom Spreebogen, Berlin.

Anders gewendet: Die Mattigkeit des hochdotierten Human Capital im Bundesadler-Jersey entspricht dem lähmenden Zukunfts-Gestocher der vielstimmigen Minister-Regie: überall Mikro-Initiativen und hingeworfene Wunschkennziffern, nirgends ein großer Plan. Wir faseln über Räume, die zu besetzen seien, aber ein bisschen Manndeckung wäre auch ganz schön. In der Digitalisierung sind wir bisher bereits in der Vorrunde ausgeschieden, beim Klimaschutz immerhin im Achtelfinale.

Angela Merkel und „Jogi“ Löw umweht die Aura einstiger großer Leinwandhelden, von deren früheren Glanz man gerne erzählt, auch von „teutonischen Kämpfertugenden“, bei denen man sich zuletzt jedoch in routiniert abgedrehten B-Produktionen langweilt.

Seien wir ehrlich: England gegen Deutschland (2:0), das war kein „Klassiker“, sondern sportlich bei weitem das schwächste aller Achtelfinalspiele bei dieser Europameisterschaft. So wird man zum Gespött. Das Narrativ beim Fußball: Wir hatten ja zwei (!) Torchancen, man hätte sie nur verwerten müssen.

Das Narrativ in der Politik: Wir haben alles versucht, man hätte nur besser kommunizieren müssen. Im Grunde genommen ist es doch so, dass Menschen in höchsten Positionen maximal acht Jahre Zeit haben, so wie US-Präsidenten: Viereinhalb Jahre davon sind richtig gut, zweieinhalb Jahre profitiert man davon, das letzte Jahr wird`s schon haarig. Joachim Löw (15 Jahre) und Angela Merkel (16 Jahre) standen definitiv zu lange in der Arena. Der Altherrenverein DFB und der Kanzler*inwahlverein CDU haben es nicht anders gewollt und nicht anders gekonnt.

Quelle: Hella
Käme die Übernahme von Hella durch Knorr-Bremse zustande, entstünde nach Bosch, Continental und ZF der viertgrößte Autozulieferer Deutschlands.
(Foto: Hella)

Konsolidierungsdruck ist ein anderes Wort für Konzentration. Zu sehen ist das derzeit im Automarkt und bei seinen Zulieferern. Das drohende Ende des Verbrennungsmotors und das Mantra von der Elektromobilität senden Schockwellen durch die Branche.

So will Knorr-Bremse aus München für rund sieben Milliarden Euro den Elektronikspezialisten Hella kaufen. Der ist noch zu 60 Prozent im Besitz der Familien Hueck und Röpke, die wiederum die Investmentbanker von Rothschild mit der Suche nach Neu-Gesellschaftern beauftragt haben.

Neben der Familie Thiele von Knorr-Bremse fühlen sich auch Finanzinvestoren sowie der französische Rivale Faurecia angesprochen, erläutert unsere Titelstory. Es gibt keine risikolose Gesellschaft, wusste Ahnherr Mayer Amschel Rothschild (1744-1812): „Wenn Mann und Frau zeitig zu Bett gehen, um Kerzen zu sparen, werden sie schließlich mit Zwillingen belohnt.“

Die Coronakrise hat die Wirtschaft in große Gewinner und große Verlierer gespalten. Zur Kategorie eins gehören definitiv die US-Banken. Die Industrie brach an manchen Stellen ein, sie aber steigerten ihre Kapitalreserven, wie die US-Notenbank Federal Reserve feststellt.

Grafik

Man profitiert vom Kapitalmarkt-Boom, staatlichen Hilfsprogrammen und dem Trend zu Spacs, also leeren Firmenmänteln, die an die Börse gehen und von einem Top-Investor gefüllt werden. Von der Banken-Euphorie haben die Kunden derzeit wenig, die Aktionäre aber viel: Die Wall-Street-Häuser kündigen generöse Kapitalausschüttungen an.

Morgan Stanley verdoppelt die Dividende auf 0,70 Dollar pro Aktie. Man steigert auch die Ausgaben für Rückkäufe der eigenen Aktien um 20 Prozent auf zwölf Milliarden Dollar.

  • JP Morgan steigert die Ausschüttung von 90 US-Cent auf einen Dollar.
  • Goldman Sachs schüttet zwei Dollar statt 1,25 Dollar pro Aktie aus.
  • Und die Bank of America kündigt einen Anstieg der Dividende um 17 Prozent auf 21 US-Cent pro Aktie an.

Auch die deutschen Geldhäuser dürften aktuell mit dem Zuckerbrot Dividendensteigerung ein wenig vergessen machen, dass sie durch Strafzinsen für hohe Kontobeträge eine hässliche Peitsche schwingen.

Quelle: dpa
Die Grünen-Kanzlerkandidatin sieht sich Plagiatsvorwürfen gegenüber.

Wer ins Kanzleramt drängt, zieht Kritiker an. Bei der Grünen-Chefin Annalena Baerbock macht derzeit der 51-jährige Wiener Medienwissenschaftler Stefan Weber mit Plagiatsvorwürfen mobil: „Ich habe mich in das Thema Baerbock verbissen.“ Es geht ihm um Passagen aus ihrem neuen Buch „Jetzt: Wie wir unser Land erneuern“ – sein Blog „plagiatsgutachten.com“ stellt Textversionen gegenüber.

Manches liest sich in der Tat ähnlich zu dem, was im „Spiegel“, bei einem Politikwissenschaftler oder der Bundeszentrale für politische Bildung zu finden war. Es handele sich bei den angeblichen Plagiaten um frei verfügbare Texte, Urheberrechtsverletzungen sehe er nicht, erklärt Medienanwalt Christian Schertz. Die Grünen selbst reden von „Rufmord“, auch der Buchverlag Ullstein steht hinter der Arbeit.

Und dann ist da noch „Pepper“, groß wie ein Schulkind und mit beweglichen Fingern ausgestattet. Der humanoide Roboter sollte den Menschen im Alltag schon bald eine Hilfe sein, doch daraus wird nichts.

Japans Technik-Investor Softbank hat fürs Erste die Produktion gestoppt, immer mehr „Pepper“-Exemplare blieben im Keller stehen. Es fiel auf, dass der digitale Freund oft mit sich selbst sprach oder mit gesenktem Kopf die ungewisse Zukunft erwartete. Gefühle entwickelte er nicht, anders als versprochen.

Softbank Robotics forciert nun lieber die Entwicklung von Nutzwertrobotern für Firmenkunden und will damit 2025 rund 800 Millionen Euro einnehmen. Dabei hatte Softbank-Chef Masayoshi Son noch 2015 bei der Vorstellung von „Pepper“ schwadroniert, der Roboter solle dank Künstlicher Intelligenz dereinst die Menschen so richtig begeistern.

Ich wünsche Ihnen einen menschlich gut ausbalancierten Tag.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr
Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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